ERS 2017 Desinfektionsmittel: Studie belegt Erhöhung des COPD-Risikos

Die regel­mä­ßi­ge Anwen­dung von Des­in­fek­ti­ons­mit­teln erhöht laut einer aktu­el­len Unter­su­chung an mehr als 55.0000 Kran­ken­schwes­tern in den USA das Risi­ko für eine chro­nisch-obstruk­ti­ve Lun­gen­krank­heit (COPD).

Wie Dr. Ori­an­ne Dumas vom INSERM im fran­zö­si­schen Vil­le­juif auf dem dies­jäh­ri­gen inter­na­tio­na­len Kon­gress der Euro­pean Respi­ra­to­ry Socie­ty (ERS) in Mai­land berich­te­te, war in ihrer Stu­die die Aus­übung bestimm­ter Auf­ga­ben, die einen häu­fi­gen Ein­satz von Des­in­fek­ti­ons­mit­teln umfass­ten, mit einer Erhö­hung des COPD-Risi­kos um 22–32% ver­bun­den.

Dumas und ihre Kol­le­gen hat­ten Daten von 55.185 Kran­ken­schwes­tern ana­ly­siert, die an der 1989 begon­ne­nen US Nur­ses‘ Health Stu­dy II teil­nah­men. Die Wis­sen­schaft­ler unter­such­ten dabei Frau­en, die ihrem Beruf immer noch nach­gin­gen und bis zum Jahr 2009 noch kei­ne COPD-Dia­gno­se erhal­ten hat­ten. Sie wur­den rund 8 Jah­re bis zum Mai 2017 nach­be­ob­ach­tet. In die­ser Zeit wur­de bei 663 der Pro­ban­din­nen eine COPD fest­ge­stellt. Einen Über­blick über den Ein­satz von Des­in­fek­ti­ons­mit­teln durch die Betrof­fe­nen ver­schaff­ten sich die Stu­di­en­au­to­ren anhand von Fra­ge­bö­gen und einer Matrix, die die Expo­si­ti­on gegen­über Des­in­fek­ti­ons­mit­teln je nach Auf­ga­ben­be­reich bestimmt. Bei den Ergeb­nis­sen wur­den auch Fak­to­ren, die das Out­co­me zusätz­lich beein­flus­sen konn­ten, berück­sich­tigt – wie Rau­chen, Alter, Body-Mass-Index und eth­ni­sche Zuge­hö­rig­keit.

Wir stell­ten fest, dass Kran­ken­schwes­tern, die regel­mä­ßig – min­des­tens ein­mal wöchent­lich – zur Rei­ni­gung von Ober­flä­chen Des­in­fek­ti­ons­mit­tel ver­wen­de­ten, ein um 22% erhöh­tes Risi­ko für eine COPD besa­ßen“, erklär­te Dumas. „Es gab auch die Andeu­tung eines Zusam­men­han­ges zwi­schen dem wöchent­li­chen Ein­satz von Des­in­fek­ti­ons­mit­teln zur Rei­ni­gung medi­zi­ni­scher Instru­men­te, doch war die­ser nicht sta­tis­tisch signi­fi­kant.“

Die For­scher unter­such­ten außer­dem die Expo­si­ti­on gegen­über spe­zi­fi­schen Des­in­fek­ti­ons­mit­teln: Glut­a­ral­de­hyd, Blei­che, Was­ser­stoff­per­oxid, Alko­hol und quar­tä­re Ammo­ni­um­ver­bin­dun­gen. Alle die­se Sub­stan­zen waren mit einer Erhö­hung des COPD-Risi­kos von 24–32% asso­zi­iert.

In unse­rer Stu­di­en­po­pu­la­ti­on ver­wen­de­ten 37% der Kran­ken­schwes­tern jede Woche Des­in­fek­ti­ons­mit­teln zur Rei­ni­gung von Ober­flä­chen und 19% zur Rei­ni­gung medi­zi­ni­scher Instru­men­te“, sag­te Dumas.

Älte­re Unter­su­chun­gen hat­ten den Kon­takt mit Des­in­fek­ti­ons­mit­teln mit Atem­pro­ble­men wie Asth­ma unter Gesund­heits­be­ruf­lern in Ver­bin­dung gebracht. „Die poten­zi­el­len nega­ti­ven Effek­te einer Expo­si­ti­on gegen­über Des­in­fek­ti­ons­mit­teln auf eine COPD haben viel weni­ger Beach­tung erfah­ren, obwohl 2 jün­ge­re Stu­di­en mit euro­päi­schen Popu­la­tio­nen gezeigt haben, dass eine Tätig­keit als Rei­ni­gungs­kraft mit einem höhe­ren COPD-Risi­ko ver­bun­den ist. So weit wir wis­sen, sind wir die ers­ten, die über einen Zusam­men­hang zwi­schen Des­in­fek­ti­ons­mit­teln und COPD unter Ange­hö­ri­gen der medi­zi­ni­schen Fach­be­ru­fe berich­ten und bestimm­te che­mi­sche Stof­fe unter­su­chen, die die­sen Zusam­men­hang ver­ur­sa­chen“, erklär­te Dumas. Die­se Erkennt­nis­se müss­ten auch in Rei­ni­gungs­emp­feh­lun­gen für medi­zi­ni­sche Umge­bun­gen wie Kran­ken­häu­ser fin­den, unter­streicht sie.

Eini­ge die­ser Des­in­fek­ti­ons­mit­tel, wie Blei­che und quar­tä­re Ammo­ni­um­ver­bin­dun­gen, wer­den auch häu­fig in Haus­hal­ten ver­wen­det; der mög­li­che Ein­fluss die­ser Anwen­dung in Pri­vat­haus­hal­ten auf die Ent­ste­hung einer COPD ist unbe­kannt. Älte­re Stu­di­en haben gezeigt, dass es eine Ver­bin­dung zwi­schen Asth­ma und dem Kon­takt mit Rei­ni­gungs- und Des­in­fek­ti­ons­mit­teln in Haus­hal­ten gibt. Es ist des­halb wich­tig, dass dies wei­ter unter­sucht wird.“

Dumas beton­te, dass es sich hier um eine Beob­ach­tungs­stu­die han­delt und die Ergeb­nis­se daher kei­nen kau­sa­len Zusam­men­hang zwi­schen Des­in­fek­ti­ons­mit­teln und COPD zei­gen kön­nen.

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