Antibiotikaresistenzen: „Mehr Beratung, weniger Rezeptblock“

Anti­bio­tika­re­sis­ten­te Krank­heits­er­re­ger wer­den welt­weit mit zuneh­men­der Besorg­nis betrach­tet und bedür­fen höchs­ter Auf­merk­sam­keit.

Sie kön­nen sowohl für Men­schen als auch für Tie­re gefähr­lich wer­den. Daher ist ein ver­ant­wor­tungs­be­wuss­ter Umgang mit anti­bio­ti­schen Wirk­stof­fen von gro­ßer Bedeu­tung. Am 29. Sep­tem­ber 2017 fand dazu in Vech­ta ein wis­sen­schaft­li­ches Sym­po­si­um statt. Mehr als 220 Teil­neh­men­de aus Vete­ri­när­me­di­zin und Human­me­di­zin dis­ku­tier­ten gemein­sam, wie die Anti­bio­tika­re­sis­tenz­si­tua­ti­on künf­tig wei­ter ver­bes­sert wer­den kann.

In sei­nem Ein­füh­rungs­vor­trag zitier­te Prof. Dr. Tho­mas Bla­ha, Stif­tung Tier­ärzt­li­che Hoch­schu­le Han­no­ver, Schät­zun­gen der UN, dass ohne wir­kungs­vol­le Kon­zep­te ab 2050 mehr als 10 Mil­lio­nen Men­schen im Jahr welt­weit an resis­ten­ten Kei­men ster­ben könn­ten, wenn kei­ne Gegen­maß­nah­men ergrif­fen wer­den. Er for­der­te daher, dass neben einer ver­bes­ser­ten Zusam­men­ar­beit zwi­schen Human- und Vete­ri­när­me­di­zin auch ein gesamt­ge­sell­schaft­li­ches Ver­ständ­nis für den ver­ant­wor­tungs­vol­len Umgang mit den für die Mensch­heit so wert­vol­len Anti­bio­ti­ka zu schaf­fen sei.

Dies bekräf­tig­te auch der Prä­si­dent des nie­der­säch­si­schen Lan­des­amts für Ver­brau­cher­schutz und Lebens­mit­tel­si­cher­heit (LAVES), Prof. Dr. Eber­hard Haun­horst: „Jeder Ein­satz von Anti­bio­ti­ka in der Human- und Vete­ri­när­me­di­zin kann die uner­wünsch­te Resis­tenz­ent­wick­lung gegen Anti­bio­ti­ka för­dern. Die Bekämp­fung von Anti­bio­tika­re­sis­ten­zen ist daher eine gemein­sa­me, wich­ti­ge Auf­ga­be der Human- und Vete­ri­när­me­di­zin – dies spie­gelt sich im One-Health-Ansatz wider.“

Der One-Health-Ansatz wur­de auf der Tagung ange­regt dis­ku­tiert, weil er die Gesund­heit von Mensch, Tier und Umwelt fach­über­grei­fend in den Blick nimmt. Dr. Mat­thi­as Pulz, Prä­si­dent des Nie­der­säch­si­schen Lan­des­ge­sund­heits­amts (NLGA), erklär­te: „Der One-Health-Ansatz soll die Zusam­men­ar­beit unter­schied­li­cher Fach­rich­tun­gen stär­ken und dabei Akti­vi­tä­ten im jewei­li­gen Ver­ant­wor­tungs­be­reich beför­dern“. Mit der gemein­sa­men nie­der­säch­si­schen Stra­te­gie gegen Anti­bio­tika­re­sis­tenz wer­de bei­spiels­wei­se genau die­ser Ansatz ver­folgt, so Pulz.

Ers­te Erfol­ge bei der Bekämp­fung resis­ten­ter Kei­me sind bereits sicht­bar. In der Tier­hal­tung hat sich die Gesamt­men­ge der an Tier­ärz­te abge­ge­be­nen Anti­bio­ti­ka seit 2011 etwa hal­biert. Die Teil­neh­me­rin­nen und Teil­neh­mer waren sich jedoch einig, dass wei­te­re Anstren­gun­gen not­wen­dig sei­en. Auch in den Kran­ken­häu­sern. In sei­nem Vor­trag über Hygie­ne im Kran­ken­haus mach­te Dr.med. Ron Hen­d­rix, Medi­zi­ni­sches Zen­trum der Uni­ver­si­tät Gro­nin­gen, anschau­lich, dass eine ver­bes­ser­te Resis­tenz­über­wa­chung nicht nur dabei hel­fe, Resis­ten­zen zu mini­mie­ren, son­dern auch Kos­ten zu ein­zu­spa­ren. Auf­wän­di­ge Behand­lun­gen und eine iso­lier­te Unter­brin­gung betrof­fe­ner Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten in den Kran­ken­häu­sern könn­ten bei­spiels­wei­se gesenkt wer­den.

