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123. Kongress der DGIM

Migrationsmedizin: Wer übernimmt welche Kosten?

25.04.2017
Bild: © Jonathan Stutz - fotolia.com

In den vergangenen zwei Jahren sind rund eine Million Menschen als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen. Diese müssen nicht nur akut versorgt, sondern auch langfristig in das deutsche Gesundheitssystem integriert werden.

In der Migrationsmedizin ist nicht immer klar, welche Leistungen von welchem Kostenträger übernommen werden und ob etwa vor der Behandlung eine Kostenzusage eingeholt werden muss. Diese und weitere Fragestellungen rund um die medizinische Betreuung geflüchteter Menschen beleuchtet Dipl.-Med. Petra Albrecht von der Sächsischen Landesärztekammer in Dresden anlässlich des 123. Internistenkongresses, der  vom 29. April bis 2. Mai in Mannheim stattfindet.

„Die medizinische Versorgung von geflüchteten Menschen ist in Deutschland gesetzlich stark reguliert“, sagt Bianca Wittig, Sprecherin der Korporativen Mitglieder der DGIM aus Wiesbaden. Dennoch gebe es große Interpretationsspielräume und die Regelungen würden regional sehr unterschiedlich umgesetzt. „Die vor Ort geltenden Regelungen – etwa dazu, welche Behandlung wo vorgenommen werden sollte und welcher Kostenträger zuständig ist – können oftmals nicht rasch geklärt werden“, nennt Albrecht ein Beispiel. In Sachsen hätten sich daher verschiedene Ministerien, die Landesärztekammer, die Kassenärztliche Vereinigung und die Krankenhausgesellschaft auf eine landesweit gültige Interpretationshilfe zum Asylbewerberleistungsgesetz verständigt. In dieser werde dargelegt, auf welche Leistungen Flüchtlinge Anspruch haben und in welchen Fällen eine Kostenzusage notwendig ist.

Oft geht wertvolle Zeit auch dadurch verloren, dass Vorbefunde oder die Ergebnisse der Erstuntersuchung nicht vorliegen. Hier könnten die Abläufe nach Albrechts Ansicht noch wesentlich verbessert und der bürokratische Aufwand reduziert werden. Eine zentrale Stellung kommt dabei den Gesundheitsämtern zu. „Sie führen nicht nur die Erstuntersuchung durch, sondern kontrollieren auch die Unterbringungseinrichtungen, beurteilen die Anträge auf Kostenübernahme und übernehmen teilweise die Impfungen der Flüchtlinge“, zählt  Albrecht auf. Ein zentrales Problem bei der Behandlung von Migranten seien Kommunikationsprobleme. „Die Kosten für Dolmetscher werden von den Kostenträgern jedoch nur im ambulanten Bereich und auf Antrag übernommen“, erläutert Amtsärztin Albrecht. Für Kliniken, in denen viele Flüchtlinge behandelt würden, sei es daher wichtig, die Logistik zu klären und zum Beispiel Dolmetscher, Flüchtlingslotsen oder auch mehrsprachige Informationsbroschüren zur Verfügung zu stellen.

Die Behandlung leichterer Fälle direkt in den Erstaufnahmeeinrichtungen ist oft eine sehr ressourcenschonende Möglichkeit, zumal dort auch Dolmetscher vor Ort sind. Bundesweit gibt es daher immer noch viele, zumeist ehrenamtlich organisierte Sprechstunden und Erstaufnahmeeinrichtungen. Auch die Einrichtung spezieller Flüchtlingspraxen mit fest angestellten Dolmetschern trägt dazu bei, Kosten zu senken und Behandlungsabläufe zu beschleunigen. „Solche Praxen sind aber abhängig von finanzieller Unterstützung durch die betreffenden Kreise und kreisfreien Städte und die Landesregierung“, sagt Albrecht. Leider werde in diesem Bereich – ebenso wie bei der personellen Ausstattung der Gesundheitsämter – oft an der falschen Stelle gespart.

Auch wenn viele bürokratische Abläufe noch verschlankt und die Behandlungskriterien noch weiter vereinheitlicht werden könnten – insgesamt sieht die Amtsärztin die Migrationsmedizin auf einem guten Weg. „Wir beobachten, dass sich zunehmend eine geordnete Zusammenarbeit zwischen Kliniken, niedergelassenen Ärzten und Gesundheitsämtern etabliert“, sagt sie.
 

Bild: © Jonathan Stutz - fotolia.com