DIVI-Kongress: Interview mit Kongresspräsident Prof. Thomas Nicolai

Die bedeu­tends­te Ver­an­stal­tung für die Inten­siv- und Not­fall­me­di­zin in Deutsch­land fin­det vom 6. bis 8. Dezem­ber statt. Rund 4.000 Teil­neh­mer aus allen Fach­be­rei­chen und sämt­li­cher dort ange­sie­del­ten Beru­fe wer­den in Leip­zig zum 17. Jah­res­kon­gress der Deut­schen Inter­dis­zi­pli­nä­ren Ver­ei­ni­gung für Inten­siv- und Not­fall­me­di­zin (DIVI) erwar­tet.

Die beson­de­re Bedeu­tung der fach­über­grei­fen­den Zusam­men­ar­beit wur­de die­ses Mal zum Kon­gress­mot­to erho­ben: Unter dem Titel „High-Tech im Team“ erle­ben Medi­zi­ner, Pfle­ge­per­so­nal und The­ra­peu­ten glei­cher­ma­ßen ein abwechs­lungs­rei­ches Pro­gramm aus Hands-on-Kur­sen, Work­shops und wis­sen­schaft­li­chen Sym­po­si­en, beglei­tet durch aus­ge­wie­se­ne Exper­ten ihres Fachs. Die DIVI hat mit Kon­gress­prä­si­dent Pro­fes­sor Tho­mas Nico­lai dar­über gespro­chen, war­um sich die Teil­nah­me für zahl­rei­che Berufs­grup­pen lohnt, wel­che Rol­le die Inter­na­tio­na­li­sie­rung spielt und wie das Kon­gress­mot­to vor Ort gelebt wird. „Mit gut 250 Ein­zel­ver­an­stal­tun­gen ist es der umfas­sends­te Kon­gress der Inten­siv- und Not­fall­me­di­zin in Deutsch­land und ein Muss für jeden Fach­arzt“, sagt Nico­lai, Lei­ten­der Ober­arzt und Abtei­lungs­lei­ter Inten­siv­me­di­zin im Dr. von Hau­ner­schen Kin­der­spi­tal des Uni­ver­si­täts­kli­ni­kums Mün­chen.

Herr Pro­fes­sor Nico­lai, war­um lohnt sich die Rei­se zum DIVI-Kon­gress auch für Kurz­ent­schlos­se­ne?

Wir haben wie­der ein her­vor­ra­gen­des Pro­gramm auf die Bei­ne gestellt, unter ande­rem zu ganz aktu­el­len The­men wie die inva­si­ve Beat­mung oder die extra­kor­po­ra­le Kreis­lauf­un­ter­stüt­zung. Dazu gehört ein umfas­sen­des Fort­bil­dungs­pro­gramm, wo ganz prak­tisch an Model­len unter der Anlei­tung von aus­ge­wie­se­nen Spe­zia­lis­ten trai­niert oder im klei­nen Kreis gecoacht wer­den kann. Wir haben erfah­re­ne und hoch ange­se­he­ne Refe­ren­ten gewin­nen kön­nen, die das täg­li­che Leben auf der Inten­siv­sta­ti­on prä­gen. Des­halb ist es auch für Kurz­ent­schlos­se­ne loh­nend, in das Tages­pro­gramm zu schau­en und The­men zu fin­den, die einen per­sön­lich vor­an­brin­gen könn­ten.

Ärz­te, Pfle­ger und The­ra­peu­ten: Wie bekom­men Sie die­se Berufs­grup­pen in Leip­zig alle unter einen Hut?

Unser Mot­to heißt die­ses Jahr „High-Tech im Team“. Das drückt unse­re Über­zeu­gung aus und ist Pro­gramm: Unser Wis­sen ist gegen­über den Pati­en­ten nur sinn­voll, wenn wir es im Team mul­ti­pro­fes­sio­nell und inter­dis­zi­pli­när anwen­den. Des­we­gen sind auch Ver­tre­ter all die­ser Fach­be­rei­che vor Ort. Nicht-ärzt­li­che Mit­ar­bei­ter aus der Pfle­ge und The­ra­pie haben dabei genau­so einen Ein­fluss auf unser Pro­gramm wie der hoch­spe­zia­li­sier­te Kar­dio­lo­ge.

Und wie wird das Kon­gress-Mot­to „High-Tech im Team” in Leip­zig gelebt?

