Ein Jahr mit Cochlea-Implantat: Keine bessere Lebensqualität

Inwie­weit ver­bes­sert sich die Lebens­qua­li­tät bei Pati­en­ten mit ein­sei­ti­gem Hör­vers­lust durch ein Coch­lea-Implan­tat? Eine Stu­die ging die­ser Fra­ge­stel­lung bei erwach­se­nen Pati­en­ten nach.

Ziel der aktu­ell in den „Euro­pean Archi­ves of Oto-Rhi­no-Laryn­go­lo­gy“ ver­öf­fent­lich­ten Stu­die war die Eva­lu­ie­rung der Lebens­qua­li­tät und des Behand­lungs­nut­zens von Pati­en­ten mit ein­sei­ti­ger Taub­heit vor und ein Jahr nach Coch­lea-Implan­ta­ti­on.

Prospektive Beobachtungsstudie

In die­ser pro­spek­ti­ven Obser­va­ti­ons­stu­die wur­den zehn erwach­se­ne Pati­en­ten mit ein­sei­ti­gem Hör­ver­lust ein­ge­schlos­sen. Sie wie­sen auf der Implan­tat­sei­te unter Zuhil­fe­nah­me nor­ma­ler Hör­ge­rä­te kein Sprach­ver­ständ­nis auf und lit­ten auf der Gegen­sei­te ledig­lich unter kei­nem oder ledig­lich mar­gi­na­lem Hör­ver­lust. Um den sub­jek­ti­ven Behand­lungs­nut­zen der Coch­lea-Implan­ta­ti­on zu ergrün­den, beant­wor­te­te jeder Pati­ent vor und ein Jahr nach dem Ein­griff stan­dar­di­sier­te Fra­ge­bö­gen.

Hin­sicht­lich der sub­jek­ti­ven Ein­drü­cke im Fra­ge­bo­gen „Speech, Spa­ti­al and Qua­li­ties of Hea­ring“ (SSQ) erga­ben sich signi­fi­kan­te Unter­schie­de bezüg­lich der Teil­be­rei­che „Sprach­ver­ste­hen“ und „Räum­li­ches Hören“ (Sprach­ver­ste­hen: 14 Fra­gen, Räum­li­ches Hören: 17 Fra­gen sowie Hör­qua­li­tät: 18 Fra­gen). Die Ant­wor­ten der Pro­ban­den im „Nij­me­gen Coch­le­ar Implant Ques­ti­onn­aire“ (NCIQ) zeig­te signi­fi­kan­te Unter­schie­de im Teil­be­reich „basic sound per­cep­ti­on“, jedoch nicht im Gesamt­score des Fra­ge­bo­gens. Das „Glas­gow Hea­ring Aid Bene­fit Pro­fi­le“ (GHABP) offen­bar­te im Durch­schnitt eine mode­ra­te Zufrie­den­heit der Pro­ban­den hin­sicht­lich der Teil­be­rei­che „Nut­zen der Hör­hil­fe“ und „ver­blei­ben­de Behin­de­rung“. Hin­sicht­lich der mit­tels EQ-5D-3L erfrag­ten all­ge­mei­nen Lebens­qua­li­tät wur­den jedoch kei­ne signi­fi­kan­ten Unter­schie­de vor und nach Implan­ta­ti­on fest­ge­stellt.

Behandlungsnutzen ohne Verbesserung der Lebensqualität

Das Fazit der Auto­ren: Nach einem Jahr mit Coch­lea-Implan­tat zeig­te sich bei den mit­tels vali­dier­ten Fra­ge­bö­gen befrag­ten Pati­en­ten ein Behand­lungs­nut­zen. Die­ser schlug sich aber nicht in einer Ver­bes­se­rung der all­ge­mein emp­fun­de­nen Lebens­qua­li­tät nie­der. Auf­grund die­ser Ergeb­nis­se emp­feh­len die Auto­ren, ein beson­ders gründ­li­ches Bera­tungs­ge­spräch vor der Implan­ta­ti­on zu füh­ren: Die Pati­en­ten soll­ten adäquat auf­ge­klärt und alter­na­ti­ve The­ra­pie­an­sät­ze soll­ten ange­bo­ten wer­den. (am)

Quel­le: Louza et al. Eur Arch Otor­hi­no­la­ryn­gol. 2017 Jun;274(6):2405–2409. 

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