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Krebspatienten

Psychoonkologische Versorgung verbessern

02.08.2017
Freude bei der Preisübergabe (v.l.): Der Psychotherapeut Bernhard Kleining, die Vorsitzende der Helmut-Wölte-Stiftung PD Dr. Andrea Schumacher, der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Psychosoziale Onkologie (dapo) Dr. Thomas Schopperth, Prof. Dr. Susanne Singer, Psychotherapeutin Jutta Beckerle, Erika Kojima vom IMBEI der Universitätsmedizin Mainz und der Psychotherapeut Dr. Erhard Schneider. (Foto: Helmut-Wölte-Stiftung für Psychoonkologie)

Prof. Susanne Singer von der Universitätsmedizin Mainz wird für ihre innovative Idee mit dem Helmut-Wölte-Preis für Psychoonkologie 2017 ausgezeichnet.

Die ambulante psychotherapeutische Versorgung von Krebspatienten stößt an ihre zeitlichen und finanziellen Grenzen. Sagt ein Patient einen Termin beispielsweise wegen akuter Nebenwirkungen einer Chemotherapie kurzfristig ab, muss er grundsätzlich die Kosten für den Terminausfall übernehmen. Aus ethischen Gründen verzichten aber viele Psychotherapeuten auf das Ausfallhonorar. Das geht mit einem teils erheblichen Verdienstausfall einher.

Im Rahmen des Forschungsprojektes „Psychoonkologische Versorgung bei niedergelassenen Psychotherapeuten“ kam Prof. Susanne Singer von der Universitätsmedizin Mainz zusammen mit einem Team von niedergelassenen Psychotherapeuten zu dem Schluss, dass sich diese Ausfälle durch kurzfristige Terminvergaben für Krisenfälle anderer Betroffener ausgleichen lassen. Der positive Nebeneffekt dieser Lösung im Falle ihre Umsetzung: Für dringend benötigte kurzfristige psychotherapeutische Termine wären Ressourcen vorhanden. Die Helmut-Wölte-Stiftung zeichnete dieses Forschungsprojekt mit dem Helmut-Wölte-Preis für Psychoonkologie 2017 aus. Der Preis ist mit 2500 Euro dotiert.

55 von 81 im Rahmen einer Studie befragten Psychotherapeuten lehnen es ab, ein Ausfallhonorar von Krebspatienten zu verlangen, wenn diese unverschuldet einen Termin absagen mussten. „68 Prozent gaben an, dass sie in diesen Fällen den Patienten aus moralischen Gründen nicht zur Kasse bitten möchten. Sie nehmen damit finanzielle Einbußen in Kauf, die sich besonders dann bemerkbar machen, wenn viele oder sogar alle Patienten der Praxis Krebspatienten sind“, unterstreicht Singer, die im Institut für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik (IMBEI) der Universitätsmedizin Mainz den Bereich Epidemiologie und Versorgungsforschung leitet.

„Eine Lösung besteht darin, dass diese Ausfälle durch kurzfristige Terminvergaben für Krisenfälle ausgeglichen werden. Allerdings erhöht dies den organisatorischen Aufwand für die Praxen erheblich, was ebenfalls nicht vergütet wird.“ Jedoch profitierten andere Patienten, die auf kurzfristige Termine angewiesen seien, von diesem Lösungsansatz. Gerade vor dem Hintergrund der bundesweit langen Wartezeiten auf einen Therapieplatz und auf Erstgespräche stellt die kurzfristige Terminvergabe für Krisenfälle eine wichtige Handlungsoption dar.

Die Helmut-Wölte-Stiftung würdigte das Forschungsprojekt von Singer und dem Psychotherapeutenteam mit dem Helmut-Wölte-Preis für Psychoonkologie 2017. „Die Ergebnisse werden Anregungen für künftige gesundheitspolitische Entscheidungen geben, so dass langfristig gesehen, ambulante Psychotherapie für Krebsbetroffene in ausreichendem Maße zur Verfügung steht“, begründete die Stiftung ihre Entscheidung.

„Wir hoffen, dass sich auf diesem Wege weitere Therapeuten für die Versorgung von Krebspatienten gewinnen lassen. Sie sehen dadurch, welche Lösungsmöglichkeiten es für Probleme gibt, mit denen sie sich bisher möglicherweise konfrontiert sahen“, so Singer. Die Versorgungsforscherin hofft zudem, dass die Ergebnisse der Studie Entscheidungsträger veranlassen, Rahmenbedingungen zu schaffen, die eine adäquate ambulante psychotherapeutische Versorgung der Betroffenen ermöglichen.
 

Freude bei der Preisübergabe (v.l.): Der Psychotherapeut Bernhard Kleining, die Vorsitzende der Helmut-Wölte-Stiftung PD Dr. Andrea Schumacher, der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Psychosoziale Onkologie (dapo) Dr. Thomas Schopperth, Prof. Dr. Susanne Singer, Psychotherapeutin Jutta Beckerle, Erika Kojima vom IMBEI der Universitätsmedizin Mainz und der Psychotherapeut Dr. Erhard Schneider. (Foto: Helmut-Wölte-Stiftung für Psychoonkologie)