Es wer­den beson­de­re Tech­nik-Ver­an­stal­tun­gen orga­ni­siert. Zum Bei­spiel zum The­ma „Reani­ma­ti­on bei Neu­ge­bo­re­nen“, da kann man im inter­dis­zi­pli­nä­ren Team aus Ärz­ten und Pfle­gen­den die Ver­sor­gung von Neu­ge­bo­re­nen üben. Auch das The­ma „Umgang mit Soft­ware“ spie­gelt das wider: Was kommt da von der EDV auf uns zu? Dann wird Tele­me­di­zin demons­triert, die Feu­er­wehr wird prä­kli­ni­sche Ret­tungs­diens­te zei­gen, die Bun­des­wehr ist eben­so dabei. Es wird kon­gress­be­glei­tend ganz vie­le Ereig­nis­se geben, die alle inter­dis­zi­pli­när und mul­ti­pro­fes­sio­nell auf­ge­zo­gen sind. Tech­nik und Team­ar­beit sind die Zukunft der Inten­siv- und Not­fall­me­di­zin.

Das klingt viel­schich­tig und abwechs­lungs­reich. Was sind Ihre per­sön­li­chen Kon­gress-Höhe­punk­te?

Ich wer­de auf jeden Fall The­men wie die aktu­el­le Beat­mungs­dis­kus­si­on und die Dis­kus­si­on zur extra­kor­po­ra­len The­ra­pie besu­chen. Dann wer­de ich mir anse­hen, was sich bei den Schock­raum-Kon­zep­ten erge­ben hat. Eben­so inter­es­sie­ren mich die Neue­run­gen im Air­way-Manage­ment. Ich freue mich auf die inter­ak­ti­ven Sit­zun­gen, wo das Publi­kum mit abstim­men kann. Auch die gut dotier­ten För­der­pro­gram­me der DIVI sind etwas Beson­de­res. Wir wer­den gute Pos­ter und Prä­sen­ta­tio­nen sehen, weil der wis­sen­schaft­li­che Nach­wuchs dafür nach Leip­zig kommt. Das sind für mich die per­sön­li­chen High­lights.

Was müs­sen denn gera­de Erst-Teil­neh­mer vor Kon­gress-Beginn noch unbe­dingt wis­sen?

Unser The­men­spek­trum ist wie­der sehr umfas­send. Ich glau­be, es ist klug, wenn sich Erst-Teil­neh­mer das jewei­li­ge Tages­pro­gramm zur Hand neh­men und eine Vor­auswahl an span­nen­den Ses­si­ons tref­fen. Die­se soll­ten für die eige­ne Pra­xis rele­vant sein. Für die geziel­te Stich­wort-Suche eig­net sich auch unser Online-Pla­ner oder die App. So hat jeder Teil­neh­mer ein gutes Grund­ge­rüst und kann immer noch vor Ort fle­xi­bel Ver­an­stal­tun­gen besu­chen. Ansons­ten ist ein Kon­gress-Neu­ling vor Ort viel­leicht etwas über­for­dert bei dem rie­si­gen Ange­bot.

Im Ange­bot sind auch vie­le prak­ti­sche Work­shops. Was ver­spre­chen Sie sich davon – und gibt es noch freie Plät­ze?

Gera­de die Pra­xis­schu­lun­gen beim Kon­gress sind ein wich­ti­ger Fort­bil­dungs­schwer­punkt. Sie berei­chern die Arbeit der Teil­neh­mer in der Pra­xis unge­mein. Vie­le Work­shops sind auch noch vor Ort buch­bar. Natür­lich müs­sen wir gewis­se Teil­neh­mer-Begren­zun­gen ein­hal­ten, um bei­spiels­wei­se das Hands-on-Modell auch adäquat anzu­wen­den. Wir kön­nen freie Plät­ze nicht immer garan­tie­ren, in vie­len Berei­chen gibt es aber genü­gend Kapa­zi­tä­ten. Und ich weiß aus Erfah­rung, dass zahl­rei­che Teil­neh­mer ger­ne spon­tan vor Ort Ver­an­stal­tun­gen buchen.

Wel­che Auf­ga­ben über­neh­men eigent­lich die DIVI-Sek­tio­nen bei der Pro­gramm­vor­be­rei­tung?

