Albert-Ludwigs-Universität Freiburg: Lehrpreise für herausragende Didaktik

Die Medi­zi­ni­sche Fakul­tät der Uni­ver­si­tät Frei­burg hat in die­sem Jahr fünf Lehr­ver­an­stal­tun­gen aus­ge­zeich­net.

Guter Unter­richt für ange­hen­de Ärz­tin­nen und Ärz­te: Mit ins­ge­samt 25.000 Euro Preis­geld hat die Medi­zi­ni­sche Fakul­tät der Uni­ver­si­tät Frei­burg fünf Lehr­prei­se im Stu­di­en­gang Human­me­di­zin ver­ge­ben. Die bei­den mit je 8.000 Euro dotier­ten Aus­zeich­nun­gen gehen an Prof. Dr. Chris­ti­an Offer­geld, Kli­nik für Hals-, Nasen- und Ohren­heil­kun­de, sowie Dr. Jochen Brich und Dr. Moritz von Cra­nach, Kli­nik für Neu­ro­lo­gie und Neu­ro­phy­sio­lo­gie. Die ande­ren mit jeweils 3.000 Euro dotier­ten Lehr­prei­se bekom­men Prof. Dr. Chris­toph Schempp und Mar­tin Faber, Kli­nik für Der­ma­to­lo­gie, sowie Dr. Hele­ne Pahlow, Dr. Mat­thi­as Goos, Prof. Dr. Ste­fan Ficht­ner-Feigl und Prof. Dr. Oli­ver Tho­musch, Kli­nik für All­ge­mein- und Vis­ze­ral­chir­ur­gie, Dr. Wal­traut Sil­ber­na­gel, Insti­tut für Medi­zi­ni­sche Psy­cho­lo­gie und Dr. Andrea Kuh­nert, Kli­nik für Psy­cho­so­ma­ti­sche Medi­zin und Psy­cho­the­ra­pie. Kuh­nert erhält zudem noch einen Lehr­preis für ein wei­te­res Pro­jekt.

Chris­ti­an Offer­geld: „Tea­ching Pro­fes­sor HNO – Umset­zung eines kom­pe­tenz- und kli­nik­ori­en­tier­ten Lehr­plans in der HNO-Heil­kun­de“
Hohe Lehr­qua­li­tät, moder­ne Lehr­me­tho­den, Kom­pe­tenz­er­werb im Stu­di­um und ein haupt­ver­ant­wort­li­cher Lehr­ko­or­di­na­tor, der so genann­te „Tea­ching Pro­fes­sor (TP)“ – das sind die vier Säu­len, auf denen das Grund­kon­zept der Lehr­ver­an­stal­tung „Tea­ching Pro­fes­sor HNO“ basiert. Das Pro­jekt mit prak­tisch-kli­ni­schem Bezug greift all­ge­mei­ne Fra­gen der Stu­die­ren­den auf und zeigt, wie Beruf, wirt­schaft­li­che Inter­es­sen und qua­li­ta­tiv anspruchs­vol­le Leh­re zu ver­ei­nen sind. Beson­de­ren Wert legen Offer­geld und sein Team auf die fach­li­che Betreu­ung der Stu­die­ren­den durch moti­vier­te Dozen­tin­nen und Dozen­ten.

Jochen Brich, Moritz von Cra­nach: „Lum­bal­punk­ti­on mit prak­ti­schen Übun­gen am Phan­tom“
In der Medi­zin ist die Lum­bal­punk­ti­on eines der wich­tigs­ten Ele­men­te in der neu­ro­lo­gi­schen Dia­gnos­tik. Um Ner­ven­was­ser zu ent­neh­men, wird eine Nadel im Bereich der Len­den­wir­bel ein­ge­führt. Die Metho­de wird im „Natio­na­len Kom­pe­tenz­ba­sier­ten Lern­ziel­ka­ta­log Medi­zin“ als Grund­kom­pe­tenz für alle Ärz­te gefor­dert. Ziel des Lehr­pro­jekts ist es, die Vor- und Nach­tei­le sowie die prak­ti­sche Fer­tig­keit die­ses kom­ple­xen Ver­fah­rens am Modell zu ver­mit­teln. Dabei spie­len auch das Ver­ständ­nis für die Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten wäh­rend der Punk­ti­on sowie die situa­ti­ons­be­ding­te Kom­mu­ni­ka­ti­on eine wich­ti­ge Rol­le.

