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Neues Projekt

Demenzkranke Patienten in Kliniken

20.04.2017
Foto: © Soonthorn - Fotolia.com

Im April dieses Jahres ist nun ein vom GKV-Spitzenverband gefördertes Projekt an den Start gegangen, das den erhöhten Bedürfnissen demenzkranker Patienten an Betreuung und Tagesstrukturierung Rechnung tragen soll.

Durch den zunehmenden Ökonomisierungsdruck und die massive Arbeitsverdichtung beim Personal bestehen im Akutkrankenhaus immer weniger Spielräume für die persönliche Zuwendung und Aktivierung von Patienten. Darunter leiden vor allem Menschen mit Demenz, wenn sie im straff organisierten Krankenhausalltag ohne Beschäftigung und Ansprache auf sich alleine gestellt sind. Nicht selten zeigen diese dann sogenanntes herausforderndes Verhalten. Das heißt, sie beschließen z.B., nach Hause zu gehen, sie rufen ständig oder sie lösen sich aus Langeweile die Verbände. Solchen Problemen wird teilweise mit Sedierungen und Fixierungen begegnet, um die Abläufe im Stationsalltag aufrecht zu erhalten. Dadurch werden nicht nur die Demenzsymptome verstärkt, sondern die Patienten auch weiteren Risiken wie Delirien oder Stürzen ausgesetzt.

Eine Lösung könnte sein, dass Akutkrankenhäuser stärker auf Konzepte zur Tagesstrukturierung und Beschäftigung zurückgreifen, die sich in der Altenpflege schon bewährt haben. Mit einem Projekt, das vom GKV-Spitzenverband gefördert wird, soll nun systematisch herausgearbeitet werden, wie die positiven Erfahrungen von Pflegeeinrichtungen mit dem Einsatz von geschulten Betreuungskräften zur Steigerung der Lebensqualität sowie zur Entlastung der Pflegekräfte für die Akutkrankenhäuser systematisch nutzbar gemacht werden können. Zudem soll eine sektorenübergreifende Kontinuität von Aktivierung, Betreuung und Beratung an der Schnittstelle von ambulanter Versorgung und Akutkrankenhaus modellhaft organisatorisch umgesetzt werden.

Im Fokus stehen diejenigen Personen, die aufgrund einer Demenz nur über eine eingeschränkte Alltagskompetenz verfügen und die sich einer Krankenhausbehandlung unterziehen müssen. Dabei werden Demenzkranke einbezogen, die bereits häusliche Betreuungen oder Betreuungsgruppen bei Pflegediensten in Anspruch nehmen. Zudem sollen auch Pflegebedürftige von dem Betreuungsangebot profitieren, bei denen die Demenz im Krankenhaus erstmals diagnostiziert wurde und die in der ambulanten Versorgung bisher noch keine Betreuungsleistungen erhalten haben. Diese sollen während des Aufenthalts betreut, aber auch nach der Entlassung in die vorhandenen ambulanten Betreuungsangebote einbezogen werden.

Das Projekt wird im Marienhaus Klinikum Saarlouis-Dillingen und in den Saarland Kliniken der Kreuznacher Diakonie in Kooperation mit dem Caritasverband Saar-Hochwald e.V. sowie dem Diakonischen Werk an der Saar umgesetzt. Eingebunden sind jeweils auch die übergeordneten Verbände der kirchlichen Träger, die u.a. den Transfer der Ergebnisse sicherstellen. Die wissenschaftliche Begleitung übernimmt das Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft (iso) e.V. Im Rahmen der wissenschaftlichen Analyse sollen zum einen die unmittelbaren Effekte des Einsatzes von Betreuungskräften auf die Patientensicherheit vergleichend untersucht und die Kostenwirksamkeit dieser Maßnahmen ermittelt werden (Wirkungsanalyse). Zum anderen werden auf der betrieblichen Ebene die Kooperation der Akteure im Feld sowie die übergeordneten (strukturellen und finanziellen) Rahmenbedingungen für den Einsatz von Betreuungskräften im Krankenhaus analysiert.
 
 

Foto: © Soonthorn - Fotolia.com