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Kooperation

Quelle für Infektionen nach Herz-OPs gefunden

13.07.2017
Foto: © norman blue - Fotolia.com

Bakterielle Erreger gelangten während der Fertigung in ein Medizingerät und haben so viele Patienten infiziert / Weltweite Genanalyse unter Co-Leitung des Universitätsklinikums Freiburg

Seit 2013 wurde bei über hundert Patientinnen und Patienten in Europa, den USA und Australien nach einer offenen Herzoperation eine Erkrankung mit dem Erreger Mycobacterium chimaera festgestellt. Vielfach hat sich diese Infektion zu einer lebensbedrohlichen Infektion mit Befall der im Rahmen der Operation eingesetzten Herzklappen entwickelt. Eine solche Herzklappenentzündung durch diesen Erreger kannte man bis dahin nicht. Bereits kurz nach Bekanntwerden der ersten Infektionen fiel der Verdacht auf einen Heizkühler, der bei Operationen mit Herz-Lungen-Maschine eingesetzt wird. In Freiburg hat man aus Sicherheitsgründen diese Geräte bereits 2014 aus allen Operationssälen am Universitätsklinikum Freiburg und dem Universitäts-Herzzentrums Freiburg · Bad Krozingen entfernt. Ein internationales Wissenschaftlerteam hat nun unter maßgeblicher Beteiligung von Ärzten des Universitätsklinikums Freiburg das Erbgut von 250 Isolaten von Mycobacterium chimaera aufgeklärt und konnte nachweisen, dass fast alle der untersuchten Infektionen durch eine Kontamination der Geräte bei deren Fertigung verursacht wurden. Die Ergebnisse veröffentlichten die Freiburger Forscher gemeinsam mit internationalen Kollegen am 12. Juli 2017 in der Fachzeitschrift The Lancet Infectious Diseases.

„Durch unsere Genanalyse konnten wir die Ursache für diesen weltweiten Ausbruch herausfinden. Jetzt ist klar, welches Risiko für die Patienten bestand, und wie man diesen Infektionsweg vermeiden kann“, sagt Co-Studienleiter Prof. Dr. Dirk Wagner, Oberarzt der Abteilung Infektiologie der Klinik für Innere Medizin II des Universitätsklinikums Freiburg. Neben der Abteilung für Infektiologie waren auch das Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene sowie das Institut für Infektionsprävention und Krankenhaushygiene an der umfangreichen Studie beteiligt. Prof. Wagner hob die hervorragende Kooperation dieser drei Abteilungen hervor, die Mitglieder des Zentrums Infektionsmedizin am Universitätsklinikum sind.

Am Universitätsklinikum Freiburg war lediglich ein Patient betroffen. Er war 2011 operiert worden. Er wurde am Universitätsklinikum trotz langwieriger Behandlung geheilt. Andere Patienten mit der Infektion wurden am Universitätsklinikum nicht identifiziert. „Durch die vorsorgliche Entfernung der Heizkühler sowie durch zusätzliche neue Diagnosetests konnte die Patientensicherheit schnell wieder hergestellt werden“, sagt Prof. Wagner. „Allerdings“, warnt Prof. Wagner, „besteht ein Restrisiko, da einige der Infektionen noch sehr spät (mehrere Jahre) nach Operation zur Erkrankung führen können.“

In der jetzigen Studie untersuchten die Forscher Erreger-Erbgut von 250 Proben, die von erkrankten Patienten, aus den Wassertanks der Heizkühler unterschiedlicher Hersteller und deren Produktionsorten stammten. Die Luft der Operationssäle bei laufendem Heizkühler sowie weitere Medizingeräte, Leitungswasser und Trinkwasserspender und weitere Kontrollen wurden ebenfalls in der Analyse untersucht. „Die genetische Ähnlichkeit fast aller Patientenproben mit den Proben aus den Heizkühlern und deren Produktionsstätte ist so groß, dass letztere als Infektionsquelle extrem wahrscheinlich ist“, sagt Prof. Wagner. „Die Hersteller müssen ihre Produktion grundlegend ändern, um eine Verunreinigung der Geräte von vorneherein zu verhindern.“ 

Original-Titel der Publikation: Global outbreak of severe Mycobacterium chimaera disease after cardiac surgery: a molecular epidemiological study 
DOI: 10.1016/S1473-3099(17)30324-9


 

Foto: © norman blue - Fotolia.com