Bei aggressivem Blutkrebs mit Mutationen in STAT5 wirken etablierte Krebstherapeutika

Publikation des Ludwig Boltzmann Institut für Krebsforschung: Eine häufig auftretende mutierte Form des transkriptionellen Aktivators STAT5B schaltet krebsfördernde Gene durch die direkte Bindung an DNA ein. Überraschend ist, dass Krebszellen trotz der Mutation weiterhin Zytokine und Wachstumsfaktoren benötigen. Zielgerichtete Medikamente gegen Zytokinsignale zeigten im neu etablierten Tiermodell starke Wirkung. Dies kann eine wichtige Entdeckung für die Behandlung von aggressiven Lymphomen sein, die häufig starke Aktivierung von STAT5 aufweisen.

Wie­ner For­schungs­teams unter­su­chen eine typi­sche Muta­ti­on in STAT5, die Tumo­ren aggres­si­ver, aber anfäl­lig für eta­blier­te Medi­ka­men­te macht. Die renom­mier­te Fach­zeit­schrift für kli­ni­sche For­schung, das „Jour­nal of Cli­ni­cal Inves­ti­ga­ti­on”, ver­öf­fent­licht jetzt einen wich­ti­gen Bei­trag zur Leuk­ämie und Lym­phom­for­schung. In einer Stu­die wur­de eine mutier­te Form des krebs­för­dern­den Gens STAT5B von For­schungs­teams an der Vete­ri­när­me­di­zi­ni­sche Uni­ver­si­tät, der Medi­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät Wien, dem For­schungs­zen­trum für Mole­ku­la­re Medi­zin der Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten und des Lud­wig Boltz­mann Insti­tuts für Krebs­for­schung unter­sucht.

Übli­cher­wei­se kon­trol­liert STAT5 in Blut­zel­len Rei­fung und Tei­lung, aber zu viel STAT5 kann Krebs aus­lö­sen. STAT5 Akti­vie­rung geht auf als Zyto­kin bezeich­ne­te Boten­stof­fe zurück, die an der Zell­ober­flä­che einen Rezep­tor bin­den. Die­ser führt im Zel­lin­ne­ren zur kurz­fris­ti­gen Akti­vie­rung von STAT5. Die von den For­schen­den unter­such­te Muta­ti­on im Krebs­gen STAT5B ent­steht immer wie­der in behan­del­ten Blut­krebs­pa­ti­en­ten und führt zu einem lang­fris­ti­ger akti­ven STAT5B. Damit löst die­se Muta­ti­on eine The­ra­pie­re­sis­tenz aus und die Krebs­zel­len wer­den von die­sem akti­ven STAT5 abhän­gig, durch­aus wie ein Dro­gen­süch­ti­ger auf Hero­in. Wür­de man den Tumor­zel­len STAT5 ent­zie­hen, wür­den sie ster­ben.

Prof. Richard Moriggl, der Lei­ter der Stu­die und Lei­ter des Lud­wig Boltz­mann Insti­tuts für Krebs­for­schung erklärt: „Die­se Muta­ti­on macht Krebs­zel­len aggres­si­ver, aber wir haben fest­ge­stellt, dass die Zel­len wei­ter­hin Wachs­tums­si­gna­le von Zyto­ki­nen brau­chen, um sich unkon­trol­liert zu tei­len.” Im Expe­ri­ment konn­ten ziel­ge­rich­te­te Medi­ka­men­te gegen die­se Signa­le in einem neu eta­blier­ten Tier­mo­dell ein­ge­setzt wer­den und die Tumo­ren ver­schwan­den. Das ist eine wich­ti­ge Ent­de­ckung für die Behand­lung von aggres­si­ven Lym­pho­men, die häu­fig star­ke Akti­vie­rung von STAT5 auf­wei­sen.

Die­se For­schung war eine Kol­la­bo­ra­ti­on inner­halb zwei­er vom FWF – Der Wis­sen­schafts­fonds geför­der­ten Spe­zi­al­for­schungs­pro­gram­men: SFB F47 „Mye­lo­pro­li­fe­ra­ti­ve Neo­pla­si­en” (https://​www​.med​uni​wi​en​.ac​.at/​h​p​/​s​f​b​-​m​pn/) und SFB F61 „Mon­ar­chies and Hier­ar­chies in Sha­ping Chro­ma­tin Land­s­capes” (http://​www​.jak​-stat​.at/).

Quel­le:
Pham,  Ha Thi Thanh et al. STAT5BN642H is a dri­ver muta­ti­on for T-cell neo­pla­sia, 
J Clin Invest. 2018;128(1): https://​doi​.org/​1​0​.​1​1​7​2​/​J​C​I​9​4​509.

 


Quelle
Ludwig Boltzmann Gesellschaft (LBG)
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