Ärzte, Kassen und Regierung setzen auf elektronische Patientenakte

 

Die Pla­nun­gen lau­fen schon län­ger: In der elek­tro­ni­schen Pati­en­ten­ak­te sol­len Pati­en­ten, Ärz­te und Kran­ken­häu­ser von 2019 an vie­le Gesund­heits­da­ten fin­den. Ärz­te, Kas­sen und Poli­tik hof­fen auf Ver­bes­se­run­gen. Aber der Daten­schutz muss stim­men.

Die für nächs­tes Jahr geplan­te elek­tro­ni­sche Pati­en­ten­ak­te birgt nach Ansicht von Ärz­ten, Kas­sen und der Lan­des­re­gie­rung in Rhein­land-Pfalz vie­le Chan­cen. «Daten, die bis­her an unter­schied­li­chen Stel­len vor­la­gen, kön­nen zusam­men­ge­führt wer­den und sind künf­tig am Ort und zur Zeit der Behand­lung der Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten ver­füg­bar», sag­te Gesund­heits­mi­nis­te­rin Sabi­ne Bät­zing-Lich­tent­hä­ler (SPD) der Deut­schen Pres­se-Agen­tur. Die Akte wer­de eine stär­ke­re Ein­bin­dung der Pati­en­ten in die medi­zi­ni­sche Ver­sor­gung brin­gen. Sie beton­te, dass aber für den Daten­schutz ver­pflich­ten­de Stan­dards nötig sei­en. Inha­ber der elek­tro­ni­schen Akte müs­se immer der­je­ni­ge sein, des­sen Daten dar­in gespei­chert sind.

Vom 1. Janu­ar 2019 an sol­len gesetz­lich ver­si­cher­te Pati­en­ten einen Anspruch auf eine sol­che E-Akte haben, in der wich­ti­ge Doku­men­te wie Arzt­brie­fe, Medi­ka­ti­ons­plan, Not­fall­da­ten und Impf­aus­weis zu fin­den sind. Dann kön­nen sich Ärz­te und Kran­ken­häu­ser und die Pati­en­ten selbst über die wich­tigs­ten Gesund­heits­da­ten infor­mie­ren. Damit sol­len zum Bei­spiel Dop­pel­un­ter­su­chun­gen und Behand­lungs­feh­ler ver­hin­dert wer­den.

Die Lan­des­ärz­te­kam­mer Rhein­land-Pfalz sieht in der elek­tro­ni­schen Akte eine Hil­fe, um Pati­en­ten­da­ten für eine gute und indi­vi­du­el­le Ver­sor­gung rasch auf einen Blick ver­füg­bar zu haben. «Die­se Akte liegt übri­gens nicht beim Arzt bezie­hungs­wei­se dem Kran­ken­haus, son­dern in der Hand des Pati­en­ten», beton­te Prä­si­dent Gün­ther Mat­heis. «Die Ärz­te­kam­mern haben bereits seit lan­gem ihre Haus­auf­ga­ben gemacht.» Alle Ärz­te könn­ten einen elek­tro­ni­schen Aus­weis bean­tra­gen. Nur damit kön­ne die elek­tro­ni­sche Gesund­heits­kar­te und so auch die Pati­en­ten­ak­te genutzt wer­den. Es sei aber noch offen, wie es mit der Gesund­heits­kar­te wei­ter­ge­hen soll.

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«Durch den digi­ta­len Medi­ka­ti­ons­plan ver­bes­sert sich die Arz­nei­mit­tel-The­ra­pie­si­cher­heit, weil zum Bei­spiel mög­li­che Wech­sel­wir­kun­gen ver­schie­de­ner Arz­nei­en bes­ser erkannt wer­den kön­nen als bis­her», erklär­te die Kran­ken­kas­se. Die Pati­en­ten könn­ten die Daten rund um die Uhr abru­fen und mit eige­nen Daten ergän­zen. Die Hoheit der Daten müs­se beim Pati­en­ten lie­gen. Die AOK arbei­tet nach eige­nen Anga­ben an einem digi­ta­len Gesund­heits­netz­werk.

Die Tech­ni­ker Kran­ken­kas­se (TK) hofft mit der E-Pati­en­ten­ak­te auf mehr Effi­zi­enz und Trans­pa­renz zum Vor­teil der Pati­en­ten. «Aktu­ell lie­gen die Pati­en­ten­da­ten an unter­schied­li­chen Stel­len», sag­te TK-Lan­des­vor­sit­zen­der Jörn Simon. «Wenn hin­ge­gen die­se Daten an zen­tra­ler Stel­le gesam­melt wür­den, lie­ßen sich bei­spiels­wei­se Dop­pel­un­ter­su­chun­gen ver­mei­den.» Außer­dem kön­ne der Impf­pass dort abge­legt wer­den. «So bestün­de die Mög­lich­keit, an Imp­fun­gen zu erin­nern, genau­so wie an Vor­sor­ge­un­ter­su­chun­gen – wenn der Ver­si­cher­te das möch­te.»

Die TK will nach eige­nen Anga­ben in den nächs­ten Mona­ten eine markt­rei­fe Ver­si­on der Pati­en­ten­ak­te prä­sen­tie­ren, die sie elek­tro­ni­sche Gesund­heits­ak­te nennt. «Im Zuge der Ent­wick­lung wur­de dar­auf geach­tet, dass die höchs­ten Stan­dards in Bezug auf Daten­schutz und Daten­si­cher­heit gel­ten», sag­te der TK-Lan­des­chef. Risi­ken sieht er daher nicht: «Die Daten wer­den immer ver­schlüs­selt und kön­nen nur durch den Ver­si­cher­ten selbst ent­schlüs­selt wer­den.» Er schlug vor, dass die gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen die zen­tra­le Daten­platt­form ver­wal­ten, auf der die Infor­ma­tio­nen abge­legt wer­den.

(dpa)

 

 

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