Candida auris: Ein Pilz verlangt Aufmerksamkeit

Ein neu­er Ver­ur­sa­cher von Pilz­in­fek­tio­nen sorgt für Schlag­zei­len in den Medi­en welt­weit. Exper­ten aus Deutsch­land und Öster­reich raten jetzt zu erhöh­ter Auf­merk­sam­keit. Gleich­zei­tig war­nen sie vor Panik­ma­che.

Gefähr­li­cher Can­di­da auris – Pati­en­ten ster­ben an Hefepilz-Infek­ti­on“: Mit die­ser Schlag­zei­le hat vor kur­zem eine deut­sche Tages­zei­tung ihre Leser auf­ge­schreckt. Vor einer „töd­li­chen und Medi­ka­men­ten-resis­ten­ten Infek­ti­on, die um den Erd­ball schwappt”, warnt eine eng­li­sche Zei­tung. Aus­lö­ser die­ser Nach­rich­ten war laut Mit­tei­lung der Juli­us-Maxi­mi­li­ans-Uni­ver­si­tät Würz­burg eine Mel­dung der US-ame­ri­ka­ni­schen Gesund­heits­be­hör­de Cen­ters for Disea­se Con­trol and Pre­ven­ti­on (CDC), die über das ers­te Auf­tre­ten der Pilz­in­fek­ti­on in den USA berich­tet hat­te. Ins­ge­samt sei­en 13 Fäl­le regis­triert wor­den, vier infi­zier­te US-Pati­en­ten sei­en bereits gestor­ben, wobei die genaue Todes­ur­sa­che noch unklar sei.

Aus die­sem Grund, so die Uni­ver­si­tät Würz­burg, haben jetzt Exper­ten aus Deutsch­land und Öster­reich eine Stel­lung­nah­me erar­bei­tet, die sie heu­te der Öffent­lich­keit prä­sen­tie­ren. Dar­in emp­feh­len sie eine erhöh­te Auf­merk­sam­keit und die ent­spre­chen­de Infor­ma­ti­on medi­zi­ni­schen Per­so­nals über den neu­en Hefepilz. Gleich­zei­tig war­nen sie vor unnö­ti­ger Panik­ma­che.

Über­tra­gung von Pati­ent zu Pati­ent
„Can­di­da auris ist eine neue Pilz­art, die vor weni­gen Jah­ren zum ers­ten Mal in Japan beschrie­ben wur­de“, sagt Pro­fes­sor Oli­ver Kurzai. Der Medi­zi­ner lei­tet das Natio­na­le Refe­renz­zen­trum für inva­si­ve Pilz­in­fek­tio­nen in Jena und hat seit Anfang 2017 an der Uni­ver­si­tät Würz­burg den Lehr­stuhl für Medi­zi­ni­sche Mikro­bio­lo­gie und Myko­lo­gie inne. Was den Hefepilz so beson­ders macht: „Can­di­da auris wird im Gegen­satz zu allen bis­her bekann­ten Arten häu­fig von Pati­ent zu Pati­ent über­tra­gen und kann somit Aus­brü­che in Kran­ken­häu­sern ver­ur­sa­chen“, sagt Kurzai. Gleich­zei­tig sei­en vie­le Pilz­stäm­me gegen min­des­tens eines der Medi­ka­men­te resis­tent, die zur Behand­lung von Pilz­in­fek­tio­nen zum Ein­satz kom­men.

In Deutsch­land ist Can­di­da auris bis­her nur in Ein­zel­fäl­len nach­ge­wie­sen. Dem Natio­na­len Refe­renz­zen­trum sind vier Fäl­le einer Infek­ti­on bekannt. Für Öster­reich gibt es kei­ne bestä­tig­ten Fäl­le. Trotz die­ser gerin­gen Fall­zah­len spricht aus Sicht der Exper­ten eini­ges dafür, dem The­ma früh­zei­tig Auf­merk­sam­keit zu schen­ken – auch für Deutsch­land wird zukünf­tig mit mehr Fäl­len gerech­net und nach Ein­schät­zung des Natio­na­len Refe­renz­zen­trums sind vie­le dia­gnos­ti­sche Labors noch unzu­rei­chend vor­be­rei­tet.

