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Allergien und Infektionen

Graduiertenkolleg erforscht Immunregulation

07.07.2017
Prof. Jörg Köhl (Foto: Uni Lübeck)

Das Internationale Graduiertenkolleg 1911 (International Research Training Group, IRTG) „Immunregulation der Entzündung bei Allergien und Infektionen“ wird weitergeführt. Dies hat der Bewilligungsausschuss der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) im Mai beschlossen.

Mit einer Fördersumme von insgesamt 6,2 Millionen Euro kann das IRTG 1911 seine Arbeit in einem zweiten Förderzeitraum bis 2022 fortsetzen. Es ist damit weiterhin das einzige durch die DFG geförderte internationale Graduiertenkolleg in Schleswig-Holstein und eines von vier geförderten IRTGs mit US-Partneruniversitäten aus dem Bereich der Lebenswissenschaften.

„Ich freue mich sehr, dass durch die erneute Förderzusage die im IRTG 1911 geleistete Arbeit und die hochqualitativen Forschungsergebnisse seitens der DFG anerkannt und honoriert worden sind“, so der Sprecher des Kollegs, Prof. Jörg Köhl. Er ist Direktor des Instituts für Systemische Entzündungsforschung an der Universität zu Lübeck und Sprecher des Zentrums für Infektion- und Entzündungsforschung Lübeck (Z.I.E.L.). „Wir freuen uns sehr, den Doktorandinnen und Doktoranden weiterhin ein strukturiertes internationales Ausbildungs- und Qualifizierungsprogramm zusammen mit unseren US-amerikanischen Kollegen anbieten zu können. Die Fortsetzung des IRTG 1911 ist ein wichtiges Signal zur weiteren Stärkung des universitären Forschungsschwerpunkts ‚Infektion und Entzündung‘ und unterstreicht die große Bedeutung der Entzündungsforschung für die Universität zu Lübeck.“

Allergien und Infektionen sind Erkrankungen von enormer medizinischer und sozio-ökonomischer Relevanz. Das Immunsystem spielt eine wesentliche Rolle bei der Auseinandersetzung mit Infektionserregern und der Entwicklung von allergischen Erkrankungen. Interessanterweise werden sowohl Infektionserreger als auch Allergene durch das angeborene Immunsystem erkannt. Während dies im ersten Fall zu gewollten und notwendigen Entzündungsreaktionen mit meist erfolgreicher Elimination des Infektionserregers führt, kommt es im zweiten Fall zu einer ungewollten und schädlichen Entzündungsreaktion durch Aktivierung des erworbenen Immunsystems.

Viele der löslichen und zellulären Mechanismen, über die Entzündungsreaktionen nach Erreger- oder Allergenkontakt vermittelt werden, sind überraschend ähnlich. Bisher sind die beiden Themenbereiche zumeist isoliert betrachtet worden. Das seit 2013 von der DFG geförderte internationale Graduiertenkolleg zielt darauf ab, Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Entzündungsreaktionen bei allergischen und infektiösen Erkrankungen besser zu verstehen. Die Ergebnisse der ersten viereinhalbjährigen Förderperiode haben zu einem besseren Verständnis dieser Zusammenhänge geführt und erste neue Ansätze geliefert zur Prävention und/oder Therapie infektiöser und allergischer Erkrankungen.

Das IRTG 1911 wird von neun Wissenschaftler/innen und zwei Nachwuchswissenschaft-lern aus den Instituten für Anatomie, für Ernährungsmedizin und für Systemische Entzündungsforschung sowie aus den Kliniken für Infektiologie und Mikrobiologie und für Kinder- und Jugendmedizin der Universität zu Lübeck und des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, sowie drei Wissenschaftlern des Leibniz-Forschungszentrums Borstel getragen. Diese Kollegen arbeiten zusammen mit 13 Wissenschaftler/innen der Universität und des Kinderkrankenhauses in Cincinnati, Ohio, USA.

Derzeit forschen mehr als 20 naturwissenschaftliche und medizinische Doktorandinnen und Doktoranden in direkt IRTG-geförderten oder assoziierten Projekten. Innerhalb der ersten Förderperiode konnten bereits mehr als 30 ihre Projekte erfolgreich abschließen. Auch eine approbierte Medizinerin und ein Mediziner, die zusätzlich zum Dr. med. mit dem akademischen Grad Dr. rer. nat. eine wichtige Zusatzqualifikation zum „Clinician Scientist“ anstreben, werden durch das IRTG 1911 gefördert. Durch gemeinsame Bestrebungen der vier existierenden biomedizinischen Graduiertenkollegs auf dem Campus der Universität zu Lübeck zusammen mit dem Center for Doctoral Studies Lübeck wurden im letzten Jahr die Rahmenbedingungen definiert, zu denen Mediziner den Abschluss eines Dr. rer. nat. an der Universität zu Lübeck erwerben können. Das in diesem Zusammenhang übergeordnete Ausbildungsprogramm für strukturierte Promotionen wurde in Abstimmung mit dem IRTG definiert und steht somit jetzt allen Doktorandinnen und Doktoranden des Programms offen.

Graduiertenkollegs bieten Doktoranden die Chance, in einem thematisch fokussierten Forschungs- und strukturierten Qualifizierungsprogramm auf hohem fachlichem Niveau zu promovieren. Sie dienen damit der weiteren Stärkung des wissenschaftlichen Nachwuchses in Deutschland. Ziel ist es, die Doktoranden optimal auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten und ihre wissenschaftliche Selbstständigkeit zu unterstützen. Besonderheit eines internationalen Graduiertenkollegs ist die bilaterale Kooperation zwischen einer deutschen Universität mit einem internationalen Partner. Hierbei wird die Forschungskooperation durch ein gemeinsames Forschungs- und Qualifizierungskonzept sowie die grenzübergreifende Betreuung der Doktoranden unterstützt, die auch wechselseitige Forschungsaufenthalte im Partnerlabor beinhaltet.

Das Zentrum für Infektions- und Entzündungsforschung (Z.I.E.L.) ist eine Einrichtung der Universität zu Lübeck, die eng mit dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, dem Forschungszentrum Borstel und der Wirtschaft zusammenarbeitet. Im Z.I.E.L. forschen mehr als 80 Wissenschaftler verschiedener Fachgebiete interdisziplinär zu Fragestellungen entzündlicher Erkrankungen infektiöser und nicht-infektiöser Genese. Ein wichtiges Ziel ist die Umsetzung der Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung in die medizinische Anwendung. Mit der erwarteten Fertigstellung des zurzeit auf dem Campus im Bau befindlichen BMF-Gebäudes im Jahr 2019 werden die im Z.I.E.L. organisierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter einem Dach forschen können.

Das Center for Doctoral Studies Lübeck (CDSL) unterstützt mit seinem Graduierungs-Service die Karriereentwicklung des wissenschaftlichen Nachwuchses und bietet ein breitgefächertes Qualifizierungsangebot. Daneben berät das CDSL in allen Fragestellungen rund um die Promotion. Dieses Angebot richtet sich sowohl an Absolventinnen und Absolventen mit Promotionswunsch, an bereits Promovierende als auch an deren Betreuerinnen und Betreuer. Die Doktoranden der Graduiertenkollegs sind als Mitglieder des biomedizinischen Zweigs inhaltlich und organisatorisch dem CDSL angegliedert. Sie können somit alle Angebote des Centers frei nutzen.

 

Prof. Jörg Köhl (Foto: Uni Lübeck)