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Schädel-Hirn-Trauma

Funktionsstörung des Hirnstamms löst Koma aus

15.05.2017
Foto: © pixelstore - Fotolia.com

Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass eine Kompression oder Verletzung des Hirnstamms das Koma nach einem Schädel-Hirn-Trauma auslöst. Eine rechtzeitige Operation kann dann lebensrettend sein.

Jedes Jahr erleiden in Deutschland etwa 250.000 Menschen eine schwere Hirnverletzung, die mehr als zehn Prozent von ihnen nicht überleben. „Das Schädel-Hirn-Trauma ist weltweit eine der häufigsten Todesursachen bis zum frühen Erwachsenenalter“ erklärte Prof. Raimund Firsching, Kongresspräsident der 68. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie (DGNC) und Direktor der Universitätsklinik für Neurochirurgie am Universitätsklinikum Magdeburg. Viele Patienten könnten überleben, wenn sie rechtzeitig eine Klinik erreichen würden, wo ständig ein Gerät zur Computertomographie (CT) zur Verfügung steht und Neurochirurgen eine Notoperation durchführen können.

Entscheidend ist ein schneller Transport in die Klinik. „Zwischen dem Unfall und dem CT sollten nicht mehr als eine Stunde liegen“, forderte Firsching: „Hirnblutungen können sich schnell ausdehnen und das umliegende Hirngewebe schädigen, das im Schädel dem Druck nicht ausweichen kann.“ Bei einer Hirnschwellung versuchen die Ärzte zunächst, die Hirnschwellung mit Medikamenten zu behandeln. „Führt dies nicht zum Erfolg, sollte rasch eine Kraniektomie folgen“, so Firsching.

Wie es zur Bewusstlosigkeit kommt, war lange Zeit unklar. Früher nahm die Forschung an, dass durch den Aufprall Nervenfasern zerreißen, die vom Hirnstamm zur Hirnrinde verlaufen. Die Kernspintomographie, die krankhafte Veränderungen im Gewebe darstellt, hat zu neuen Erkenntnissen geführt. „Wir vermuten, dass die Bewusstlosigkeit Folge einer Funktionsstörung im Hirnstamm ist“, berichtete Firsching, der gerade eine neue Studie dazu publiziert hat. „Bei einer acht Tage anhaltenden Bewusstlosigkeit sind hier immer Veränderungen erkennbar“, berichtete der Kongresspräsident.

Die neue Erkenntnis sei für die Behandlung des Schädel-Hirn-Traumas von großer Bedeutung. „Wir achten heute mehr darauf, ob es im Bereich des Hirnstammes zu Einengungen kommt“, sagte der Neurochirurg. „In diesem Fall entscheiden wir uns frühzeitig für eine Operation, um den Hirnstamm zu entlasten.“

Wie lange die Bewusstlosigkeit anhält, können die Mediziner im Einzelfall nicht vorhersagen. Firsching: „Es gibt keine Untersuchung, die vorhersagen könnte, ob ein Patient in den nächsten Stunden aufwacht oder im Koma verbleibt.“ Sicher ist jedoch, dass sich mit der Dauer des Komas die Überlebenschancen der Patienten verschlechtern. Auch das Alter der Patienten spielt eine Rolle. Jüngere Patienten haben laut Firsching größere Chancen, sich von einem Schädel-Hirn-Trauma mit längerer Bewusstlosigkeit zu erholen.
 

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