Ärzte-Meinungen zum Koalitionsvertrag gehen weit auseinander

Von „durch­aus rich­ti­ge Akzen­te” bis zu „Toten­schein für die ärzt­li­che Frei­be­ruf­lich­keit” rei­chen die sehr unter­schied­li­chen ers­ten Kom­men­ta­re von Ärz­te-Sei­te zu dem nach lan­gem Rin­gen ver­ein­bar­ten Koali­ti­ons­ver­trag zwi­schen CDU/CSU und SPD.

Bun­des­ärz­te­kam­mer-Prä­si­dent Prof. Frank Ulrich Mont­go­me­ry erklär­te: „Der Koali­ti­ons­ver­trag setzt beim The­ma Gesund­heit an vie­len Stel­len durch­aus rich­ti­ge Akzen­te.” Als Bei­spiel nann­te er die vor­ge­se­he­nen Maß­nah­men gegen den Ärz­te­man­gel, die För­de­rung von Land­ärz­ten und den Aus­bau der Struk­tur­fonds. „Mit der För­de­rung der sek­to­ren­über­grei­fen­den Ver­sor­gung, Neu­re­ge­lun­gen bei der Not­fall­ver­sor­gung und der Reform des Medi­zin­stu­di­ums sind wich­ti­ge Zukunfts­the­men ange­spro­chen”, so Mont­go­me­ry.

Sehr ver­nünf­tig” fin­det der Ärz­te­prä­si­dent, dass das The­ma des Ver­gü­tungs­sys­tems nicht mehr unter Zeit­druck ent­schie­den wor­den sei. Die Ärz­te­schaft sei bereit, sich in die anste­hen­den Bera­tun­gen der von der Bun­des­re­gie­rung ange­kün­dig­ten wis­sen­schaft­li­chen Kom­mis­si­on kon­struk­tiv ein­zu­brin­gen.

Sor­ge und Empö­rung

Dass mit die­ser Kom­mis­si­on die gefürch­te­te Ver­ein­heit­li­chung der Ärz­te­ho­no­ra­re immer noch nicht vom Tisch ist, erfüllt aller­dings den Vor­sit­zen­den des Hart­mann­bun­des, Dr. Klaus Rein­hardt, mit Sor­ge und den Bun­des­vor­sit­zen­den des NAV-Virchow-Bun­des, Dr. Dirk Hein­rich, mit Empö­rung.

Rein­hardt warn­te vor einer fahr­läs­si­gen Desta­bi­li­sie­rung des Zwei-Säu­len-Modells des deut­schen Gesund­heits­we­sens: „Wenn wir denn über­haupt über eine Ver­ein­heit­li­chung der Gebüh­ren­ord­nun­gen spre­chen, dann aus­schließ­lich auf Basis der Ver­gü­tung von Ein­zel­leis­tun­gen ohne Bud­get-Ober­gren­ze! Wir sind bereit – im Rah­men ange­mes­se­ner Vor­aus­set­zun­gen – unse­ren Bei­trag zur Bewäl­ti­gung der anste­hen­den Her­aus­for­de­run­gen des Gesund­heits­sys­tems zu leis­ten.“

Hein­rich kri­ti­siert Über­macht der staat­li­chen Ein­grif­fe

Für Hein­rich ist dage­gen jetzt schon klar: „Der Staat über­nimmt das Gesund­heits­we­sen.” „Eine neue GOÄ, Grund­la­ge des Frei­en Beru­fes Arzt, soll Ver­hand­lungs­mas­se in die­ser Kom­mis­si­on für Arzt­ho­no­ra­re wer­den. Die in wei­ten Tei­len bereits fer­tig­ge­stell­te neue GOÄ rückt damit in wei­te Fer­ne”, befürch­tet er und erkennt in den Ver­ein­ba­run­gen zur Gesund­heits­po­li­tik „den Geist des Miss­trau­ens und der Regu­lie­rungs­wut”. „Mit einer Viel­zahl von Detail­re­ge­lun­gen und der Schaf­fung neu­er Insti­tu­tio­nen und Gre­mi­en sichert sich die Poli­tik den Zugriff auf das Gesund­heits­we­sen und baut ihren Ein­fluss zulas­ten der bestehen­den Selbst­ver­wal­tung aus”, kri­ti­siert Hein­rich. „Die eigent­li­chen struk­tu­rel­len Pro­ble­me, die durch die anhal­ten­de Bud­ge­tie­rung ver­ur­sacht wer­den, gehen die Koali­tio­nä­re erst gar nicht an.”

Eine Erhö­hung der Min­dest­sprech­stun­den­zeit um 25 Pro­zent wer­de „ohne eine Aus­sa­ge zur Gegen­fi­nan­zie­rung” im Koali­ti­ons­ver­trag ange­kün­digt. „Ein inter­es­san­tes Vor­ha­ben inner­halb eines bud­ge­tier­ten Sys­tems, zieht doch eine sol­che Erhö­hung der ärzt­li­chen Arbeits­zeit auch Fol­ge­kos­ten, wie etwa Arbeits­zeit­ver­län­ge­rung bei unse­ren medi­zi­ni­schen Fach­an­ge­stell­ten nach sich”, kom­men­tiert Hein­rich. „Sofern alle wei­te­ren geplan­ten Instru­men­te umge­setzt wer­den, ist die­ser Koali­ti­ons­ver­trag der Toten­schein für die Selbst­ver­wal­tung und die ärzt­li­che Frei­be­ruf­lich­keit”, lau­tet sein Urteil.

(ms)

Quelle
BÄK, NAV-Virchow-Bund, Hartmannbund
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