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Studie der Hochschule Fresenius:

Zu viel Bürokratie in Arztpraxen

08.08.2017
Foto: © cherylvb - fotolia.com

Unter dem Titel „Verwaltungsaufwand in der Arztpraxis – betriebswirtschaftliche Auswertung der ambulanten Patientenversorgung und Auswege aus der Bürokratisierung der ärztlichen Niederlassung“ führten Studierende der Hochschule Fresenius München eine Marktanalyse zum Verwaltungswesen in bayerischen Arztpraxen durch.

Zu viele Patienten, zu viel Papierkram, zu wenig Zeit. Mediziner, die aufgrund von Abrechnungen Überstunden machen müssen, sind keine Seltenheit. Laut den Ergebnissen des Ärztemonitors 2016 verbringen niedergelassene Ärzte durchschnittlich etwa acht Stunden pro Woche mit Verwaltungsaufgaben. Viele empfinden den bürokratischen Aufwand als große Belastung, manche hält es sogar davon ab, sich selbstständig zu machen. Doch woran liegt es, dass die Bürokratie anstelle der Patientenversorgung den Praxisalltag so dominiert? Sind es die Anforderungen der Kassenärztlichen Vereinigungen, oder hängt es mit der Einführung der sogenannten E-Akte zusammen? Studierende der Hochschule Fresenius in München haben sich im Rahmen ihrer Projektarbeit mit dieser Problematik und möglichen Verbesserungsvorschlägen auseinandergesetzt.

Um den bürokratischen Aufwand in den bayerischen Praxen erheben zu können, entwickelten die Studierenden einen Online-Fragebogen. Insgesamt 32 bayrische Ärzte nahmen an der Befragung teil. Die Ergebnisse zeigen: Größere Praxen verwenden häufiger die elektronische Patientenakte, der Verwaltungsaufwand wird dadurch jedoch nicht verringert. Der verwaltungstechnische Aufwand scheint sogar für jede Praxis, unabhängig von der Größe des Patientenstamms, gleich hoch zu sein.

Doch um welche bürokratischen Aufgaben handelt es sich eigentlich konkret? Aus dem Studienprojekt geht hervor, dass die Mehrheit der befragten Mediziner das größte Verbesserungspotential im Bereich Abrechnung (40,6%) sieht, welche zugleich als zeitintensivste innerbetriebliche Tätigkeit wahrgenommen wird. Ebenso sehen die Probanden Optimierungsbedarf beim Qualitätsmanagement (15,6%) und bei den Befundberichten (9,4%).

Mithilfe der Ergebnisse wurde ein Beratungstool erstellt, das Ärzte dabei unterstützt, bürokratische Arbeitsabläufe zu minimieren. „Eine Marktanalyse zum Verwaltungsaufwand ist hilfreich, um die Belastung von Ärzten zu reduzieren. Am Ende profitieren auch die Patienten durch eine verbesserte Versorgung“, so Rechtsanwalt Benjamin Ruhlmann, Dozent und Betreuer des Projektes. Als mögliche Lösung wird von den Studierenden der Einsatz eines internen oder externen Praxismanagers – auch in Einzelpraxen – vorgeschlagen, um mehr Umsatz durch mehr Zeit für die ärztliche Tätigkeit generieren zu können.

Über die Projektarbeit: Das Studienprojekt wurde von Felix Goldschmidt, Veronika Krebs, Alicia Marks, Monika Reisig und Marina Schmid durchgeführt. Genau 50% der Probanden sind als Allgemeinmediziner tätig. An zweiter Stelle platzieren sich die Zahnärzte mit 15,6%. Der Befragungszeitraum wurde vom 06. April 2017 bis zum 04. Mai 2017 angesetzt.
 

Foto: © cherylvb - fotolia.com