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Kraniosynostose

Früher Eingriff erhöht Chancen auf normales Leben

19.05.2017
Symbolbild: © Herrndorff - Fotolia.com

Wird die Kraniosynostose bereits im ersten Lebensjahr chirurgisch behandelt, haben die betroffenen Kinder gute Chancen auf ein normales Leben und Aussehen. Darauf haben Neurochirurgen auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie (DGNC) in Magdeburg hingewiesen.

Eine abnormale Schädelform, ein erhöhter Hirndruck mit Folgen wie Kopfschmerzen, Seh- oder Entwicklungsstörungen – das sind Zeichen für eine Kraniosynostose bei Kindern. Wenn diese Anomalien am Schädel bereits im ersten Lebensjahr chirurgisch behandelt werden, haben die Kleinen gute Chancen auf ein normales Leben und Aussehen. Auch bei anderen kraniofazialen Fehlbildungen verbessert sich die Prognose deutlich, wenn eine frühe Behandlung eintritt. Darauf haben Experten im Rahmen der 68. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie (DGNC) in Magdeburg aufmerksam gemacht.

Die Kraniosynostose ist eine vorzeitige Verknöcherung einer oder mehrerer Schädelnähte, die zu einer abnormen Schädelform führt. Kraniosynostosen können vererbt sein oder ohne bekannte Ursache zustande kommen. Bei etwa jedem 1000. bis 2000. Neugeborenen tritt die Erkrankung auf. „Je früher ein Kind zur medizinischen Beurteilung und Operation überwiesen wird, desto besser stehen die Chancen für ein hervorragendes Ergebnis“, sagte Dr. Frederick Boop, Leiter der Pädiatrischen Neurochirurgie an der Semmes-Murpehy Clinic in Memphis (USA). „Bei Operationen innerhalb der ersten Lebensmonate lassen sich durch minimalinvasive Eingriffe exzellente Ergebnisse erzielen – und das bei geringerem Blutverlust, geringeren Krankenhauskosten und geringerem Risiko.“

Weniger weit verbreitet – aber oft schwerwiegender – sind andere kraniofaziale Fehlbildungen bei Kleinkindern. Darunter fallen oft genetische Störungen, die verschiedene Skelettanomalien und Entwicklungsstörungen umfassen. „Diese Fehlbildungen führen mit größerer Wahrscheinlichkeit zu schweren Störungen des Schädel- und Gesichtswachstums“, erläuterte Boop. Zu den begleitenden Problemen zählen Störungen der Hirnentwicklung, der Sehfunktion, der Atmung sowie mit der Fehlbildung verbundene Skelettanomalien. Auch hier kann eine frühe Behandlung die Prognose deutlich verbessern. „Neue chirurgische Methoden wie beispielsweise minimal-invasive Eingriffe und die Distraktionsosteogenese – also eine Verlängerung des Kieferknochens – ermöglichen sichere und bessere Operationsergebnisse“, sagte der Neurochirurg.

Die Behandlung von kraniofazialen Fehlbildungen bei Kindern ist komplex: Dafür wird ein ganzes Team an medizinischen und Gesundheitsexperten benötigt – darunter sind Neurochirurgen, plastische Chirurgen, Kieferorthopäden, Kieferchirurgen, Genetiker, entwicklungspädiatrische Fachärzte, Sozialarbeiter und Kinderpsychologen. Bei den meisten Kindern ist eine Nachbetreuung von mehreren Jahren notwendig. Erkrankte mit schwereren kraniofazialen Fehlbildungen brauchen sogar eine lebenslange Betreuung. Betroffene Kinder können am besten in spezialisierten Gesundheitszentren versorgt werden, in denen ein interdisziplinäres Team sich sowohl kurz- als auch langfristig um ihre Bedürfnisse kümmern kann. Bei der Behandlung kommen den Experten neue Entwicklungen zu Gute: „Mit der Weiterentwicklung bildgebender Verfahren ist auch unser Wissen über die Skelettentwicklung gewachsen, und mit der Weiterentwicklung chirurgischer Technologien ist unser chirurgisches Handwerkszeug sicherer und leistungsfähiger geworden“, sagte Boop abschließend.
 

Symbolbild: © Herrndorff - Fotolia.com