Breite Zustimmung für Numerus-clausus-Urteil

Die Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­rich­tes, dass die der­zeit aus­ge­üb­te Wei­se der Ver­ga­be von Medi­zin­stu­di­en­plät­zen teil­wei­se ver­fas­sungs­wid­rig ist und geän­dert wer­den muss (wir berich­te­ten), ist auf brei­te Zustim­mung gesto­ßen. Ver­ein­zelt gab es aber auch Kri­tik.

Neben der Bun­des­ärz­te­kam­mer (wir berich­te­ten) haben auch die Lan­des­ärz­te­kam­mern das Urteil begrüßt, mit dem Tenor: „Die Eig­nung für den Arzt­be­ruf mani­fes­tiert sich nicht nur in der Abitur­no­te“, wie es Dr. Mar­ti­na Wen­ker, Prä­si­den­tin der Ärz­te­kam­mer Nie­der­sach­sen, aus­drück­te. „End­lich wird es ein­heit­li­che Aus­wahl­kri­te­ri­en neben der Abitur­no­te geben“, freut sich Dr. Gün­ther Mat­heis, Lan­des­ärz­te­kam­mer-Prä­si­dent aus Rhein­land-Pfalz.

Auch die Ärz­te­kam­mer Sach­sen-Anhalt hat die Ent­schei­dung begrüßt, jedoch beharrt Prä­si­den­tin Dr. Simo­ne Hei­ne­mann-Meerz auf der Orts­prä­fe­renz: „Für die Zukunft der ärzt­li­chen Ver­sor­gung in Sach­sen-Anhalt bedau­ern wir (…) die im Urteil dar­ge­stell­ten ver­fas­sungs­mä­ßi­gen Beden­ken gegen die Orts­prä­fe­renz als Aus­wahl­kri­te­ri­um. Die Ent­schei­dung für den Stu­di­en­stand­ort in Hal­le oder Mag­de­burg war ein nicht zu ver­ach­ten­der Indi­ka­tor dafür, ob die Stu­di­en­be­wer­ber spä­ter als Medi­zi­ner im Bun­des­land tätig wer­den. Hier soll­te das Urteil ein Weck­ruf an die Lan­des­po­li­tik sein, sich bei der Gestal­tung der zukünf­ti­gen Rah­men­re­ge­lun­gen nach­drück­lich ein­zu­brin­gen.“

Der nord­rhein-west­fä­li­sche Gesund­heits­mi­nis­ter Karl-Josef Lau­mann (CDU) hat das Karls­ru­her Urteil als „Chan­ce für einen Neu­an­fang“ begrüßt. Zuvor hat­te das Minis­te­ri­um für Kul­tur und Wis­sen­schaft in NRW mit­ge­teilt, die Vor­ga­ben des Gerichts aus­wer­ten und schnellst­mög­lich umset­zen zu wol­len.

NAV-Virchow-Bund for­dert Vor­be­rei­tungs­zeit

Der Bun­des­vor­sit­zen­de des NAV-Virchow-Bun­des, Dr. Dirk Hein­rich, beton­te: „So genann­te wei­che Fak­to­ren wie Empa­thie, sozia­le Kom­pe­tenz und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­freu­dig­keit kön­nen durch ein per­sön­li­ches Aus­wahl­ge­spräch fest­ge­stellt wer­den. Dazu müs­sen die Medi­zi­ni­schen Fakul­tä­ten jetzt in die Lage ver­setzt wer­den.“ Die wich­tigs­te Auf­ga­be für die Län­der sei jedoch, end­lich die Zahl der Medi­zin­stu­di­en­plät­ze deut­lich zu erhö­hen. Dies wer­de für Bund und Län­der nicht ohne wei­te­re Steu­er­mit­tel umzu­set­zen sein.

Dar­über hin­aus for­dert der Ver­band der nie­der­ge­las­se­nen Ärz­te eine Vor­be­rei­tungs­zeit für Medi­zin­stu­den­ten in der Ver­sor­gung von min­des­tens sechs Mona­ten. „Hier wird sich die Spreu vom Wei­zen tren­nen und es wer­den somit wie­der mehr Ärz­te in der kura­ti­ven Ver­sor­gung arbei­ten“, erklärt Hein­rich.

