ETMR: Ursache aggressiver Hirntumoren bei Kindern erforscht

Unter Feder­füh­rung von Krebs­for­schern des Uni­ver­si­täts­kli­ni­kums Ham­burg-Eppen­dorf (UKE) und des For­schungs­in­sti­tuts Kin­der­krebs-Zen­trum Ham­burg hat eine inter­na­tio­na­le Wis­sen­schaft­ler­grup­pe ermu­ti­gen­de Fort­schrit­te bei der Erfor­schung einer bis­lang nicht behan­del­ba­ren Form kind­li­cher Hirn­tu­mo­ren erzielt.

Wie die For­scher in der aktu­el­len Aus­ga­be der Fach­zeit­schrift „Natu­re Medi­ci­ne” berich­ten, konn­ten sie mole­ku­la­re Mecha­nis­men iden­ti­fi­zie­ren, die für die Ent­ste­hung von soge­nann­ten Embryo­na­len Tumo­ren mit viel­schich­ti­gen Roset­ten (eng­li­sche Abkür­zung ETMR) ver­ant­wort­lich sind. Im Labor gelang es den For­schern zudem, das Tumor­wachs­tum mit­hil­fe von Medi­ka­men­ten signi­fi­kant zu ver­lang­sa­men.

ETMR sind eine sel­te­ne, aber sehr aggres­siv wach­sen­de Form kind­li­cher Hirn­tu­mo­ren, die vor allem Kin­der unter drei Jah­ren betref­fen. In Deutsch­land gibt es pro Jahr weni­ger als zehn Neu­erkran­kun­gen. Die meis­ten die­ser Kin­der ster­ben inner­halb kür­zes­ter Zeit. „Die Ent­ste­hung von ETMR ist noch wei­test­ge­hend unge­klärt. Stan­dard­the­ra­pi­en oder gar spe­zi­fisch wir­ken­de Medi­ka­men­te feh­len völ­lig“, sag­te der Lei­ter der Arbeits­grup­pe, Prof. Ulrich Schül­ler, der sowohl am UKE als auch am For­schungs­in­sti­tut Kin­der­krebs-Zen­trum Ham­burg tätig ist. Die Pati­en­ten sei­en bis­lang nach ver­schie­de­nen The­ra­pie­pro­to­kol­len behan­delt wor­den, erläu­tert Dr. Julia Neu­mann, Erst­au­to­rin der Stu­die, aus dem Insti­tut für Neu­ro­pa­tho­lo­gie. „Man hat erst kürz­lich erkannt, dass die­se Tumo­ren, die zuvor jeweils anders dia­gnos­ti­ziert wur­den, bio­lo­gisch zusam­men­ge­hö­ren.“

Über­ak­ti­vie­rung von mole­ku­la­ren Signal­we­gen ver­ant­wort­lich für Krebs­ent­ste­hung

Ziel der Wis­sen­schaft­ler sei es daher gewe­sen, auf mole­ku­la­rer Ebe­ne zu ver­ste­hen, wie die Vor­läu­fer­zel­len im Gehirn ent­ar­ten. Den For­schern zufol­ge spielt die gleich­zei­ti­ge Über­ak­ti­vie­rung von zwei mole­ku­la­ren Signal­we­gen, die für die Ent­wick­lung des Gehirns bedeut­sam sind, eine ent­schei­den­de Rol­le bei der Ent­ste­hung vom ETMR. Dabei han­delt es sich um den soge­nann­ten Sonic Hedge­hog-Signal­weg (SHH) und den WNT-Signal­weg. Im Labor gelang es den For­schern, ETMR-typi­sche Tumo­ren mit­hil­fe eines Wirk­stoffs, der in den SHH-Signal­weg ein­greift, erfolg­reich zu behan­deln. Der hier­für ver­wen­de­te Wirk­stoff Arsen­tri­oxid wer­de bereits als Che­mo­the­ra­peu­ti­kum bei bestimm­ten Leuk­ämie­for­men ein­ge­setzt, so Schül­ler. „Wir gehen des­halb davon aus, dass er gut ver­träg­lich ist und sicher ver­wen­det wer­den kann.“

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