Arbeitstagung NeuroIntensivMedizin (ANIM) stellt sich neuen Herausforderungen

Die Kon­gress­ta­ge wer­den bunt und abwechs­lungs­reich, denn wir haben ein ganz beson­de­res Pro­gramm in die­sem Jahr“, beton­te Tagungs­prä­si­dent Prof. Dr. med. Wolf­gang Müll­ges, Neu­ro­lo­gi­sche Kli­nik und Poli­kli­nik am Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Würz­burg, schon zur Kon­gress­eröff­nung,  dem ers­ten Höhe­punkt mit inte­grier­ter Preis­ver­lei­hung  für her­aus­ra­gen­de Arbei­ten im Bereich der Inten­siv- und Not­fall­me­di­zin bei der dies­jäh­ri­gen ANIM (Arbeits­ta­gung Neu­ro­In­ten­siv­Me­di­zin).

Wie sehr die Wei­ter­ent­wick­lung des Faches fort­ge­schrit­ten ist, wird schon dar­in deut­lich, dass bereits am ers­ten Tag 1.100 Teil­neh­mer ins Con­gress Cen­trum in Würz­burg kamen und das umfang­rei­che Pro­gramm mit einer Viel­zahl an Ses­si­ons und Sym­po­si­en nutz­ten. Prof. Wolf­gang Müll­ges beschrei­te­te mit dem Ange­bot ganz bewusst neue Pfa­de: „Die immer älter wer­den­de Bevöl­ke­rung mit ver­bes­ser­ter Pro­gno­se auch im hohen Lebens­al­ter, die ver­dich­te­ten Pro­zes­se in den Kli­ni­ken mit ver­kürz­ter Auf­ent­halts­dau­er und schließ­lich die gro­ßen Fort­schrit­te in der The­ra­pie in der Akut­pha­se haben uns die Lang­zeit­pro­gno­se aus den Augen ver­lie­ren las­sen.“ Des­halb lag zum ers­ten Mal ein Tagungs­schwer­punkt auf der Neu­roreha­bi­li­ta­ti­on, ein wei­te­rer auf der Neu­ro­psy­cho­lo­gie: „Was wir bis­her sträf­lich ver­nach­läs­sigt haben, was die Lebens­qua­li­tät unse­rer Pati­en­ten aber ent­schei­dend mit­be­stimmt, sind neu­ro­psy­cho­lo­gi­sche Stö­run­gen. Des­halb ist es wich­tig, schon in der Früh­pha­se wei­se zu ent­schei­den, wie weit wir in der The­ra­pie gehen wol­len.“

DGNI-Prä­si­dent Prof. Dr. med. Georg Gahn M.B.A, Karls­ru­he, ergänz­te: „Die Neu­ro-Inten­siv­me­di­zin steht vor neu­en Her­aus­for­de­run­gen und wird durch Umstruk­tu­rie­run­gen zum Teil unter mas­si­ven Druck gesetzt.“  Neue wich­ti­ge The­men sei­en zum Bei­spiel Pro­gno­ses­cores auf Inten­siv­sta­tio­nen, etwa für sehr alte Pati­en­ten. Vor dem Hin­ter­grund der bahn­bre­chen­den Ent­wick­lung in der Behand­lung des Schlag­an­falls in den letz­ten Jah­ren sei der gemein­sa­me Kon­gress mit der Deut­schen Schlag­an­fall Gesell­schaft (DGS) „ganz wich­tig und essen­ti­ell“. Mar­tin Dich­gans, Prä­si­dent der DSG aus Mün­chen, ver­wies auf das gut besuch­te Sym­po­si­um zur Qua­li­tät in der Schlag­an­fall­ver­sor­gung, die nir­gend­wo so gut sei wie in Deutsch­land. „Unse­re inw­zi­schen 308 zer­ti­fi­zier­ten Stro­ke Units tra­gen ent­schei­dend dazu bei und die neu­en Stu­di­en­da­ten zei­gen in ver­schie­de­nen Berei­chen noch­mal ver­bes­ser­te Ergeb­nis­se.“

Neben einer Rei­he neu­er, in den USA ent­wi­ckel­ter Leit­li­ni­en zur Behand­lung des Schlag­an­falls wur­den auch in Deutsch­land die Leit­li­ni­en aktua­li­siert. So erstell­te die DSG aktu­ell eine Leit­li­nie zur Sekundärprävention, die von Armin Grau, Lud­wigs­ha­fen, koor­di­niert wur­de, der in einer eige­nen Ses­si­on zu dem The­ma bei der ANIM 2018 ers­te Ein­bli­cke gab. Unter dem Titel „Trig­ger­fak­to­ren zur Auslösung von Schlaganfällen“ wur­de vor­ge­stellt, dass zum Bei­spiel geo­ma­gne­ti­sche Stürme, Temperaturveränderungen oder auch Fein­staub­kon­zen­tra­ti­on durch Ver­kehrs­be­las­tung mit Schlag­an­fäl­len asso­zi­iert sind. Die­ses erhöh­te Risi­ko bei Expo­si­ti­on kann bei Männern am glei­chen oder am nächsten Tag, bei Frau­en nach 2 bis 4 Tagen einen Schlag­an­fall aus­lö­sen. „Durch Ozon­be­las­tung vergrößert sich das Risi­ko inter­es­san­ter­wei­se nicht“, so Armin Grau. 

Die ANIM 2018 bie­te­te 75 span­nen­de Ein­zel­ver­an­stal­tun­gen und wur­de von einer umfang­rei­chen Indus­trie­aus­stel­lung beglei­tet, in der 35 Unter­neh­men den neu­es­ten Stand ihrer Ent­wick­lun­gen prä­sen­tier­ten. Beson­ders gut besucht war der ENLS-Kurs (Emer­gen­cy Neu­ro­lo­gic Life Sup­port) mit über 70 Teil­neh­mern, der auf Initi­ta­ti­ve der US-ame­ri­ka­ni­schen Neu­ro­cri­ti­cal Care Socie­ty (NCS) im Rah­men des Joint-Mee­tings mit der DGNI erst­mals in Deutsch­land ange­bo­ten wur­de: ein Reani­ma­ti­ons­kurs für alle Neu­ro-Not­fäl­le, die eine umge­hen­de inten­siv­me­di­zi­ni­sche Behand­lung erfor­dern.

Quelle
Deutsche Gesellschaft für NeuroIntensiv- und Notfallmedizin e.V. (DGNI)
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