Erhöhte Prävalenz: Kolorektalpolypen nach abdominaler Bestrahlung

Jun­ge Pati­en­ten, die eine Krebs­er­kran­kung über­stan­den haben und im abdo­mi­na­len bzw. Becken­be­reich bestrahlt wur­den (abdominal/pelvic radia­ti­on the­ra­py [ART]) wei­sen eine Poly­pen-Prä­va­lenz auf, die mit der von Per­so­nen mit durch­schnitt­li­chem Risi­ko aus der All­ge­mein­be­völ­ke­rung und einem Alter von höchs­tens 50 Jah­ren ver­gleich­bar ist.

Laut einer aktu­el­len Stu­die ist die Poly­pen-Prä­va­lenz bei die­sen Pati­en­ten erheb­lich höher als in der Ver­gan­gen­heit für Per­so­nen aus der All­ge­mein­be­völ­ke­rung im Alter zwi­schen 40 und 50 Jah­ren ange­ge­ben. Die­se Resul­ta­te, so schrei­ben die Stu­di­en­au­to­ren in „Gut“ unter­stüt­zen die Auf­fas­sung, dass ein ent­spre­chen­des Scree­ning bei sol­chen jun­gen Men­schen nach über­stan­de­ner Krebs­er­kran­kung früh begin­nen soll­te. 

Es sei zwar bekannt, dass Krebs­über­le­ben­de nach einer ART ein erhöh­tes Risi­ko für Kolo­rek­tal­kar­zi­no­me besit­zen, doch habe es bis­lang kei­ne Evi­denz für ein früh begin­nen­des Darm­krebs-Scree­ning gege­ben, berich­ten die Wis­sen­schaft­ler um Erst­au­to­rin Patri­cia E. Daly von der Abtei­lung für Strah­len­me­di­zin am Princess Mar­ga­ret Can­cer Cent­re in Toron­to. Die For­scher führ­ten eine pro­spek­ti­ve Stu­die durch, um her­aus­zu­fin­den, ob die Prä­va­lenz ade­no­ma­tö­ser Kolo­rek­tal­po­ly­pen bei jun­gen Krebs­über­le­ben­den, die das für ein ers­tes Scree­ning emp­foh­le­nes Alter noch nicht erreicht haben, erhöht ist.

Für die Stu­die ana­ly­siert wur­den Daten von Krebs­über­le­ben­den im Alter zwi­schen 35 und 49 Jah­ren, die ≥10 Jah­re zuvor eine ART erhal­ten hat­ten. Die geplan­te Grö­ße der Grup­pe basier­te auf vor­he­ri­gen Stu­di­en, in denen von einer Prä­va­lenz ade­no­ma­tö­ser Poly­pen von etwa 20% in der Bevöl­ke­rung  mit durch­schnitt­li­chem Risi­ko im Alter von ≥50 Jah­ren aus­ge­gan­gen wor­den war, ver­gli­chen mit ≤10% bei Men­schen im Alter zwi­schen 40 und 50 Jah­ren und einem durch­schnitt­li­chen Risi­ko, für ein Scree­ning nicht rou­ti­ne­mä­ßig emp­foh­len wird.

Bei 54 Krebs­über­le­ben­den wur­de – in einem Durch­schnitts­al­ter von 45 Jah­ren und medi­an 19 Jah­re nach der Bestrah­lung – eine Kolo­sko­pie durch­ge­führt. Dabei wur­den 49 Poly­pen bei 24 Pati­en­ten ent­deckt. Bei 15 Pati­en­ten (27,8%; 95%-Konfidenzintervall 17,6–40,9) han­del­te es sich um poten­zi­el­le Krebs­vor­stu­fen. Wie die Stu­di­en­au­to­ren außer­dem fest­stell­ten, befan­den sich 53% der ent­deck­ten Poly­pen inner­halb oder am Ran­de der vor­ma­li­gen ART-Fel­der.

Quelle
Daly PE et al. Gut 2017;66(10):1797–1801.
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