Dialog Gesundheitswirtschaft NRW zur Digitalisierung: Experten diskutieren über Chancen und Risiken

Mehr als 60 Teil­neh­mer fan­den sich am 22. Sep­tem­ber zum Gesund­heits­wirt­schafts­dia­log in Düs­sel­dorf ein, der von der Wirt­schafts­prü­fungs- und Bera­tungs­ge­sell­schaft KPMG gemein­sam mit der Hoch­schu­le Fre­se­ni­us und der Stif­tung Münch ange­bo­ten wur­de.

Unter dem Titel „Die Selb­st­op­ti­mie­rung und ihre Fol­gen“ stell­ten Doro­thee Schu­ma­cher (Mit­glied der Unter­neh­mens­lei­tung, pro­no­va bkk), Dr. Dai­sy Hüne­feld (Vor­stand St. Fran­zis­kus Stif­tung) und Prof. Jochen A. Wer­ner (Vor­stands­vor­sit­zen­der, Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Essen) dar, wie sich aus ihrer Sicht Selb­st­op­ti­mie­rung und Digi­ta­li­sie­rung auf die ärzt­li­che Ver­sor­gung in der Kli­nik, die Rol­le der Pati­en­ten und die Ange­bo­te der Kran­ken­kas­sen aus­wir­ken wer­den.

In einer abschlie­ßen­den Dis­kus­si­ons­run­de, an der auch Prof. Wolf­gang Goe­tz­ke (Geschäfts­füh­rer, gewi-Insti­tut für Gesund­heits­wirt­schaft e.V.) teil­nahm, wur­den die Mei­nun­gen zusam­men­ge­tra­gen.

In der Gesund­heits­bran­che zeigt die Digi­ta­li­sie­rung viel­fäl­ti­ge Aus­wir­kun­gen: So gibt es etli­che Gesund­heits-Apps wie Schritt­zäh­ler, zur Kon­trol­le des Schla­fes oder der Ernäh­rung. Dabei steht bis­her eher das „Nud­ging“ im Vor­der­grund, also die Erhö­hung der Moti­va­ti­on etwa zu regel­mä­ßi­gem Sport oder gesun­der Ernäh­rung.

Meist nimmt die Begeis­te­rung jedoch schnell ab. Stu­di­en zei­gen, dass die längs­ten Nut­zun­gen bei 1,8 Jah­ren lie­gen – in der Regel deut­lich dar­un­ter. Die Apps kön­nen für Gesund­heits­be­wuss­te hilf­reich sein, sam­meln aber auch jede Men­ge Daten. Die­se lie­fern einer­seits auf­schluss­rei­che Infor­ma­tio­nen über Pati­en­ten, ande­rer­seits han­delt es sich dabei aber auch um sen­si­ble Daten, die dem Daten­schutz­ge­setz unter­lie­gen.

Was geschieht mit die­sen Daten? Wird es eines Tages soweit kom­men, dass Men­schen, die laut App gesund­heits­be­wusst leben, auch weni­ger Bei­trä­ge für die Kran­ken­kas­se zah­len müs­sen? Die Exper­ten waren sich einig, dass die Apps kei­nes­falls das Soli­dar­prin­zip bedro­hen dürf­ten. Schu­ma­cher gab zudem zu beden­ken, dass Apps auf kei­nen Fall zu einer Risi­ko­se­lek­ti­on füh­ren dürf­ten.

Auch die Berufs­bil­der in der Gesund­heits­bran­che wür­den sich im Zuge der Digi­ta­li­sie­rung zuneh­mend wan­deln. „Radio­lo­gen zum Bei­spiel arbei­ten mit­tel­fris­tig ganz anders: Sie müs­sen nicht mehr immer alles selbst anschau­en, son­dern wer­den für schwie­ri­ge Fäl­le hin­zu­ge­zo­gen“, erklär­te Wer­ner. Die Zukunft lie­ge in der intel­li­gen­ten Inter­ak­ti­on von Maschi­ne und Mensch. „Wenn wir Men­schen ent­las­ten und Maschi­nen ein­set­zen, wo es mög­lich ist, haben die Ärz­te und Pfle­ger auch mehr qua­li­ta­ti­ve Zeit für die Pati­en­ten“, so Wer­ner.

Digitalisierung bietet viele Vorteile

Alle Podi­ums­teil­neh­mer waren sich einig, dass die Digi­ta­li­sie­rung vie­le Vor­tei­le bie­tet. Im Kran­ken­haus­um­feld kön­nen sowohl Abläu­fe erleich­tert und das Per­so­nal ent­las­tet als auch die Pati­en­ten­ver­sor­gung opti­miert wer­den. Kran­ken­kas­sen kön­nen ihre Pati­en­ten bes­ser mit wich­ti­gen Infor­ma­tio­nen ver­sor­gen und so dazu bei­tra­gen, Gesund­heits­vor­sor­ge und Prä­ven­ti­on in den Vor­der­grund zu rücken. Dabei sei es ein ent­schei­den­der Vor­teil, dass die Infor­ma­tio­nen nicht mehr nur schlicht „aus­ge­sen­det“, son­dern durch die Ver­net­zung auch Rück­mel­dun­gen gene­riert und der Aus­tausch geför­dert wer­de.

In der ärzt­li­chen Ver­sor­gung mache sich zuneh­mend bemerk­bar, dass die Pati­en­ten sich im Vor­feld infor­mier­ten und teil­wei­se auch Daten über sich gesam­melt hät­ten. Damit stei­ge sowohl ihr Infor­ma­ti­ons­be­darf als auch ihre Anspruchs­hal­tung – eine Ver­än­de­rung, auf die sich die Leis­tungs­er­brin­ger ein­stel­len müss­ten.

Das Gesund­heits­we­sen zu digi­ta­li­sie­ren, sei eine Chan­ce, die einen „Chan­ge“ erfor­de­re, fass­te Hüne­feld die Her­aus­for­de­run­gen zusam­men. In der Podi­ums­dis­kus­si­on beton­ten die Teil­neh­mer, dass die­ser Chan­ge nur gelin­gen kön­ne, wenn man die Men­schen mit­neh­me – gera­de auch die­je­ni­gen, die im Gesund­heits­we­sen arbei­te­ten


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