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Kooperation

Gründung eines Forschungs-EEG-Labors in Pakistan

12.07.2017
Übergabe der Geräte für das Forschungs-EEG-Labor in Pakistan: Prof. Stefan Debener und Maryam Saeed. (Foto: Universität Oldenburg)

Unabhängig von der Entfernung zum nächsten Facharzt die Diagnose von Epilepsie ermöglichen – dieses gemeinsame Ziel verfolgen zukünftig Forscher der Universität Oldenburg und der National University of Science and Technology in Islamabad (NUST) in Pakistan.

Zu diesem Zweck bauen die Wissenschaftler um den Oldenburger Neuropsychologen Prof. Stefan Debener das erste Forschungslabor für Elektroenzephalografie (EEG) an der School for Electrical Engineering and Computer Science in Islamabad auf.

In Oldenburg entwickelte mobile EEG-Technologie erlaubt es, menschliche Gehirnaktivität auch außerhalb des Labors aufzuzeichnen. Die Technik soll dazu beitragen, in ländlichen Gebieten die Epilepsiediagnostik zu verbessern. Geplant ist, das Forschungslabor noch in diesem Jahr in Betrieb zu nehmen, so dass 2018 erste klinische Erprobungen und weitere technische Entwicklungen beginnen können.

Persönliche Kontakte zwischen den Wissenschaftlern brachten das Kooperationsvorhaben ins Rollen. Bei einer Vortragsreise in Pakistan stellte Debener fest, „dass die Wissenschaftler dort prima ausgebildet sind, die technische und apparative Ausstattung an den Universitäten jedoch verbesserungswürdig ist“. Noch größere Unterschiede bestünden in der medizinischen Versorgung: „In Pakistan gibt es etwa einen Neurologen pro 1,4 Millionen Einwohner, in Europa sind es etwa 10 pro 100.000. Bei vielen neurologisch relevanten Erkrankungen wie der Epilepsie haben Betroffene in Pakistan kaum eine Chance auf eine angemessene medizinische Versorgung“, erzählte Debener. Vor allem in den ländlichen Gebieten sei die Situation problematisch.

Moderne Technik soll diese Situation zukünftig verbessern: Im Oldenburger Exzellenzcluster Hearing4all erforscht Debener mit seinem Team mobile, drahtlose EEG-Systeme, die wenig kosten, am Körper getragen werden können und mit günstiger Smartphone-Technologie funktionieren. Mit dem EEG lässt sich die Gehirnaktivität bei Menschen aufzeichnen – mittels Sensoren, die auf der Kopfhaut angebracht werden.

„Normalerweise leitet man das EEG über Elektrodenhauben ab. Diese zu tragen wird für Patienten jedoch schnell unangenehm. Außerdem stören die vielen Kabel“, erklärte Debener. Sein Team hat miniaturisierte Elektroden entwickelt, die man hinter das Ohr kleben kann. Damit werde die Technik zunehmend transparent, beeinträchtige den Träger und seine Umgebung im Alltag kaum. Eigentlich für die Steuerung von Hörgeräten konzipiert, lassen sich diese mobilen EEG-Systeme auch für andere Anwendungen weiterentwickeln, hofft Debener – zum Beispiel in der Epilepsiediagnostik.

Die Vision: Koppelt man mobile EEG-Systeme mit modernen Kommunikationsmethoden, könnten die Daten in abgelegenen Regionen mit geringem technischen Aufwand aufgenommen und über eine Daten-Cloud an eine entfernte Klinik zur Diagnose geschickt werden – ohne dass der Facharzt vor Ort ist. Krankenschwestern in den ländlichen Gemeinden könnten dann auf Grundlage von Ferndiagnosen Behandlungsempfehlungen umsetzen.

Damit diese Vision Realität wird, müssen noch diverse Fragen geklärt werden: Es gilt, Biosignale unter Alltagsbedingungen verlässlich aufzunehmen und Faktoren wie Temperatur und Bewegung entsprechend zu berücksichtigen – dafür müssen die Oldenburger Psychologen gemeinsam mit den Ingenieuren und Informatikern aus Islamabad die Hard- und Software der Geräte anpassen und weiterentwickeln.

Debener ist es gelungen, mehrere deutsche Firmen für das Projekt zu begeistern und umfangreiche Sachspenden beizusteuern. So konnte er kürzlich Maryam Saeed, Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der NUST, die Geräte für das Forschungs-EEG-Labor in Pakistan übergeben.
 

Übergabe der Geräte für das Forschungs-EEG-Labor in Pakistan: Prof. Stefan Debener und Maryam Saeed. (Foto: Universität Oldenburg)