Beim Raucherbein geht es auch um Herz und Hirn

Neue Behandlungsleitlinien für die PAVK


4,5 Mil­lio­nen Men­schen lei­den in Deutsch­land unter einer peri­phe­ren arte­ri­el­len Ver­schluss­krank­heit (PAVK). Bei den DGK-Herz­ta­gen in Ber­lin wer­den die neu­en Behand­lungs-Leit­li­ni­en vor­ge­stellt.

Eines der Haupt­the­men bei den DGK-Herz­ta­gen in Ber­lin ist die Behand­lung der peri­phe­ren arte­ri­el­len Ver­schluss­krank­heit (PAVK), umgangs­sprach­lich als „Rau­cher­bein“ bezeich­net. „In der Bun­des­re­pu­blik lei­den rund 4,5 Mil­lio­nen Men­schen unter einer PAVK. Ver­si­che­rungs­da­ten aus Deutsch­land zei­gen jähr­lich 500 bis 600 Neu­erkran­kun­gen pro 100.000 Ein­woh­ner“, berich­tet Prof. Chris­tia­ne Tie­fen­ba­cher (Wesel), Tagungs­prä­si­den­tin der DGK-Herz­ta­ge 2017. „Nach Schät­zun­gen liegt die Zahl der über 40-Jäh­ri­gen, die an einer PAVK lei­den, mitt­ler­wei­le bei fünf bis zehn Pro­zent.“ Risi­ko­fak­to­ren für eine PAVK sind vor allem Rau­chen und Dia­be­tes.

Hohes kar­dio­vasku­lä­res Risi­ko bei peri­phe­rer arte­ri­el­ler Ver­schluss­krank­heit

Nicht nur die Anzahl der Fäl­le sei alar­mie­rend, so Tie­fen­ba­cher, son­dern auch die Tat­sa­che, dass PAVK-Pati­en­ten eine hohe Sterb­lich­keit auf­wei­sen: „Dies ist eine Fol­ge des hohen Risi­kos, zusätz­lich zu PAVK auch kar­dio­vasku­lä­re Krank­hei­ten zu haben. Bei etwa einem Drit­tel der PAVK-Pati­en­ten besteht eine koro­na­re Herz­er­kran­kung, jeder Drit­te hat Ver­än­de­run­gen an der Hals­schlag­ader und somit ein erhöh­tes Schlag­an­fall­ri­si­ko. Die Sekun­där­pro­phy­la­xe gewinnt daher immer mehr an Bedeu­tung, denn es geht bei PAVK nicht nur um die Bei­ne, son­dern auch um das Herz und das Gehirn.“

ESC-Behand­lungs­leit­li­ni­en für The­ra­pie und Sekun­där­pro­phy­la­xe

Im Sep­tem­ber 2017 prä­sen­tier­te die Euro­pean Socie­ty of Car­dio­lo­gy (ESC) neue Behand­lungs­leit­li­ni­en. Die­se emp­feh­len für PAVK-Pati­en­ten eine lipid­sen­ken­de The­ra­pie, in ers­ter Linie mit Cho­le­ste­rin­sen­kern vom Typ der Sta­ti­ne. Stu­di­en­da­ten zei­gen, dass damit auch die Geh­stre­cke ver­bes­sert wer­den kann.

Aus­führ­lich gehen die Leit­li­ni­en auch auf die geeig­ne­ten Mit­tel zur Throm­bo­zy­ten­ag­gre­ga­ti­ons-Hem­mung bzw. Anti­ko­agu­la­ti­on ein. „Neu in den euro­päi­schen Leit­li­ni­en ist, dass dies­be­züg­lich Clo­pi­do­grel als bes­ser wirk­sam ange­se­hen wird als Aspi­rin, wie die CAPRIE-Stu­die zeigt“, so  Tie­fen­ba­cher. „Auch wird emp­foh­len, dass PAVK-Pati­en­ten, die Mar­cu­mar oder ande­re Medi­ka­men­te zur Hem­mung der Blut­ge­rin­nung bekom­men, wegen des erhöh­ten Blu­tungs­ri­si­kos nicht zusätz­lich noch Throm­bo­zy­ten­ag­gre­ga­ti­ons-Hem­mer ein­neh­men sol­len.“

Als Behand­lungs­me­tho­de der Karo­tis wur­de die Kathe­ter-gestütz­te Stent-Implan­ta­ti­on gegen­über chir­ur­gi­schen Ein­grif­fen auf­ge­wer­tet. So soll­te bei asym­pto­ma­ti­schen Karo­tisste­no­sen ein Stent bevor­zugt wer­den, wenn das Ope­ra­ti­ons­ri­si­ko hoch ist. Tie­fen­ba­cher: „Daten zum Lang­zeit­ver­lauf haben gezeigt, dass zwi­schen den bei­den Metho­den kein Unter­schied beim Out­co­me besteht, aller­dings ist die Stent-Implan­ta­ti­on weit scho­nen­der.“

Bei der Behand­lung der Bei­ne hin­ge­gen wird ein dif­fe­ren­zier­tes Vor­ge­hen emp­foh­len. „Vie­le Eng­stel­len kön­nen mit­tels moder­ner Kathe­ter­tech­no­lo­gie für den Pati­en­ten scho­nend behan­delt wer­den. In kom­ple­xen Situa­tio­nen, etwa bei star­kem Ver­kal­kungs­grad, soll­ten aber auch ope­ra­ti­ve Ver­fah­ren zum Zuge kom­men“, fasst Tie­fen­ba­cher die Emp­feh­lun­gen zusam­men. „Mit Kathe­ter soll­te nur in Zen­tren behan­delt wer­den, die über sehr erfah­re­ne Fach­leu­te ver­fü­gen. Ist der Zustand der Venen im Unter­schen­kel gut, kann auch eine Bypass­ope­ra­ti­on, bei der Venen als Über­brü­ckung der ver­schlos­se­nen Arte­ri­en die­nen, durch­ge­führt wer­den. Die Ergeb­nis­se sind hier bes­ser gewor­den.“

PAVK mult­idis­zi­pli­när behan­deln

Neu ist auch die Emp­feh­lung, dass bei Pati­en­ten mit PAVK sys­te­ma­tisch dar­auf geach­tet wer­den soll­te, ob Anzei­chen für eine koro­na­re Herz­er­kran­kung oder eine Herz­in­suf­fi­zi­enz bestehen. Umge­kehrt wird emp­foh­len, bei Pati­en­ten mit sol­chen Herz­er­kran­kun­gen zu unter­su­chen, ob auch eine PAVK vor­liegt.

Die PAVK soll­te am bes­ten von einem „Gefäß­team“ aus Kar­dio­lo­gen, Angio­lo­gen und Gefäß­chir­ur­gen behan­delt wer­den. Die­ses Team soll­te – ähn­lich wie die bewähr­ten „Herz-Teams“ – eine mult­idis­zi­pli­nä­re Behand­lung ermög­li­chen. Tie­fen­ba­cher: „Das Gefäß­team eines Gefäß­zen­trums soll­te auch ent­schei­den, wel­che Behand­lungs­me­tho­de für indi­vi­du­el­le Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten am bes­ten geeig­net ist.“

Quelle
DGK, 12.10.2017
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