Berufskrankheiten: Neues Web-Tool erleichtert ärztliche Verdachtsanzeige

Könn­te es sich bei der Erkran­kung eines Pati­en­ten auch um eine Berufs­krank­heit han­deln? Die­se Fra­ge kön­nen Ärz­te jetzt mit Hil­fe eines neu­en digi­ta­len Nach­schla­ge­werks der Deut­schen Gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung (DGUV) ein­fach über­prü­fen.

Das „BK-Info“-Portal – ein neu­es digi­ta­les Nach­schla­ge­werk der Deut­schen Gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung (DGUV) – hält nicht nur umfas­sen­de Infor­ma­tio­nen rund um das The­ma Berufs­krank­heit bereit. Eine Such­funk­ti­on ermög­licht es, anhand des ICD-10-Schlüs­sels schnell zu recher­chie­ren, wel­che Berufs­krank­hei­ten (BK) für die jewei­li­ge Dia­gno­se in Betracht kom­men. Ärz­te kön­nen somit ver­ein­facht her­aus­fin­den, ob ein Ver­dacht auf eine BK vor­liegt oder nicht. 

Ärz­te haben nach § 202 des SGB VII die Pflicht, den begrün­de­ten Ver­dacht auf eine BK mit­zu­tei­len. Die Unfall­ver­si­che­rungs­trä­ger sol­len jede Krank­heit über­prü­fen kön­nen, bei der ein sol­cher Ver­dacht besteht. Bis­lang stan­den dafür als Hil­fe­stel­lung die Merk­blät­ter des Ärzt­li­chen Sach­ver­stän­di­gen­bei­ra­tes Berufs­krank­hei­ten der Bun­des­re­gie­rung (ÄSVB) zur Ver­fü­gung. Die­ser wird aber selbst kei­ne neu­en Merk­blät­ter mehr erstel­len und auch den Bestand nicht wei­ter aktua­li­sie­ren. Des­we­gen hat die Bun­des­re­gie­rung die DGUV beauf­tragt, ein ent­spre­chen­des Tool zu erar­bei­ten.

„Durch das BK-Info Por­tal erleich­tern wir nun den medi­zi­ni­schen Fach­kräf­ten, die Ver­dachts­an­zei­ge einer Berufs­krank­heit zu erstel­len. Mit nur weni­gen Clicks lie­gen alle not­wen­di­gen Infor­ma­tio­nen vor. Der begrün­de­te Ver­dacht kann somit ohne gro­ßen Auf­wand an die Unfall­ver­si­che­rungs­trä­ger wei­ter­ge­lei­tet wer­den“, erklärt Fred-Die­ter Zagrod­nik, Refe­rent für Berufs­krank­hei­ten der DGUV. 

Neben all­ge­mei­nen Infor­ma­tio­nen über BKen und die Ver­dachts­an­zei­ge bie­tet das Por­tal auch spe­zi­fi­sche Infor­ma­tio­nen für ver­schie­de­ne medi­zi­ni­sche Fach­ge­bie­te an. „Das Herz­stück der Sei­te ist aller­dings die Such­funk­ti­on. Gibt der behan­deln­de Arzt dort den Dia­gno­se­schlüs­sel ein, erhält er gleich zwei Hil­fe­stel­lun­gen: Zum einen erfährt er, mit wel­cher Berufs­krank­heit die Dia­gno­se in Ver­bin­dung ste­hen könn­te. Zum ande­ren gibt es Leit­fra­gen, anhand derer sich im Gespräch mit dem Pati­en­ten oder der Pati­en­tin schnell fest­stel­len lässt, ob der- oder die­je­ni­ge einem Gefahr­stoff oder einer schä­di­gen­den Ein­wir­kung bei der Arbeit aus­ge­setzt war.“

Die früh­zei­ti­ge Anzei­ge eines ärzt­lich begrün­de­ten Ver­dachts auf das Vor­lie­gen einer BK liegt vor allem im Inter­es­se der ver­si­cher­ten Per­son. Je frü­her der Unfall­ver­si­che­rungs­trä­ger von einem sol­chen Ver­dacht erfährt, des­to eher kann geprüft wer­den, ob und in wel­chem Umfang Anspruch auf Leis­tun­gen aus der gesetz­li­chen Unfall­ver­si­che­rung besteht. Außer­dem kön­nen dann auch schon in frü­hen Erkran­kungs­sta­di­en prä­ven­ti­ve Maß­nah­men ergrif­fen wer­den.

Das Por­tal wird in meh­re­ren Schrit­ten aus­ge­baut. Zur­zeit sind bereits alle Dia­gno­se­schlüs­sel des ICD-10 Codes hin­ter­legt. Infor­ma­tio­nen dazu, wel­che die­ser Dia­gno­sen im Ein­zel­nen nach wel­chen Ein­wir­kun­gen eine BK sein kön­nen, lie­gen jedoch der­zeit nur für die Mus­kel-Ske­lett-Erkran­kun­gen vor. Alle ande­ren Erkran­kun­gen wer­den im Lau­fe des nächs­ten Jah­res hin­zu­ge­schal­tet. „Für die Über­gangs­zeit haben wir soge­nann­te Platz­hal­ter-Sei­ten hin­ter­legt, die wir nach und nach mit den rele­van­ten Infor­ma­tio­nen fül­len wer­den. In Zukunft wer­den wir die­se Sei­ten ent­spre­chend dem Stand der wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis und in Abstim­mung mit den Fach­leu­ten des ÄSVB über­ar­bei­ten“, so BK-Exper­te Zagrod­nik.

Quelle
Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung
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