DGK-Herztage: Trends in der KHK-Versorgung

Die Trends in der sta­tio­nä­ren Ver­sor­gung der koro­na­ren Herz­krank­heit 2005 – 2015 stell­te Dr. Stef­fen Wahler, Ham­burg, bei den DGK-Herz­ta­gen 2017 vor.

Die koro­na­re Herz-Krank­heit (KHK) und ihre Fol­ge­krank­hei­ten sind mit Abstand die häu­figs­te Todes­ur­sa­che in den Indus­trie­län­dern. In Deutsch­land waren 2015 von allen regis­trier­ten Todes­fäl­len 8,2% durch chro­ni­sche KHK und 5,3% durch aku­ten Herz­in­farkt ver­ur­sacht. Die Inzi­denz der nach­ge­wie­se­nen KHK beträgt etwa 0,6% pro Jahr über alle Alters­klas­sen, zusätz­lich wird die Prä­va­lenz der asym­pto­ma­ti­schen KHK auf 2% geschätzt. In Deutsch­land ist Behand­lung und Dia­gnos­tik, im Unter­schied zu den meis­ten euro­päi­schen Gesund­heits­sys­te­men sta­tio­när und ambu­lant mög­lich. Hier sol­len die Ten­den­zen in der sta­tio­nä­ren Ver­sor­gung von 2005 bis 2015 beschrie­ben wer­den.

Dazu wur­den die vom Insti­tut für das Ent­gelt­sys­tem im Kran­ken­haus (InEK) G-DRG Reportbrow­ser 2005–2015, sowie Kal­ku­la­ti­ons­brow­ser und Daten sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes her­an­ge­zo­gen. Die Daten­zu­sam­men­stel­lung erfolg­te mit den Pro­gram­men Micro­soft-Excel und -Access (Ver­si­on 2016).

Die Anzahl der sta­tio­när behan­del­ten Pati­en­ten mit Haupt­dia­gno­se aku­ter Myo­kard­in­farkt stieg von 2005 auf 2015 leicht von 206.104 auf 218.874 (+6,2%) mit Peak in 2012. Der Anteil NSTEMI nahm deut­lich zu von 39,7% in 2005 auf 65,3% in 2015, ins­ge­samt 142.937 Fäl­le (+74,4% zu 2005), Alters­mit­tel 2015: 72,1 Jah­re (2010: 72,2; 2005: 71,4). Deut­lich rück­läu­fig waren in die­ser Peri­ode der trans­mu­ra­le Vor­der­wand­in­farkt (-29,1%, Alters­mit­tel 2015: 66,4 Jah­re; 2010: 66,8; 2005: 67,5) und Hin­ter­wand­in­fark­te (-30,7%, Alters­mit­tel 2015: 65,5 Jah­re; 2010: 65,5; 2005: 65,9).

Die Fäl­le mit Haupt­dia­gno­se insta­bi­le Angi­na pec­to­ris gin­gen eben­falls deut­lich zurück: von 165.780 Fäl­le auf 103.639 Fäl­le (-37,5%), dage­gen blie­ben die Zah­len für sta­bi­le Angi­na pec­to­ris nahe­zu unver­än­dert: 117.063 in 2015 (+1,4% zu 2005). Alters­mit­tel bei bei­den 68,4 Jah­re.

Im Jahr 2008 wur­den 220.595 Links­herz­ka­the­ter mit Koro­na­ro­gra­phie zu dia­gnos­ti­schen Zwe­cken und ohne wei­te­re Maß­nah­men durch­ge­führt, ins­ge­samt 690.745 Koro­na­ro­gra­phi­en. Die­se Zah­len stie­gen auf 442.438 (+100,5%, Alters­mit­tel 2015: 68,9 Jah­re) und 822.911 (+19,1%). Die Gesamt­zahl der per­ku­tan-trans­lu­mi­na­le Gefäß­in­ter­ven­tio­nen an Herz und Koro­nar­ge­fä­ßen (PCI) stieg von 2008 mit 488.542 Inter­ven­tio­nen auf 640.659 in 2015 (+31,1%, Alters­mit­tel 2015: 69,0 Jah­re). Dabei nahm der Anteil von Inter­ven­tio­nen an meh­re­ren Koro­nar­ar­te­ri­en zu, von 11,1% auf 13,6%. Laut Qua­li­täts­be­rich­ten wur­den 2015 zusätz­lich sta­tio­när dia­gnos­tisch 23.542 CT-Angio-Unter­su­chun­gen, 85.360 SPECT und 57.477 Kar­dio-MRT durch­ge­führt, wobei die­se Zah­len mög­li­cher­wei­se nicht voll­stän­dig sind.

Die Anzahl akut sta­tio­när behan­del­ter Infark­te ist seit 2013 leicht rück­läu­fig. Es gibt über den Beob­ach­tungs­zeit­raum eine deut­li­che Ver­schie­bung von STEMI zu NSTEMI Ereig­nis­sen. Par­al­lel sind Fäl­le mit insta­bi­ler Angi­na pec­to­ris stark rück­läu­fig. Die Hypo­the­se, dies sei durch die zuneh­men­de Alter der Bevöl­ke­rung bedingt, was ten­den­zi­ell eher mit NSTEMI ver­ge­sell­schaf­tet ist, klärt die­se Ent­wick­lung nur zum klei­nen Teil. Es ist ein deskrip­tiv nicht erklär­ba­res Para­do­xon, dass die Men­ge an sta­tio­nä­ren Inter­ven­tio­nen und koro­na­rer Dia­gnos­tik ste­tig ansteigt, obwohl die Aku­t­er­eig­nis­se deut­lich rück­läu­fig sind. Der Rück­gang der insta­bi­len Angi­na pec­to­ris könn­te u.a. mit der suk­zes­siv höhe­ren Sen­si­ti­vi­tät der Tro­po­nin-Tests erklärt wer­den. Insta­bi­le Angi­na ist defi­niert als neu auf­ge­tre­te­ne oder aggra­vier­te typi­sche Angi­na pec­to­ris ohne Enzy­me oder Tro­po­nin, somit wird bei zuneh­mend höhe­rer Sen­si­ti­vi­tät der Tro­po­nin-Tests die Dia­gno­se sel­te­ner. Wegen der stei­gen­den Kathe­ter­zah­len, zu denen die ambu­lant durch­ge­führ­ten addiert wer­den müs­sen, soll­te die Effi­zi­enz der ambu­lan­ten Vor­feld­dia­gnos­tik der KHK hin­ter­fragt wer­den. Ist die Fest­le­gung der prä-Test Wahr­schein­lich­kei­ten noch adäquat?  Auch sind neue Ver­fah­ren zum Aus­schluss der KHK ver­füg­bar, wie akus­ti­sche Tests der Strö­mungs­tur­bu­len­zen der Koro­na­ri­en (z.B. Aca­rix). Die­se müs­sen sich aber noch im All­tag bewäh­ren und Ein­gang in die Gui­de­li­nes fin­den. (Autor: Dr. Stef­fen Wahler)

Quelle
Wissenschaftliche Pressemitteilung der DGK, 12.10.2017
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