Endoprothesen nach Maß: Schablonen aus dem 3-D-Drucker für genauere Passform

Jedes Jahr erhal­ten rund 370.000 Deut­sche ein neu­es Knie- oder Hüft­ge­lenk. Plas­tik­scha­blo­nen aus dem 3D-Dru­cker hel­fen dabei, das Gelenk kor­rekt zu posi­tio­nie­ren, was die Funk­ti­on und Pass­ge­nau­ig­keit der Endo­pro­the­se deut­lich ver­bes­sert.

Endo­pro­the­sen müs­sen an Kör­per­auf­bau und -funk­ti­on ange­passt wer­den: Bei jeder Bewe­gung blei­ben der Ober­schen­kel­kno­chen und der Schien­bein­kopf in Kon­takt. Die Gelenk­kap­sel, Seh­nen und Bän­der sta­bi­li­sie­ren das Knie­ge­lenk. „Je genau­er das Kunst­ge­lenk an die­se kom­ple­xe Ana­to­mie ange­passt ist, des­to bes­ser funk­tio­niert das Zusam­men­spiel mit Kno­chen und Mus­keln und des­to län­ger hält das Implan­tat“, erklärt Prof. Alex­an­der Beck, Kon­gress­prä­si­dent des DKOU 2017. Immer mehr Kli­ni­ken fer­ti­gen des­we­gen indi­vi­du­el­le Schnitt­scha­blo­nen für ihre Pati­en­ten an, mit denen sie das Kunst­ge­lenk genau posi­tio­nie­ren kön­nen. Bis­her muss­ten Chir­ur­gen dafür in den Mark­raum des Ober­schen­kel­kno­chens schnei­den, um das Implan­tat anzu­pas­sen. Ein sol­cher Ein­griff ver­län­gert den Hei­lungs­pro­zess zusätz­lich.

Für die Plas­tik­scha­blo­nen erstel­len Ortho­pä­den und Unfall­chir­ur­gen mit­hil­fe einer Com­pu­ter- oder Magnet­re­so­nanz­to­mo­gra­phie eine drei­di­men­sio­na­le Abbil­dung des betrof­fe­nen Beins und berech­nen Aus­rich­tung, Posi­ti­on und Grö­ße des Knie­ge­lenks. Anhand die­ser Abbil­dung kön­nen Spe­zia­lis­ten im 3D-Dru­cker einen Schnitt­block aus Kunst­stoff anfer­ti­gen. Die­ser wird wäh­rend der Ope­ra­ti­on auf die Gelenk­ober­flä­che gesetzt und zeigt dem Ope­ra­teur die Lage der ana­to­mi­schen Struk­tu­ren an, die für die Posi­tio­nie­rung des Implan­tats wich­tig sind. Da die Scha­blo­ne genau auf die Gelenk­struk­tur abge­stimmt ist, müs­sen die Chir­ur­gen weni­ger natür­li­ches Gewe­be weg­schnei­den als bei stan­dar­di­sier­ten Endo­pro­the­sen. Wäh­rend des Ein­griffs kann der Chir­urg bei jedem Schritt die Posi­ti­on des Gelenks kon­trol­lie­ren.

Dank moder­ner Implan­ta­te kön­nen sich vie­le Pati­en­ten mit Ver­schleißer­kran­kun­gen der Gelen­ke wie­der schmerz­frei bewe­gen und einen akti­ven Lebens­stil pfle­gen. Aller­dings warnt Beck auch vor über­zo­ge­nen Erwar­tun­gen. „Die Implan­ta­ti­on eines Kunst­ge­lenks führt nicht dazu, dass sich ein Sieb­zig­jäh­ri­ger wie­der wie ein Zwan­zig­jäh­ri­ger bewegt. Wir müs­sen die Pati­en­ten ehr­lich dar­über auf­klä­ren, was mit dem Gelenk­er­satz mög­lich ist. Das ist sehr viel, aber auch nicht alles.“ Neue Tech­ni­ken in der Endo­pro­the­tik sind auch The­ma auf dem DKOU, der vom 24. bis 27. Okto­ber 2017 in Ber­lin statt­fin­det.

Quelle
DKOU 2017
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