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Felicién-Steichen-Preis 2017

Norddeutsche Chirurgen von Kollegen ausgezeichnet

05.04.2017
Freude über die Auszeichnung (v.l.): Prof. Pohlemann (Präsident DGCH), Prof. Schniewind (Lüneburg), Prof. Schafmayer (UKSH Kiel), Prof. ans-Joachim Meyer (Generalsekrekretär DGCH). (Foto: © Peter Schmalfeldt)

Prof. Clemens Schafmayer, Leitender Oberarzt an der Klinik für Allgemeine, Viszeral-, Thorax-, Transplantations- und Kinderchirurgie des Universitätsklinikums Schleswig Holstein, Campus Kiel, und Medizinische Fakultät der Universität Kiel und Prof. Bodo Schniewind, Chefarzt der Klinik für Allgemeine, Viszeral- und Thoraxchirurgie am Städtischen Krankenhaus Lüneburg, sind auf dem 134. Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) in München mit dem Felicién-Steichen-Preis 2017 ausgezeichnet worden.

Das Auswahlkomitee der DGCH vergibt diese Auszeichnung an die beiden norddeutschen Mediziner, da sich die Schafmayer und Schniewind um die Weiterentwicklung der klinischen Chirurgie besonders verdient gemacht und einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der Krankenbehandlung auf dem Gebiet der Chirurgie geleistet haben. Die Arbeitsgruppe wurde wegen ihrer wegweisenden Entwicklungen und Publikationen zum Thema der endoskopischen Vakuumtherapie nach Oesophagusperforationen und Anastomoseninsuffizienzen nach Oesophagusresektionen geehrt.

Eine Nahtinsuffizienz der Anastomose oder andere Leckagen am oberen Gastrointestinaltrakt können schwerwiegende Folgen für die betroffenen Patienten haben. Verschiedene Parameter, wie die Größe, die Lokalisation, die Latenzzeit bis zur Diagnosestellung der Läsion, aber auch der Allgemeinzustand des Patienten haben einen erheblichen Einfluss auf den klinischen Verlauf der Behandlung. Häufig geht diese Befundkonstellation mit einem septischen Krankheitsbild einher und in schweren Fällen kann eine erhöhte Sterberate die Folge sein. Aus diesem Grund stellt die Behandlung dieser klinischen Situation den behandelnden Arzt vor eine besondere Herausforderung.

Bisher waren bei Perforationen oder Nahtinsuffizenzen am oberen Gastrointestinaltrakt die Operation oder die Überbrückung mit einem endoskopischen gelegten Stent Mittel der Wahl. Bereits im Jahr 2006 haben Schafmayer und Schniewind den ersten Patienten mit einem neuartigen endoskopisch gelegten Vakuumverband in Form eines Polyurethanschwammes behandelt. In zahlreichen Publikationen und Vorträgen auf chirurgischen Kongressen stellten die Mediziner ihre Daten und Erfolge der Methode national und international vor. Im Jahr 2013 konnten sie zeigen, dass die endoluminale Vakuumtherapie bei Anastomoseninsuffizienzen am oberen Gastrointestinaltrakt im Vergleich zur Stenttherapie und zur Revisionsoperation auch bei septisch stark belasteten Patienten die deutlich niedrigste Sterberate hat.

Seit 2006 haben die Mediziner mit der Entwicklungsabteilung der Firma B. Braun die Weiterentwicklung eines neuartigen endoluminalen Vakuumschwamm-Verbandsystems (Eso-Sponge) vorangetrieben. Seit 2014 ist das Produkt auf dem Markt erhältlich und inzwischen über 15.000 Mal in Deutschland eingesetzt worden. Im selben Jahr wurde ein Antrag beim deutschen Institut für medizinische Dokumentation und Information auf Zulassung eines eigenen Operationen- und Prozedurenschlüssels (OPS) gestellt. 

Aufgrund der positiven Erfahrungen mit dem neuen Verfahren wurde ein neuer Kode für endoösophageale Anlage oder Wechsel eines Systems zur Vakuumtherapie (5-916.a6) als OPS im DRG-System aufgenommen. Auch auf internationalen Kongressen findet die endoluminalen Vakuumtherapie mit dem neuen System große Beachtung, wie neuste Publikationen aus den USA und Südkorea zeigen. Die Methode und das Produkt sind dieses Jahr erfolgreich in Österreich und der Schweiz eingeführt worden.

Schafmayer und Schniewind haben die Entwicklung der endoluminalen Vakuumtherapie am oberen Gastrointestinaltrakt seit mehr als zehn Jahren mitgestaltet. In der Fachliteratur ist die Methode durch eigene, aber auch durch Ergebnisse anderer Arbeitsgruppen weit verbreitet. Durch die Beiträge von Prof. Schafmayer und Prof. Schniewind konnte das Komplikationsmanagement für Perforationen und Anastomoseninsuffizienzen am oberen Gastrointestinaltrakt über die vergangenen Jahre hin zur endoluminalen Vakuumtherapie mit wesentlich niedriger Mortalität als andere Therapieverfahren maßgeblich weiterentwickelt werden.

 

Freude über die Auszeichnung (v.l.): Prof. Pohlemann (Präsident DGCH), Prof. Schniewind (Lüneburg), Prof. Schafmayer (UKSH Kiel), Prof. ans-Joachim Meyer (Generalsekrekretär DGCH). (Foto: © Peter Schmalfeldt)