Die Geschäfts­füh­re­rin der neu­en, in Vech­ta ansäs­si­gen Koor­di­nie­rungs­stel­le „Trans­for­ma­ti­ons­wis­sen­schaf­ten in agra­ri­schen Inten­siv­re­gio­nen im Nord­wes­ten Nie­der­sach­sen“, Dr. Bar­ba­ra Grab­kow­sky, freu­te sich über die rege Teil­nah­me und unter­strich: „Jetzt gilt es, die­sen Schwung und das Inter­es­se aller Dis­zi­pli­nen an die­sem wich­ti­gen The­ma auf­zu­grei­fen. Wir wol­len auf den Ergeb­nis­sen der Tagung auf­bau­en und pra­xis­taug­li­che Kon­zep­te mit Wirt­schaft und Wis­sen­schaft erfor­schen. Wir brau­chen mehr Bera­tung, einen geziel­ten und ver­ant­wor­tungs­be­wuss­ten Umgang in der Anti­in­fek­ti­vathe­ra­pie bei Mensch und Tier und weni­ger den schnel­len Griff zum Rezept­block.“

Wei­te­re Ver­an­stal­tun­gen der Koor­di­nie­rungs­stel­le sind bereits in Pla­nung. Auch zukünf­tig wer­de es dar­um gehen, wich­ti­ge gesell­schafts­re­le­van­te The­men auf­zu­grei­fen und zu dis­ku­tie­ren. Ziel sei es, Ver­tre­te­rin­nen und Ver­tre­ter aus Wis­sen­schaft, Wirt­schaft und Poli­tik bes­ser zu ver­net­zen, um auf­bau­end gemein­schaft­lich getra­ge­ne Lösungs­an­sät­ze zu ent­wi­ckeln, so Grab­kow­sky wei­ter.

Koope­ra­ti­ons­part­ner des Sym­po­si­ums

Aus­rich­ter des wis­sen­schaft­li­chen Sym­po­si­ums „Anti­bio­tika­re­sis­tenz­si­tua­ti­on ver­bes­sern – Eine gemein­sa­me Auf­ga­be von Human- und Vete­ri­när­me­di­zin“ sind neben der Koor­di­nie­rungs­stel­le Trans­for­ma­ti­ons­wis­sen­schaf­ten auch die Uni­ver­si­tät Vech­ta, die Stif­tung Tier­ärzt­li­che Hoch­schu­le Han­no­ver, das Agrar- und Ernäh­rungs­fo­rum Olden­bur­ger Müns­ter­land e. V. (aef), das Nie­der­säch­si­sche Lan­des­amt für Ver­brau­cher­schutz und Lebens­mit­tel­si­cher­heit (LAVES) sowie das Nie­der­säch­si­sche Lan­des­ge­sund­heits­amt (NLGA).

Über die Koor­di­nie­rungs­stel­le

Die Koor­di­nie­rungs­stel­le Trans­for­ma­ti­ons­wis­sen­schaf­ten für die agra­ri­sche Inten­siv­re­gi­on im Nord­wes­ten Nie­der­sach­sens ist eine gemein­sa­me Ein­rich­tung der Koope­ra­ti­ons­part­ner Uni­ver­si­tät Göt­tin­gen, Stif­tung Tier­ärzt­li­che Hoch­schu­le Han­no­ver, Hoch­schu­le Osna­brück, Uni­ver­si­tät Osna­brück, Uni­ver­si­tät Vech­ta, Olden­bur­gi­sche IHK, IHK Osna­brück – Ems­land – Graf­schaft Bent­heim, Land­wirt­schafts­kam­mer Nie­der­sach­sen, des Agrar- und Ernäh­rungs­fo­rums Olden­bur­ger Müns­ter­land e.V. und des Klei­nen Krei­ses e.V. Fer­ner betei­ligt sind der BUND Nie­der­sach­sen, der WWF Deutsch­land sowie das Nie­der­säch­si­sche Minis­te­ri­um für Wis­sen­schaft und Kul­tur und das Nie­der­säch­si­sche Minis­te­ri­um für Ernäh­rung, Land­wirt­schaft und Ver­brau­cher­schutz. Ziel der Ein­rich­tung ist es, Zukunfts­per­spek­ti­ven für die agra­ri­schen Inten­siv­re­gio­nen zu ermit­teln und anwen­dungs­ori­en­tier­te Pra­xis­lö­sun­gen im Ver­bund zu ent­wi­ckeln. Ein­be­zo­gen wer­den sol­len dabei die sozia­len und öko­no­mi­schen Belan­ge der Betrie­be, Tier- und Umwelt­schutz.

Quel­le: Uni Vech­ta

Mehr anzeigen
Anzeige

Verwandte Artikel

Close