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Greifswald

Debatte um Millionen-Defizit der Unimedizin

10.03.2017
Bild: © MASP- Fotolia.com

Während die Uniklinik in Rostock Gewinn abwirft, steckt die Klinik der Greifswalder Universität tief im Minus. Die Linke sieht eine Mitverantwortung der Landesregierung, da sie ihre Aufsichtspflicht nur unzureichend wahrgenommen habe. Die aber widerspricht.

Die seit Jahren prekäre Finanzlage der Greifswalder Universitätsmedizin hat am Donnerstag zu einer kontroversen Debatte im Landtag geführt. Der Linke-Abgeordnete Torsten Koplin bezifferte den bis 2019 drohenden Gesamtverlust mit 95 Millionen Euro. Er warf der Landesregierung vor, durch «massives Aufsichtsversagen» eine erhebliche Mitschuld an den bislang aufgelaufenen Verluste zu tragen. 
 
Wissenschaftsministerin Birgit Hesse (SPD) wies die Vorwürfe zurück und warnte davor, Horrorszenarien zu entwerfen. Die von Koplin prognostizierten Gesamtverluste bezeichnete sie als «Mondzahlen». Es seien inzwischen personelle und strukturelle Maßnahmen ergriffen worden, die bereits zur Konsolidierung beitrügen. Die Greifswalder Universitätsmedizin sei ein Leuchtturm der Region und ebenso wie die Uniklinik in Rostock stehe der Standort nicht zur Debatte. «An beiden Standorten wird hervorragende Arbeit geleistet. Und daran gibt es nichts zu rütteln», betonte die Ministerin. 
 
Nach Angaben von Hesse führten der Umzug in das neue Klinikgebäude und die Fusion von Uniklinik und medizinischer Fakultät in den Jahren 2010 und 2011 zu den Finanzproblemen in Greifswald. «Überforderung und mangelnde Transparenz in dieser Phase führten dazu, dass sich defizitäre Strukturen entwickelten», erklärte die Ministerin. So seien die Erlöse positiver dargestellt und in der Folge zu hohe eigene Investitionen ausgelöst worden. Zudem sei der Personalaufbau finanziell nicht gedeckt gewesen. 2014 sei die tatsächliche Situation offenkundig geworden und der Aufsichtsrat habe daraufhin ein Konsolidierungskonzept in Auftrag gegeben. Nun gehe es darum, die Vorgaben umzusetzen. «Wir richten den Blick in die Zukunft», sagte Hesse.
 
Nach Überzeugung Koplins hat die SPD/CDU-Koalition trotz frühzeitiger Signale und Hinweise zu spät reagiert und damit schwerwiegende Versäumnisse zu verantworten. «Der vollständige Verzehr des Eigenkapitals und die bisher bekannten Verluste in Höhe von 27,8 Millionen Euro gehen in politischer Hinsicht maßgeblich auf das Konto der Landesregierung», sagte Koplin. Die Defizite würden den Landeshaushalt bislang mit mehr als 31 Millionen Euro belasten, da das Land für diese Verluste einstehen müsse.
 
Die Leitung der Universitätsmedizin in Greifswald selbst sieht bereits erste Sanierungserfolge beim Abbau des Millionen-Defizits. Die eingeleiteten Konsolidierungsmaßnahmen spiegelten sich in einer verbesserten Finanzlage wider, sagte der Kaufmännische Vorstand Marie le Claire am Donnerstag. Die Liquidität habe sich verbessert und das operative Ergebnis zeige mit steigenden Patientenzahlen und mehr Drittmitteln eine positive Entwicklung.
 
Wie le Claire weiter sagte, wurden im vergangenen Jahr rund 2,4 Millionen Euro eingespart, für 2017 seien Einsparungen in Höhe von 4,5 Millionen Euro geplant. Ziel sei ein ausgeglichenes Jahresergebnis, trotz der Herausforderung kommender Tarif- und Kostensteigerungen, sagte le Claire. Für 2016 rechnet die Uni-Medizin noch mit einem Defizit. Das landeseigene Uni-Klinikum hatte 2015 ein Minus von 14,3 Millionen Euro verbucht. (dpa)
 

Bild: © MASP- Fotolia.com