Antibiotikaprophylaxe bei Verdacht auf Knochen- oder Gelenksinfektion sinnvoll

Bei Ver­dacht auf ortho­pä­di­sche Infek­tio­nen spricht nichts gegen eine Anti­bio­ti­ka­pro­phy­la­xe inner­halb von 60 Minu­ten vor der OP, wie eine aktu­el­le Stu­die bestä­tigt. Die Dia­gnos­tik wird dadurch nicht beein­flusst.

Bei einer ver­mu­te­ten Kno­chen- oder Gelenk­s­ent­zün­dung erfolgt in der Regel eine Ope­ra­ti­on mit Ent­nah­me von ver­schie­de­nen Gewe­be­bi­op­si­en, die auf Bak­te­ri­en unter­sucht wer­den. «Die Anti­bio­ti­ka­pro­phy­la­xe wird bei Ver­dacht auf eine ortho­pä­di­sche Infek­ti­on oft nicht durch­ge­führt, weil die behan­deln­den Ärz­te befürch­ten, dass sie dann die bak­te­ri­el­le Ursa­che der Ent­zün­dung nicht mehr fin­den und folg­lich auch nicht gezielt behan­deln kön­nen», sagt die Infek­tio­lo­gin Yvon­ne Acher­mann, Auto­rin der Stu­die und Ober­ärz­tin an der Kli­nik für Infek­ti­ons­krank­hei­ten und Spi­tal­hy­gie­ne des Uni­ver­si­täts­Spi­tals Zürich und an der Uni­ver­si­täts­kli­nik Bal­grist.

Die Anti­bio­ti­ka­pro­phy­la­xe wäre bei ortho­pä­di­schen Ope­ra­tio­nen jedoch sinn­voll – beson­ders, wenn Implan­ta­te ein­ge­setzt sind. Im Rah­men des chir­ur­gi­schen Ein­griffs kommt es sel­ten zu einer Ver­un­rei­ni­gung oder Infek­ti­on mit Bak­te­ri­en, die auf der Haut ange­sie­delt sind. Dazu zäh­len ver­schie­de­ne Sta­phy­lo­kok­ken, Strep­to­kok­ken oder das Cuti­bac­te­ri­um (Pro­pio­ni­bac­te­ri­um) acnes.

Infek­te in Schul­ter, Hüf­te und Knie

Frü­he­re Stu­di­en zu der Fra­ge sei­en ent­we­der zu klein gewe­sen oder hät­ten nicht die direk­ten Aus­wir­kun­gen einer kurz­fris­ti­gen Pro­phy­la­xe auf die intra­ope­ra­ti­ve Dia­gnos­tik unter­sucht, so Acher­mann.

Des­halb wer­te­te nun ein Team von Infek­tio­lo­gen und Ortho­pä­den in einer retro­spek­ti­ven Stu­die die Daten von 110 Pati­en­ten aus, die zwi­schen Janu­ar 2005 und Dezem­ber 2015 in der Uni­ver­si­täts­kli­nik Bal­grist ope­riert und nach der Ope­ra­ti­on min­des­tens ein­mal posi­tiv auf Cuti­bac­te­ri­um acnes getes­tet wur­den. Am häu­figs­ten betrof­fen waren Schul­tern (72), sel­te­ner Hüf­ten (25) oder Knie (6). Bei 64 der Pati­en­ten wur­de die Infek­ti­on mit dem Akne-Bak­te­ri­um ein­deu­tig bestä­tigt. 44, bezie­hungs­wei­se knapp 70 Pro­zent die­ser Pati­en­ten, hat­ten vor dem Ein­griff kei­ne Anti­bio­ti­ka­pro­phy­la­xe erhal­ten.

Unab­hän­gig davon, ob die Pro­phy­la­xe gege­ben wur­de, fan­den die Stu­di­en­au­to­rin­nen kei­nen Unter­schied bezüg­lich der Anzahl Tage, die bis zur Dia­gno­se des krank­heits­aus­lö­sen­den Bak­te­ri­ums ver­stri­chen. Unbe­ein­flusst war auch das Ver­hält­nis der posi­ti­ven Pro­ben zur Zahl der ins­ge­samt ent­nom­me­nen Pro­ben.

Um eine homo­ge­ne Grup­pe von Infek­tio­nen mit dem glei­chen Bak­te­ri­um zu unter­su­chen, wur­de das lang­sam wach­sen­de Cuti­bac­te­ri­um acnes aus­ge­wählt, das beson­de­re Schwie­rig­kei­ten in der Dia­gno­se von ortho­pä­di­schen Infek­tio­nen macht. Ähn­li­che Ergeb­nis­se sind jedoch auch bei ande­ren Bak­te­ri­en zu erwar­ten. Die bis­lang größ­te der­ar­ti­ge Stu­die zei­ge, dass die pro­phy­lak­ti­sche Anti­bio­ti­ka-Gabe die für die Behand­lung ent­schei­den­de mikro­bio­lo­gi­sche Ana­ly­se nicht stö­re, betont Acher­mann. «Wir emp­feh­len, inner­halb 60 Minu­ten vor einem ortho­pä­di­schen Ein­griff rou­ti­ne­mäs­sig Anti­bio­ti­ka zur Pro­phy­la­xe zu geben. Das ver­rin­gert das Risi­ko bak­te­ri­el­ler Infek­tio­nen durch die Ope­ra­ti­on und schützt zudem das Implan­tat.»

Ori­gi­nal­pu­bli­ka­ti­on: Ana­gnos­to­pou­los A. et al. J. Clin. Micro­bi­ol. Febru­ary 2018 vol. 56 no. 2 e01576-17.

Quelle
UniversitätsSpital Zürich
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