Europäischer Fahrplan für Organ-on-a-Chip-Technologie

Ein neu­es For­schungs­kon­sor­ti­um erar­bei­tet im Auf­trag der EU einen Fahr­plan für die Wei­ter­ent­wick­lung der Organ-on-a-Chip-Tech­no­lo­gie. Unter Lei­tung des Lei­den Uni­ver­si­ty Medi­cal Cen­ters und der nie­der­län­di­schen For­schungs­or­ga­ni­sa­ti­on hDMT (Insti­tu­te for human Organ and Disea­se Model Tech­no­lo­gies) for­schen die Betei­lig­ten mit dem Ziel, eine euro­päi­sche Infra­struk­tur auf­zu­bau­en, um eine koor­di­nier­te Ent­wick­lung, Pro­duk­ti­on und Imple­men­tie­rung von Organ-on-a-Chip-Sys­te­men zu ermög­li­chen.

Das Kon­sor­ti­um wird von der EU im Rah­men des Pro­gramm­be­reichs FET Open geför­dert und bringt sechs füh­ren­de euro­päi­sche For­schungs­ein­rich­tun­gen unter einem Dach zusam­men, dar­un­ter das Fraun­ho­fer IGB.

Ziel des Kon­sor­ti­ums ist es, der Organ-on-a-Chip-Tech­no­lo­gie auf gesell­schaft­li­cher und wirt­schaft­li­cher Ebe­ne durch koor­di­nier­tes Han­deln zum Durch­bruch zu ver­hel­fen. Organ-on-Chips sind dem mensch­li­chen Orga­nis­mus nach­emp­fun­de­ne Mini-Orga­ne, die auf Kon­zep­ten der Mikro­flu­i­dik und Mikro­tech­no­lo­gie basie­ren. Bereits heu­te bie­tet die­se Tech­no­lo­gie neue Mög­lich­kei­ten für die Wirk­stoff­for­schung und stellt eine Alter­na­ti­ve zu her­kömm­li­chen Tier­ver­su­chen dar. Dar­über hin­aus kön­nen Organ-on-Chips in der per­so­na­li­sier­ten Medi­zin oder der Sicher­heits­phar­ma­ko­lo­gie ein­ge­setzt wer­den. Die EU wird in den nächs­ten zwei Jah­ren 0,5 Mil­lio­nen Euro in das Pro­jekt »ORgan-on-CHip In Deve­lop­ment« (ORCHID) inves­tie­ren.

ORCHID wird den Dia­log und die Doku­men­ta­ti­on ver­ein­fa­chen und somit zu einer schnel­le­ren Wei­ter­ent­wick­lung von Organ-on-a-Chip-Pro­to­ty­pen und vali­dier­ten Zell­sys­te­men bei­tra­gen, die kran­kes oder gesun­des mensch­li­ches Gewe­be imi­tie­ren. Ziel ist es, die Imple­men­tie­rung die­ser Tech­no­lo­gie bei Anwen­dern in Wis­sen­schaft, Gesund­heits­we­sen und Indus­trie zu beschleu­ni­gen.

Im Rah­men des Kon­sor­ti­ums kon­zen­triert sich das Fraun­ho­fer IGB auf die wirt­schaft­li­chen Aspek­te des ORCHID-Pro­jekts und auf den Bereich der Aus- und Wei­ter­bil­dung. Dr. Peter Los­kill, Lei­ter der For­schungs­grup­pe »Organ-on-a-Chip-Sys­te­me« des Insti­tuts, und sein Team wer­den her­aus­ar­bei­ten, wel­che Kom­pe­ten­zen für die Ent­wick­lung und Anwen­dung der Organ-on-a-Chip-Tech­no­lo­gie essen­ti­ell sind. Auf die­ser Basis kön­nen spe­zi­fi­sche Trai­nings­in­hal­te für die Wei­ter­bil­dung von For­schern, Ent­wick­lern und Nut­zern ermit­telt wer­den. Eine wei­te­re Auf­ga­be von Dr. Los­kill und sei­nem Team wird die Eva­lu­ie­rung geeig­ne­ter Geschäfts­mo­del­le für die Ver­mark­tung von Organ-on-a-Chip-Sys­te­men sein. Dabei nutzt das Fraun­ho­fer IGB sei­ne umfas­sen­de wirt­schaft­li­che Exper­ti­se als anwen­dungs­ori­en­tier­tes For­schungs­in­sti­tut.

