Enzym MK2: ​Zentraler Schalter der Immunabwehr gefunden

Wenn man sich ver­letzt oder mit Bak­te­ri­en infi­ziert, dann reagiert das Immun­sys­tem des Kör­pers zunächst mit einer Ent­zün­dungs­re­ak­ti­on – sie ist die Vor­aus­set­zung für eine Hei­lung.

Doch die­se Ent­zün­dung muss streng regu­liert wer­den. Denn wenn sie zu stark abläuft, kön­nen Krank­hei­ten wie eine Blut­ver­gif­tung, ent­zünd­li­che Darm­er­kran­kung oder Krebs fol­gen. Wis­sen­schaft­ler der Medi­zi­ni­schen Hoch­schu­le Han­no­ver (MHH) haben nun nach sie­ben Jah­ren expe­ri­men­tel­ler Arbeit zusam­men mit Kol­le­gen des Uni­ver­si­täts­kli­ni­kums Ham­burg-Eppen­dorf einen zen­tra­len Schal­ter die­ses Gesche­hens gefun­den und cha­rak­te­ri­siert: das Enzym MK2. Es ent­schei­det über Leben und Tod von Zel­len. Die For­scher haben dies auch am Bei­spiel der Makro­pha­gen des Immun­sys­tems unter­sucht. Dr. Manoj B. Menon, Prof. Mat­thi­as Gaes­tel und wei­te­re Mit­ar­bei­ter des MHH-Insti­tuts für Zell­bio­che­mie ver­öf­fent­lich­ten ihre Erkennt­nis über MK2 gemein­sam mit den Ham­bur­ger Kol­le­gen in „Natu­re Cell Bio­lo­gy”.

Die Wis­sen­schaft­ler klär­ten auf, wie das Enzym MK2 das Ent­zün­dungs­ge­sche­hen regu­liert: „Es phos­pho­ry­liert das soge­nann­te TNF-Rezep­tor-inter­ac­ting Pro­te­in (RIPK1), wenn bei einer Ent­zün­dungs­re­ak­ti­on bak­te­ri­el­le Hüll­be­stand­tei­le oder der Boten­stoff Tumor­ne­kro­se­fak­tor auf eine Zel­le ein­wir­ken“, erläu­tert Gaes­tel. „Wenn RIPK1 so ver­än­dert ist, dann kann es nicht mehr dazu bei­tra­gen, dass die Makro­pha­gen ster­ben. Somit befä­higt MK2 die Makro­pha­gen unter Ent­zün­dungs­be­din­gun­gen wei­ter­zu­le­ben.“

Die Ent­de­ckung ist für die Ent­wick­lung von Medi­ka­men­ten gegen über­schie­ßen­de Ent­zün­dungs­re­ak­tio­nen wich­tig, aber auch für sol­che gegen Krank­heits­er­re­ger wie bei­spiels­wei­se Bak­te­ri­en der Gat­tung Yer­si­nia. Die­se Erre­ger der Pest und ver­schie­de­ner Darm­er­kran­kun­gen hem­men MK2. Dazu inji­zie­ren sie Pro­te­ine in die Makro­pha­gen, wodurch die­se ster­ben und sich die Bak­te­ri­en wei­ter ver­meh­ren kön­nen.

Wis­sen­schaft­ler der Uni­ver­si­tät Gent konn­ten das Ergeb­nis der deut­schen For­scher bestä­ti­gen: Sie hat­ten eben­so her­aus­ge­fun­den, dass das Enzym MK2 den Zell­tod durch RIPK1 regu­liert. Die sich gegen­sei­tig ergän­zen­den Ergeb­nis­se wur­den auf­ein­an­der­fol­gend in der­sel­ben Fach­zeit­schrift publi­ziert.

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