Deutscher Berufsverband der HNO-Ärzte: HCHE-Studie kommt zu falschen Schlüssen

 

Der Deut­sche Berufs­ver­band der Hals-Nasen-Ohren­ärz­te kri­ti­siert die Unter­su­chung des Ham­burg Cen­ter for Health Eco­no­mics (HCHE) zur Pati­en­ten­be­hand­lung am Quar­tals­en­de: Die HCHE-Stu­die wie­se erheb­li­che Lücken auf. Der Ver­band for­dert, die Bud­ge­tie­rung zu been­den.

Die nicht reprä­sen­ta­ti­ve und lücken­haf­te Stu­die bestä­tigt zwar den Befund, dass auf­grund der Unter­fi­nan­zie­rung der ambu­lan­ten Ver­sor­gung am Quar­tals­en­de weni­ger Pati­en­ten behan­delt wer­den kön­nen. Gleich­zei­tig weist sie aber erheb­li­che Lücken auf“, kri­ti­siert HNO-Vize­prä­si­dent Ste­fan Drumm.

So hät­te man durch die Ein­be­zie­hung von Daten zum Bei­spiel aus Thü­rin­gen leicht fest­stel­len kön­nen, ob bei aus­rei­chen­dem Bud­get eine gleich­för­mi­ge Pati­en­ten­an­nah­me über das gan­ze Quar­tal gewähr­leis­tet wer­de. In dem Bun­des­land wird die haus­ärzt­li­che Ver­sor­gung zu 110 Pro­zent bezahlt. Eben­so unbe­rück­sich­tigt las­se die Stu­die, dass Fach­ärz­te auch Pati­en­ten behan­deln, die mit Über­wei­sung vom Haus­arzt kom­men. „Nimmt der Haus­arzt weni­ger Pati­en­ten aus Bud­get­grün­den an, so kom­men beim Fach­arzt weni­ger Über­wei­sun­gen an“, so Drumm.

HNO-Praxen leisten mehr als bezahlt wird

Gleich­zei­tig zei­gen die Daten für die Hals-Nasen-Ohren-Heil­kun­de, dass trotz eines erheb­li­chen Anteils unbe­zahl­ter Arzt­leis­tun­gen, Pati­en­ten ange­nom­men und behan­delt wer­den. Drumm: „Cir­ca 20 bis 25 Pro­zent der Leis­tun­gen von HNO-Ärz­ten wer­den von den Kran­ken­kas­sen nicht ver­gü­tet. Der leich­te Rück­gang am Quar­tals­en­de beträgt aber nur knapp zehn Pro­zent. Damit leis­ten die HNO-Pra­xen deut­lich mehr als ihnen letz­ten Endes bezahlt wird.“

Die Stu­die zei­ge dar­über hin­aus, dass Fächer mit vie­len der Grund­ver­sor­gung zuzu­rech­nen­den Pati­en­ten, wie die HNO-Heil­kun­de, die Augen­heil­kun­de oder die Ortho­pä­die, beson­ders stark von der Begren­zung der Finan­zie­rung betrof­fen sei­en. „Die­se Fach­grup­pen ver­fü­gen kaum über extra­bud­ge­tä­re Leis­tun­gen, um die Ein­nah­me­aus­fäl­le der bud­ge­tier­ten Ver­gü­tung kom­pen­sie­ren zu kön­nen“, so Drumm.

Korrekter Befund – Falsche Schlüsse

Ins­ge­samt zie­he die HCHE-Stu­die aus einem kor­rek­tem Befund die fal­schen Schlüs­se, kri­ti­siert Drumm: „Ände­run­gen an den Abrech­nungs­in­ter­val­len gehen am Pro­blem vor­bei. Dies wür­de die man­gel­haf­te Finan­zie­rung der ambu­lan­ten Ver­sor­gung ledig­lich ver­de­cken. Die­se Camou­fla­ge des eigent­li­chen Pro­blems gehört in den Bereich der pein­lichs­ten Vor­schlä­ge des Jah­res“, so Drumm.

Dies über­tref­fe nur noch der GKV-Spit­zen­ver­band, der in das Ver­gü­tungs­sys­tem der nie­der­ge­las­se­nen Ärz­te Fix­kos­ten­an­tei­le hin­ein­fan­ta­sie­re, die so im EBM gar nicht vor­ge­se­hen sei­en. Drumm: „Dass die Kran­ken­kas­sen sich dar­über freu­en, kos­ten­lo­se Leis­tun­gen von nie­der­ge­las­se­nen Ärz­ten zu bekom­men, ist bekannt. Dass dies nun noch mit Fake-News gar­niert wird, ist auch nicht neu, aber eben­so pein­lich.“

Die ein­zi­ge rich­ti­ge The­ra­pie wäre, die Bud­ge­tie­rung auf­zu­he­ben, so Drumm wei­ter. „Dies wür­de alle Ter­min- und damit Ver­tei­lungs­pro­ble­me in der ambu­lan­ten Ver­sor­gung lösen.“ Eine Über­for­de­rung des Sys­tems sieht HNO-Arzt Drumm nicht auf die Pati­en­ten zukom­men. „Durch die Über­prü­fung der Zeit­pro­fi­le durch die Kas­sen­ärzt­li­chen Ver­ei­ni­gun­gen kön­nen die Pra­xen kaum mehr Leis­tun­gen erbrin­gen als jetzt nicht bezahlt wer­den.“ Ein dar­über hin­aus­ge­hen­der Anstieg sei unwahr­schein­lich. Dass man sich bis heu­te dar­um drückt, zei­ge nur die Fan­ta­sie­lo­sig­keit vie­ler Betei­lig­ter, erklärt Drumm.

 

 

Quelle
Deutscher Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte e.V.
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