Chris­toph Schempp, Mar­tin Faber: „Mou­la­gen-Pro­jekt“
Mou­la­gen sind drei­di­men­sio­na­le, natur­ge­treue Dar­stel­lun­gen von Haut­er­kran­kun­gen in Wachs. Sie waren bis zur Ablö­sung durch die Farb­fo­to­gra­fie Mit­te des 20. Jahr­hun­derts ein unver­zicht­ba­rer Bestand­teil der der­ma­to­lo­gi­schen Leh­re. Der Unter­richt an Mou­la­gen wur­de an der Frei­bur­ger Haut­kli­nik im Jahr 2007 wie­der in die Leh­re ein­ge­führt. Wie bei einer Kli­ni­schen Visi­te ler­nen die Stu­die­ren­den anhand der Mou­la­gen kon­kre­te Fäl­le ken­nen, aus denen das Typi­sche einer Krank­heit abge­lei­tet wird. Im Gegen­satz zum Unter­richt am Kran­ken­bett ste­hen mit den Mou­la­gen jeder­zeit Lehr­bei­spie­le zur Ver­fü­gung, die didak­tisch auf­be­rei­tet sind. Auch Haut­ver­än­de­run­gen im Intim­be­reich kön­nen mit ihnen gezeigt wer­den, ohne dass Per­sön­lich­keits­rech­te der Pati­en­ten ver­letzt wer­den. Mit Unter­stüt­zung des Lehr­prei­ses sol­len die Mou­la­gen in den Klein­grup­pen­un­ter­richt der Ober­ärz­te und in das E-Learning ein­ge­bun­den wer­den.

Hele­ne Pahlow, Mat­thi­as Goos, Ste­fan Ficht­ner-Feigl, Oli­ver Tho­musch, Wal­traut Sil­ber­na­gel und Andrea Kuh­nert: „Kom­mu­ni­ka­ti­ve Kom­pe­ten­zen in der Chir­ur­gie“
Stu­die­ren­de der Human­me­di­zin kom­men im sieb­ten Semes­ter erst­mals mit Pati­en­ten in Kon­takt. Dann gilt es, das bis dahin im Stu­di­um erlern­te Wis­sen über Gesprächs­füh­rung und Fra­ge­tech­nik in die Tat umzu­set­zen. In einem Pilot­pro­jekt der Chir­ur­gie-Abtei­lung füh­ren die Stu­die­ren­den eines ihrer ers­ten Gesprä­che am Kran­ken­bett. Geschul­te Tuto­rin­nen und Tuto­ren beob­ach­ten sie dabei und geben im Anschluss Feed­back: Wie ist die Stu­den­tin oder der Stu­dent auf­ge­tre­ten? Wur­den Pro­ble­me the­ma­ti­siert und Gefüh­le ange­spro­chen? Konn­te der Pati­ent ange­mes­sen durch das Gespräch geführt wer­den? Gute Kom­mu­ni­ka­ti­on macht nach Ansicht der Leh­ren­den auch die Zusam­men­ar­beit von Fach­kräf­ten unter­ein­an­der effi­zi­en­ter. Die Stu­die­ren­den üben des­halb im zwei­ten Teil des Pilot­pro­jekts in einer Pati­en­ten­über­ga­be, den Pati­en­ten rich­tig vor­zu­stel­len. Wel­che Infor­ma­tio­nen müs­sen wie wei­ter­ge­ge­ben wer­den? Wie ist der Plan für das wei­te­re Vor­ge­hen? Gera­de in der Chir­ur­gie, in der oft­mals wenig Zeit bleibt zum Reden, stellt sich her­aus: Ein gutes Gespräch muss nicht lang sein und kann am Ende sogar Zeit spa­ren.

Andrea Kuh­nert: „High risk – cool run: Unter­su­chung zur Wirk­sam­keit einer prä­ven­ti­ven Kurz­in­ter­ven­ti­on zum Umgang mit Belas­tun­gen in (simu­lier­ten) Not­fall­si­tua­tio­nen“
Ärzt­li­ches Han­deln im not­fall­me­di­zi­ni­schen Kon­text erfor­dert schnel­le und ziel­ge­rich­te­te Ent­schei­dungs-und Hand­lungs­pro­zes­se in hoch kom­ple­xen und emo­tio­nal belas­ten­den Kri­sen­si­tua­tio­nen. Dabei kön­nen Gefüh­le von Hilf­lo­sig­keit und Über­for­de­rung aus­ge­löst wer­den, die pro­fes­sio­nel­les Han­deln erschwe­ren, ins­be­son­de­re bei Per­so­nen mit wenig beruf­li­cher Erfah­rung. Obwohl die­ses Pro­blem bekannt ist, gibt es kaum Vor­keh­run­gen, die ver­su­chen, die­sem in der medi­zi­ni­schen Aus­bil­dung ent­ge­gen­zu­wir­ken. Aus die­sem Grund wird eine Kurz­in­ter­ven­ti­on in Form eines Drei-Stun­den-Work­shops zum acht­sa­men Umgang mit Belas­tun­gen in der Not­fall­me­di­zin sowie deren geplan­te Eva­lua­ti­on vor­ge­stellt. Der Work­shop umfasst sowohl fach­spe­zi­fi­sche Infor­ma­tio­nen zur Arzt-Pati­en­ten-Inter­ak­ti­on und spe­zi­fi­sche Inhal­te zum acht­sa­men Umgang mit nega­ti­ven Gefüh­len als auch üben­de Tuto­ra­te mit Schau­spiel­pa­ti­en­ten.

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