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Phytomedizin-Tagung

Traditionelles Wissen und Biopiraterie

20.07.2017
Ein Beispiel für exotische Heilmittel, die auch hierzulande vermarktet werden: die Afrikanische Teufelskralle (Harpagophytum procumbens). Foto: © steffiheufelder - fotolia.com

Natur- und Geisteswissenschaftler aus aller Welt werden vom 24. bis 28. Juli Nutzung von Heilpflanzen unter dem Aspekt der Biopiraterie diskutieren.

Bald findet in Mainz die International Conference on Science and Society zum Thema Phytomedizin und Biopiraterie statt. Die Konzeption dieses Kongresses unterscheidet sich laut den Organisatoren wesentlich von der anderer Tagungen: Es wird der Dialog zwischen Wissenschaftlern aus den Biowissenschaften und den Geisteswissenschaften angeregt, um beiden Fachrichtungen neue Impulse für Forschung und Lehre zu geben. Die Konferenz wird von Prof. Thomas Efferth, Leiter der Abteilung Pharmazeutische Biologie am Institut für Pharmazie und Biochemie – Therapeutische Lebenswissenschaften der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU), veranstaltet und findet im Hilton Hotel in Mainz statt. 

In der Pharmazie wird nicht nur viel über einheimische Heilkräuter geforscht, sondern auch über Medizinalpflanzen aus zahlreichen tropischen und subtropischen Regionen der Welt. Vielfach beruht die Kenntnis über exotische Heilkräuter auf dem Wissen indigener Gemeinschaften. Heiler und Schamanen der Eingeborenenvölker geben dieses jahrtausendealte Wissen zur Behandlung von Krankheiten mündlich von einer Generation an die nächste weiter. 

Die Pharmazeutische Biologie als eine der Hauptdisziplinen des Pharmaziestudiums beschäftigt sich u.a. mit der Erforschung von Heilpflanzen. Tatsächlich lässt sich vielfach die Wirksamkeit solcher Heilkräuter mit modernen Methoden der Pharmakologie und Molekularbiologie nachweisen. Ausländische Masterstudierende und Promovierende erhalten durch die Erforschung der Medizinalpflanzen ihrer Heimat nicht nur Studienabschlüsse an deutschen Hochschulen, sondern sie tragen damit auch zum Schutz dieser Pflanzen bei. 

Die kommerzielle Nutzung von exotischen Heilpflanzen durch Pharmafirmen hat in einigen Fällen zum unrechtmäßigen Ausschluss der indigenen Völker geführt, von welchen das Wissen über die Heilkraft spezifischer Pflanzen stammt. Dafür wurde der Begriff der Biopiraterie verwendet. „Die Vereinten Nationen haben dieses heiße Thema aufgegriffen und fordern seit vielen Jahren ein Fair Benefit Sharing mit den indigenen Völkern bei der kommerziellen Nutzung traditionellen Wissens und genetischer Ressourcen. Hierzu gibt es Regularien, die im Nagoya-Protokoll der UN-Konvention über biologische Vielfalt festgehalten sind“, erklärt Efferth, der sich seit Jahren mit diesem Thema beschäftigt und dazu auch publiziert hat.

Auf der Konferenz in Mainz werden rund 140 Natur- und Geisteswissenschaftler von führenden Universitäten aus vier Kontinenten die verschiedenen Aspekte des Fair Benefit Sharing und der missbräuchlichen Biopiraterie-Praxis diskutieren. 

 

Ein Beispiel für exotische Heilmittel, die auch hierzulande vermarktet werden: die Afrikanische Teufelskralle (Harpagophytum procumbens). Foto: © steffiheufelder - fotolia.com