Kei­ne Bedro­hung für Gesun­de
„Can­di­da auris kann bei den Infi­zier­ten in den Blut­strom gelan­gen und dort eine Sep­sis, eine soge­nann­te Blut­ver­gif­tung, ver­ur­sa­chen“, erklärt Oli­ver Kurzai. Gleich­zei­tig sei der Pilz bei den gän­gi­gen Rou­ti­ne­un­ter­su­chun­gen nicht immer zuver­läs­sig zu iden­ti­fi­zie­ren und auf­grund der weit ver­brei­te­ten Resis­ten­zen schwer zu behan­deln. Vom medi­zi­ni­schen Per­so­nal sei des­halb eine erhöh­te Auf­merk­sam­keit gefor­dert. Dazu will das Exper­ten­gre­mi­um mit sei­ner Ver­öf­fent­li­chung jetzt bei­tra­gen.

Für die Bevöl­ke­rung besteht aller­dings kein Grund zur Beun­ru­hi­gung. „Für einen gesun­den Men­schen stellt Can­di­da auris kei­ne Bedro­hung dar“, sagt Oli­ver Kurzai.

Die Betei­lig­ten
An der Stel­lung­nah­me waren betei­ligt: das Natio­na­le Refe­renz­zen­trum für inva­si­ve Pilz­in­fek­tio­nen (Jena), das Robert Koch-Insti­tut (Ber­lin), das ECMM Excel­lence Cen­ter der Uni­kli­nik Köln, das Natio­na­le Refe­renz­zen­trum für Asperg­il­lus und Asperg­il­lus­in­fek­tio­nen (Inns­bruck) und das Natio­na­le Refe­renz­zen­trum für Hefen- und Schim­mel­pilz­in­fek­tio­nen (Wien).

Can­di­da auris
Im Jahr 2009 wur­de Can­di­da auris erst­mals in Japan beschrie­ben. Dort hat­te er den Gehör­gang eines Pati­en­ten befal­len, was den Namens­zu­satz „auris“ erklärt – vom Latei­ni­schen für „das Ohr betref­fend“. Neben dem Ohr kann der Pilz aber auch ande­re Kör­per­re­gio­nen befal­len, bei­spiels­wei­se den Blut­kreis­lauf, Harn- und Atem­we­ge oder Wun­den. Der bis­lang größ­te Aus­bruch ereig­ne­te sich 2015/16 an einem Kran­ken­haus in Lon­don; dort wur­den inner­halb von 16 Mona­ten 50 Pati­en­ten infi­ziert. In den USA zäh­len die CDC aktu­ell 112 Fäl­le, den Groß­teil davon im Bun­destaat New York.

Natio­na­les Refe­renz­zen­trum für Inva­si­ve Pilz­in­fek­tio­nen
Das Natio­na­le Refe­renz­zen­trum für Inva­si­ve Pilz­in­fek­tio­nen ist Ansprech­stel­le für Ärz­te und Mikro­bio­lo­gen aus ganz Deutsch­land, die Fra­gen zur Dia­gnos­tik und Behand­lung inva­si­ver Pilz­in­fek­tio­nen haben. Neben Bera­tun­gen bie­tet das Zen­trum dia­gnos­ti­sche Ver­fah­ren zum Nach­weis von inva­si­ven Pilz­er­kran­kun­gen an. Es koope­riert dabei mit ande­ren Refe­renz­la­bors welt­weit. Das Natio­na­le Refe­renz­zen­trum für Inva­si­ve Pilz­in­fek­tio­nen ist am Leib­niz-Insti­tut für Natur­stoff-For­schung und Infek­ti­ons­bio­lo­gie – Hans-Knöll-Insti­tut in Jena ange­sie­delt. Zum Natio­na­len Refe­renz­zen­trum beru­fen wur­de es vom Robert Koch-Insti­tut und dem Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Gesund­heit.

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