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Larynxkarzinom

Dem Stimmverlust frühzeitig entgegenwirken

20.04.2017
Foto: © bounlow-pic - Fotolia.com

Anhand ihrer Studienergebnisse haben Leipziger Forscher einen Score entwickelt, der bei der Entscheidung helfen kann, ob bei Patienten mit Tumoren im Kehlkopf dieser erhalten werden kann oder der Kehlkopf entfernt werden muss.

Tumore im Kehlkopf können schleichend und über einen längeren Zeitraum unbemerkt wachsen, da der Tumor keine umliegenden Nervenbahnen schädigt und beim betroffenen Patienten keine Schmerzen verursacht. Ist die Diagnose Kehlkopfkrebs gefallen, stellt sich für fortgeschrittene Tumorstadien die Frage nach der vollständigen Entfernung des Kehlkopfes oder nach einer Kombination aus Bestrahlung und Chemotherapie zum Kehlkopferhalt.

Nur ein Bruchteil der Patienten mit lokal fortgeschrittenem Hypopharynxkarzinom (Schlundrachenkrebs) erreicht durch nicht chirurgischen Kehlkopferhalt ein Langzeitüberleben ohne Laryngektomie (LFS) bzw. Tumor-spezifisches Überleben (TSS) oder Gesamtüberleben (OS). Otolaryngologen der HNO-Universitätsklinik in Leipzig haben nun einen Score entwickelt, der schon nach einem Zyklus Induktions-Chemotherapie (IC-1) bei der Entscheidung helfen kann, ob die Chemotherapie LFS und TSS verbessern kann. Die Ergebnisse der Studie markieren nach Dafürhalten der Autoren einen deutlichen Fortschritt in der personalisierten Therapieentscheidung.

Zwischen 2007 und 2012 wurden 52 Patienten in die prospektive Studie der Leipziger Universitätsmedizin aufgenommen. Sie litten an einem therapienaiven fortgeschrittenen Kehlkopfkrebs oder hypopharyn­gealen Kopf-Hals-Tumor. Ein endos­kopisch nachgewiesener Rückgang des Tumors um mindestens 30 % galt als Ansprechen. Die Responder erhielten 2 weitere Zyklen Chemotherapie, gefolgt von Bestrahlung. Bei Non-Respondern wurde der Kehlkopf entfernt. Die endoskopische Untersuchung konnte bei 49 Patienten nach dem ersten Therapiezyklus durchgeführt werden. 39 Patienten wurden als Responder eingeordnet, 10 hatten nicht angesprochen. Computertomographische Untersuchungen des Tumorvolumens sowie nuklearmedizinische Untersuchungen (PET) zeigten bei den Respondern eine signifikante Besserung, nicht jedoch bei den Non-Respondern.

Anhand der Studienergebnisse entwickelten die Autoren den so genannten LFS-Score (LFS = Langzeitüberleben ohne Laryngektomie), der klinische Daten sowie Daten der Endoskopie, CT und PET-Untersuchung beinhaltet. Ein LFS-Score von 16 oder niedriger lässt darauf schließen, dass die Patienten unter Erhalt des Kehlkopfs behandelt werden können; bei einem LFS-Score über 16 wird eine Laryngektomie empfohlen, um einen Tumor-bedingten Tod zu verhindern. (am)
 

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