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Tinnitus

Bilateraler Tinnitus ist erblich

17.03.2017
Foto: © underdogstudios - fotolia.com

Bestimmte Formen von Tinnitus sind erblich. Das konnten Forscher vom Karolinska Insitutet in Göteborg gemeinsam mit europäischen Forschern des Tinninet-Netzwerkes zeigen. Insbesondere bei Männern hängt der bilaterale Tinnitus von genetischen Faktoren ab.  

Etwa 15 Prozent aller Schweden und auch der restlichen Europäer leiden unter Tinnitus. Ein bis zwei Prozent der Bevölkerung leiden extrem unter den Symptomen und tägliche Aktivitäten, Arbeit und Schlaf sind stark beeinträchtigt. Damit hat Tinnitus negative soziale Konsequenzen für die Betroffenen und stellte eine ökonomische Belastung für die Gesellschaft dar.

Die Tinnitus-Prävalenz nimmt mit dem Alter zu. Bisher dachte man, dass sie mit einer Reihe von Umwelt-Faktoren zusammenhängt – geforscht wurde dazu bisher wenig. Aufgrund der Heterogenität der Erkrankung gibt es bisher auch wenig effektive Behandlungsmöglichkeiten.

Unter Verwendung von Daten aus dem schwedischen Zwillings-Register haben Wissenschaftler vom Karolinska Institutet Belege dafür gefunden, dass Tinnitus auch genetische Ursachen haben kann.
„Wir waren in der Lage zu zeigen, dass verschiedene Formen von Tinntus eine signifikante Erblichkeit haben und so der Einfluss der Gene über die Umweltfaktoren dominiert“, sagt Dr. Christopher R. Cederroth vom Department für Physiologie und Pharmakologie des Karolinska Institutet.

Zunächst kamen die Forscher bei der Analyse sämtlicher Formen von Tinnitus zu denselben Ergebnissen wie zur Erblichkeit von Tinnitus wie vorangegangene Publikationen. Erst als sie die Patientendaten im Hinblick auf Geschlecht und das Vorhandensein von unilateralem / bilateralem Tinnitus analysierten, deckten sie einen genetischen Zusammenhang auf.

„Dieses Ergebnis ist überraschend und unerwartet da es – anders als die konventionelle Sicht von Tinnitus als von Umweltfaktoren bestimmt – zeigt, dass es einen genetischen Einfluss bei bilateralem Tinnitus gibt, der bei Männern ausgeprägter ist“, sagt Cederroth.

Die Ergebnisse zeigen auch, dass unilateraler und bilateraler Tinnitus zwei verschiedene Untergruppen sind, von denen nur eine von genetischen Faktoren beeinflusst wird. Das hätte nicht nur erhebliche klinische Relevanz, hebt Cederroth hervor, sondern sei auch wichtig für das Gesundheitswesen: „Tinnitus-Patienten brauchen bessere Betreuung und Behandlung als sie sie bisher erhalten. Wir brauchen mehr genetische Studien und ein besseres molekulares Verständnis der Entwicklung von Tinnitus – das könnte bisher nicht vorhergesehene Wege zur Entwicklung neuer Medikamente eröffnen.“
 
Originalpublikation:
Maas IL et al. Genetic susceptibility to bilateral tinnitus in a Swedish twin cohort. Genetics in Medicine, online 9 March 2017, doi: 10.1038/GIM.2017.4
 

Foto: © underdogstudios - fotolia.com