Die Sek­tio­nen sind ein zen­tra­ler Mecha­nis­mus der DIVI. Das sind die Grup­pen, die das Pro­gramm schrei­ben und damit den Kon­gress maß­geb­lich bestim­men. Die wis­sen genau, was aktu­ell wich­tig ist, was viel­leicht ver­nach­läs­sigt wird, und was beim Kon­gress betont wer­den soll­te. Die Ver­tre­ter der DIVI-Sek­tio­nen schrei­ben Pro­gramm-Vor­schlä­ge und rei­chen sie beim Kon­gress­prä­si­den­ten und dem Kon­gress­se­kre­tär ein. Wir schau­en dann, wie alles zusam­men­passt, und wie es sich mit den vor­han­de­nen Kapa­zi­tä­ten umset­zen lässt. Dar­aus wird das Pro­gramm zusam­men­ge­stellt. Ich kann jedem emp­feh­len, sich einer Sek­ti­on des eige­nen Lieb­lings­the­mas anzu­schlie­ßen. Die Sek­ti­ons­mit­glied­schaft ist kos­ten­los, man kann sich hier sehr gut infor­mie­ren und mit­ein­an­der ver­netz­ten.

Wel­chen Stel­len­wert hat das inter­dis­zi­pli­nä­re Netz­wer­ken unter den Teil­neh­mern gene­rell?

Einen sehr hohen Stel­len­wert. Auf der einen Sei­te gehen die Teil­neh­mer ja auf den Kon­gress, um sich ken­nen­zu­ler­nen und sich selbst in ihrem Fach­ge­biet ein­zu­brin­gen. Auf der ande­ren Sei­te schät­zen sie aber auch das ent­spann­te Mit­ein­an­der beim jähr­li­chen Get-toge­ther. Das sind groß­ar­ti­ge Mög­lich­kei­ten, über die eige­ne Orts- und Fach­gren­ze hin­aus Men­schen mit ähn­li­chen beruf­li­chen Inter­es­sen ken­nen­zu­ler­nen. Ich ken­ne vie­le Kol­le­gen, die auf die­sem Wege auch über das Beruf­li­che hin­aus neue Freund­schaf­ten geschlos­sen haben oder auch neue gemein­sa­me Pro­jek­te ansto­ßen konn­ten.

Und wel­che Bedeu­tung hat der inter­na­tio­na­le Aus­tausch auf dem Jah­res­kon­gress?

Das hängt ein wenig von den betei­lig­ten Berei­chen ab. Wir gehen aber davon aus, dass ins­ge­samt vie­le inter­na­tio­na­le Ein­fluss­fak­to­ren eine Rol­le spie­len wer­den. Das wird allein dadurch garan­tiert, dass Aus­stel­ler und Teil­neh­mer in der Regel sehr gut inter­na­tio­nal ver­netzt sind. Beim wis­sen­schaft­li­chen Arbei­ten ist eine inter­na­tio­na­le Betrach­tung ohne­hin üblich. Wir wer­den also nicht im eige­nen Saft schmo­ren, son­dern im inter­na­tio­na­len Kon­text der Inten­siv- und Not­fall­me­di­zin ein­ge­bet­tet sein.

Wel­che Ver­an­stal­tung kön­nen Sie den Teil­neh­mern in die­sem Jahr beson­ders emp­feh­len?

Es wird für jeden etwas ande­res wich­tig sein, je nach Arbeits­be­reich. Wovon wir alle gemein­sam etwas haben, ist die Key­note bei der Eröff­nungs­ver­an­stal­tung. Ein Pilot der Aus­tri­an Air­lines und ein Neo­na­to­lo­ge grei­fen die The­men Team­ar­beit und Pati­en­ten­si­cher­heit auf recht unter­halt­sa­me Wei­se auf. Ich bin mir sicher, dass sich alle Kon­gress­teil­neh­mer bei die­sem The­ma wie­der­fin­den. Es lohnt sich, dabei zu sein. Dane­ben sind die Ein­satz­übun­gen der Feu­er­wehr natür­lich immer sehens­wert, das gilt auch für die Aktio­nen der Bun­des­wehr. Für Früh­auf­ste­her lohnt sich unser Cha­ri­ty Walk and Run zuguns­ten von Kin­der-Organ­trans­plan­ta­tio­nen. Wich­tig ist: Jeder Teil­neh­mer soll­te das Kon­gress­pro­gramm voll aus­schöp­fen und sich über die aller­neu­es­ten wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­se infor­mie­ren. Für Kurz­ent­schlos­se­ne lohnt es sich zudem, direkt vor Ort DIVI-Mit­glied zu wer­den, um so unmit­tel­bar von redu­zier­ten Teil­nah­me­ge­büh­ren beim Kon­gress zu pro­fi­tie­ren.

 

Das Inter­view führ­ten mit­ar­bei­ter der divi.

Quelle
Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin e. V.
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