Beschleunigte Bestimmung von Antibiotikaresistenzen

Ein For­scher­team des Insti­tuts für Medi­zi­ni­sche Mikro­bio­lo­gie der Uni­ver­si­tät Müns­ter hat eine Metho­de ent­wi­ckelt, mit der zügig Resis­tenz­merk­ma­le von Erre­gern bestimmt wer­den kön­nen. In Koope­ra­ti­on mit Pro­jekt­part­nern aus der Wirt­schaft soll das Ver­fah­ren zur Markt­rei­fe gebracht wer­den.

Atem­wegs-, Harn­wegs- oder Wund­in­fek­ti­on, Sep­sis: Die Lis­te der typi­scher­wei­se durch mul­ti­re­sis­ten­te Kei­me aus­ge­lös­ten Erkran­kun­gen ist lang, deren Ver­lauf oft schwer oder gar töd­lich. The­ra­peu­ti­scher Königs­weg sind exakt auf den krank machen­den Erre­ger zuge­schnit­te­ne Anti­bio­ti­ka, doch genau hier liegt das Pro­blem: Tests, wel­cher Keim den Pati­en­ten krank macht und gegen wel­che Anti­bio­ti­ka die­ser noch emp­find­lich ist, dau­ern oft lan­ge. Ein For­scher­team des Insti­tuts für Medi­zi­ni­sche Mikro­bio­lo­gie der Uni­ver­si­tät Müns­ter hat nun eine Metho­de ent­wi­ckelt, die das Ver­fah­ren deut­lich beschleu­nigt. Unter­stützt durch eine neue För­der­richt­li­nie des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Bil­dung und For­schung (BMBF) brin­gen die For­scher die Metho­de in Koope­ra­ti­on mit einem Tech­no­lo­gie­un­ter­neh­men der­zeit zur Markt­rei­fe, sodass sie Pati­en­ten schon bald zugu­te­kom­men kann.

Das Team mit Priv.-Doz. Dr. Evge­ny Ide­le­vich, Prof. Kars­ten Becker, Dama­y­an­ti Kai­ser, Alex­an­dra Busch, Car­los Cor­rea-Mar­ti­nez und Lui­se Storck (v. l.) vor dem MAL­DI-TOF-Gerät. Foto: FZ / E. Dei­ters-Keul

Die neue Metho­de der Mikro­bio­lo­gen und Pro­jekt­lei­ter Pri­vat­do­zent Dr. Evge­ny A. Ide­le­vich und Prof. Kars­ten Becker basiert auf der unter Fach­leu­ten bekann­ten MAL­DI-TOF-Mas­sen­spek­tro­me­trie, mit der es bereits mög­lich ist, Erre­ger zu iden­ti­fi­zie­ren. „Wir brau­chen aber auch neue Ansät­ze, um schnel­ler Resis­tenz­merk­ma­le zu bestim­men. Mit bis­he­ri­gen Metho­den dau­ert dies meist mehr als einen Tag, weil die Pro­ben erst ange­züch­tet wer­den müs­sen“, so Becker. Mit­hil­fe der Inno­va­ti­on aus Müns­ter kön­nen Behand­ler schnel­ler die opti­ma­le Anti­bio­ti­ka­the­ra­pie aus­wäh­len und zügig kran­ken­haus­hy­gie­ni­sche Maß­nah­men im Fall mul­ti­re­sis­ten­ter Erre­ger ein­lei­ten, um ande­re Pati­en­ten zu schüt­zen.

Zusätz­lich min­dert die Gabe von schma­ler wir­ken­den Anti­bio­ti­ka den Selek­ti­ons­druck hin zu resis­ten­ten Erre­gern, denn oft ver­ab­rei­chen Ärz­te – um Pati­en­ten mög­lichst schnell zu hel­fen – Breit­band­an­ti­bio­ti­ka, die gegen vie­le Bak­te­ri­en­stäm­me wir­ken. Dies treibt aller­dings die Ent­ste­hung von mul­ti­re­sis­ten­ten Kei­men wei­ter an.

„Die MAL­DI-TOF-Metho­de bot sich auch für unse­re For­schung an, weil sie extrem schnell, hoch­spe­zi­fisch und kos­ten­güns­tig ist“, erklärt Ide­le­vich. Die Wis­sen­schaft­ler haben des­halb auf die­ser Basis eine uni­ver­sel­le Schnell­me­tho­de zur Emp­find­lich­keits­klä­rung ent­wi­ckelt, mit der sie Erre­ger sogar auf meh­re­re Anti­bio­ti­ka gleich­zei­tig tes­ten kön­nen. Gemein­sam mit Kol­le­gen des Bre­mer Medi­zin­tech­nik-Unter­neh­mens Bru­ker Dal­to­nik ver­fei­nern sie der­zeit das Ver­fah­ren und ent­wi­ckeln es zur Markt­rei­fe.

„Wir hof­fen, unse­re Metho­de schon in den nächs­ten zwei bis drei Jah­ren fit für die Labo­re die­ser Welt zu haben“, freut sich Becker. Beson­ders wich­tig sei ihm die­ses Pro­jekt auch, weil die zugrun­de­lie­gen­de Metho­de in den 1980-er Jah­ren eben­falls von müns­ter­schen Wis­sen­schaft­lern geprägt wor­den sei: „Die Kol­le­gen haben mit ihrer For­schung damals den Grund­stein für die heu­ti­ge mikro­bio­lo­gi­sche Erre­ger­iden­ti­fi­zie­rung gelegt. Aktu­ell ver­wen­den tau­sen­de Labo­ra­to­ri­en welt­weit einen „MAL­DI-Bio­ty­per“. Das schafft idea­le Vor­aus­set­zun­gen, unse­re Metho­de ohne gro­ßen Auf­wand zu eta­blie­ren.“

Die durch das BMBF geför­der­te Koope­ra­ti­on von Wis­sen­schaft und Wirt­schaft in Müns­ter und Bre­men soll noch drei Jah­re bestehen. Ins­ge­samt erhal­ten die Pro­jekt­part­ner des Kon­sor­ti­ums eine För­der­sum­me von mehr als 900.000 Euro.

Quelle
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
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