Letzt­end­lich geht es im ORCHID-Pro­jekt dar­um, eine Infra­struk­tur für Wis­sen­schaft­ler, poli­ti­sche Ent­schei­dungs­trä­ger, Geld­ge­ber und End­nut­zer auf­zu­bau­en, um auf die zu-künf­ti­ge Wei­ter­ent­wick­lung von Organ-on-a-Chip-Anwen­dun­gen auf euro­päi­scher Ebe­ne ein­wir­ken zu kön­nen. Ein wesent­li­cher Bei­trag von ORCHID hier­bei ist die Ein­rich­tung einer digi­ta­len Platt­form, die den Aus­tausch von Wis­sen zwi­schen For­schern und Ver­tre­tern pri­va­ter Unter­neh­men ermög­licht, ein­schließ­lich Ver­si­che­run­gen, Phar­ma- und Bio­tech-Unter­neh­men, Lebens­mit­tel­in­dus­trie, Gesund­heits­stif­tun­gen und Pati­en­ten­or­ga­ni­sa­tio­nen.

Die ORCHID-Platt­form soll einen Über­blick und Updates zu aktu­el­len und neu­en Organ-on-a-Chip-Initia­ti­ven bie­ten, damit die Benut­zer Fort­schrit­te ein­fach ver­fol­gen, Ent­wick­ler direkt anspre­chen und Wis­sens­lü­cken iden­ti­fi­zie­ren kön­nen, die bis­her die Imple­men­tie­rung ein­schrän­ken. ORCHID wird sich zudem auch ethi­schen und regu­la­to­ri­schen Fra­gen wid­men, ins­be­son­de­re in Bezug auf per­so­na­li­sier­te Infor­ma­tio­nen, wirt­schaft­li­che und gesell­schaft­li­che Aus­wir­kun­gen, die Aus­bil­dung von For­schern und die Gestal­tung einer FuE-Road­map.

Am Kon­sor­ti­um sind fol­gen­de Insti­tu­tio­nen und Orga­ni­sa­tio­nen betei­ligt:

Lei­den Uni­ver­si­ty Medi­cal Cen­ter, Nie­der­lan­de; Koor­di­na­to­rin: Dr. Chris­ti­ne Mum­me­ry, Pro­fes­so­rin für Ent­wick­lungs­bio­lo­gie, Vor­sit­zen­de der Abtei­lung Ana­to­mie

Organ-on-Chip-Kon­sor­ti­um hDMT, Nie­der­lan­de; Kon­takt für Stra­te­gie und Road­map: Dr. Jan­ny van den Eijn­den van Raaij, Geschäfts­füh­re­rin

Fraun­ho­fer IGB, Deutsch­land; Dr. Peter Los­kill, Lei­ter der Attract-Grup­pe Organ-on-a-Chip, Abtei­lung Zell- und Tis­sue Engi­nee­ring

CEA LETI, Frank­reich; Kon­takt für Öko­sys­tem­ent­wick­lung und Digi­tal­platt­form: Dr. Adri­en­ne Per­vès, Stell­ver­tre­ten­de Lei­te­rin der Abtei­lung LETI-Tech­no­lo­gi­en für Bio­lo­gie und Gesund­heit

Imec, Bel­gi­en; Kon­takt für ethi­sche Aspek­te, Regu­lie­run­gen und Stan­dar­di­sie­rung: Dr. Wolf­gang Eber­le, För­der­pro­gramm-Mana­ger »Smart Health« und NERF-Koor­di­na­tor »EIT Health«

Uni­ver­si­ty of Zara­go­za, Spa­ni­en; Kon­takt für Dis­se­mi­na­ti­on: Dr. Luis Fer­nan­dez, Pro­fes­sor für Maschi­nen­bau, Abtei­lung für ange­wand­te Mecha­nik und Bio­en­gi­nee­ring

Die­ses Pro­jekt wird von der Euro­päi­schen Uni­on im Rah­men des For­schungs- und Inno­va-tions­pro­gramms Hori­zon 2020 finan­zi­ell geför­dert, unter dem För­der­kenn­zei­chen Nr. 766884.

Quelle
Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB
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