Der Hart­mann­bund mahnt zum schnel­len Han­deln: „Nun sind Bund, Län­der und Hoch­schu­len gefor­dert, die fäl­li­ge Reform des Zulas­sungs­ver­fah­rens zum Medi­zin­stu­di­um zügig in Angriff zu neh­men – hin zu einer gerech­te­ren und stär­ker kom­pe­tenz­ba­sier­ten Stu­di­en­platz­ver­ga­be“, sag­te der Vor­sit­zen­de des Hart­mann­bun­des, Dr. Klaus Rein­hardt.

Unter­schied­li­che Ein­schät­zun­gen bei Stu­die­ren­den

Die Medi­zin­stu­die­ren­den im Hart­mann­bund füh­len sich durch das Urteil bestä­tigt. Das Urteil des Ver­fas­sungs­ge­rich­tes sei zwar aller Wahr­schein­lich­keit nach nicht der Start­schuss für eine Revo­lu­ti­on des Sys­tems, aber zumin­dest eine Rich­tungs­ent­schei­dung, zeig­te sich auch die stell­ver­tre­ten­de Vor­sit­zen­de des Aus­schus­ses der Medi­zin­stu­die­ren­den im Hart­mann­bund, Käthe Lewi­cki, über­zeugt. Der Rich­ter­spruch set­ze wich­ti­ge Impul­se zur Imple­men­tie­rung klu­ger Instru­men­te zur Aus­wahl der „rich­ti­gen“ Bewer­ber, weg von der star­ren Ori­en­tie­rung am Nume­rus clau­sus.

Weni­ger begeis­tert zeig­te sich der All­ge­mei­ne Stu­die­ren­den­aus­schuss (AStA) der Uni­ver­si­tät Köln. Er befürch­tet, dass das Abitur als all­ge­mei­ne Hoch­schul­zu­gangs­be­rech­ti­gung ent­wer­tet wer­de. „Mit dem heu­ti­gen Urteil wird die freie Berufs­wahl erheb­lich ein­ge­schränkt“, sag­te die AStA-Vor­sit­zen­de Imke Ahlen laut einer Mit­tei­lung in direk­ter Oppo­si­ti­on zur Ein­schät­zung der Karls­ru­her Rich­ter.

Fakul­tä­ten­tag will Alter­na­ti­ven zur War­te­zeit­quo­te

Der Medi­zi­ni­sche Fakul­tä­ten­tag (MFT) hebt beson­ders her­vor, dass jetzt „Alter­na­ti­ven zur War­te­zeit­quo­te denk­bar sind“. „Wir tei­len die Ein­schät­zung des Gerichts und freu­en uns, dass nun der Weg frei ist für Alter­na­ti­ven zur War­te­zeit­quo­te. Als Ver­tre­ter eines moder­nen Medi­zin­stu­di­ums wer­den wir uns selbst­ver­ständ­lich wei­ter in den Pro­zess ein­brin­gen und auch unse­re hoch­schul­ei­ge­nen Aus­wahl­ver­fah­ren in Hin­blick auf das Urteil über­prü­fen“, kom­men­tiert Heyo K. Kro­emer, Prä­si­dent des MFT, das Urteil. Gemein­sam mit den Ver­tre­tern der Stu­die­ren­den hat der MFT  vor eini­gen Mona­ten einen Vor­schlag für ein neu­es Modell der Stu­die­ren­den­aus­wahl in der Medi­zin vor­ge­legt.

„Das heu­ti­ge Urteil sehen wir als deut­li­ches Signal, auch an die Poli­tik. Es wird hel­fen, erwei­ter­te Zulas­sungs­kri­te­ri­en neben der rei­nen Abitur­no­te zügig ein­zu­set­zen. Die Frist, alle Lan­des­ge­set­ze bis zum 31.12.2019 anzu­pas­sen, ist sehr knapp gesetzt. Man muss sich nun mit dem Gesetz­ge­ber zusam­men­set­zen und die­se Umset­zung kon­kret ange­hen. Der MFT steht dafür zur Ver­fü­gung“, ergänzt MFT-Gene­ral­se­kre­tär Frank Wis­sing.

(ms/dpa)

 

 

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