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Auzeichnung

Prof. Sachsse erhält Bundesverdienstkreuz

17.04.2017
Prof. Ulrich Sachsse (Foto: Schattauer)

Prof. Ulrich Sachsse ist mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet worden. Damit wird die wissenschaftliche und gesellschaftspolitische Arbeit des Psychiaters und Psychotherapeuten auf dem Gebiet der Psychotraumatologie gewürdigt.

Was treibt Menschen dazu sich selbst zu verletzen? Was geht in ihnen vor? Welches Trauma steckt möglicherweise dahinter? Diese Fragen beschäftigen Prof. Ulrich Sachsse, der heute als Wissenschaftlicher Berater des Asklepios Fachklinikums Göttingen tätig ist, seit Beginn seiner Karriere. Er studierte Anfang der siebziger Jahre Medizin an der Georg-August-Universität Göttingen, lernte als Medizinalassistent bei Hanscarl Leuner die Psychotherapie kennen und absolvierte anschließend Weiterbildungen zum Psychoanalytiker und in Kathathym Imaginativer Psychotherapie (KIP). Seine Approbation erhielt Sachsse 1976. Die Promotion folgte 1980 zur Gruppentherapie mit der KIP. In der Facharztweiterbildung Psychiatrie und Psychotherapie kam er mit der frühen Traumaforschung in Kontakt. Sein Lehrer Ulrich Venzlaff befasste sich damals mit den psychiatrischen Folgen der nationalsozialistischen Verfolgung. Professor Ulrich Sachsse arbeitete viele Jahre am Niedersächsischen Landeskrankenhaus Göttingen (seit 2007 Asklepios Fachklinikum Göttingen) und war dort bis 2009 zunächst als Oberarzt und später als Funktionsbereichsleiter des Fachbereichs Psychotherapie und Tagesklinik tätig.

Anfang der 1990er-Jahre begann in Deutschland zunehmend die Auseinandersetzung mit dem Konzept „Trauma“. Es wuchs die Erkenntnis, dass schwere seelische Störungen oft das Resultat sexualisierter und physischer Gewalt in der Kindheit sind. Sachsse engagierte sich in der medial geführten Diskussion um Opfer und Täter und trug mit Informationen, die weder dramatisierten noch herunterspielten, zur Aufklärung bei. Aktuell setzt sich Sachsse für das neue Opferentschädigungsgesetz ein, damit weitere Trauma-Ambulanzen etabliert werden können, in denen Opfer sofort Hilfe bekommen.

Als einer der ersten hat sich Sachsse dem unverstandenen Symptom „Selbstverletzendes Verhalten“ bei traumatisierten Patientinnen mit schweren Persönlichkeitsstörungen gewidmet. Er entwickelte ein psychodynamisches Behandlungsvorgehen und etablierte eine Art „Spieltherapie“ für Erwachsene mit Traumatisierungen in der Kindheit und Jugend sowie mit schlechten Bindungs- und Beziehungserfahrungen. Diese Methode wird seit 1996 an der unter Sachsse neu gegründeten Station 9 für Frauen mit komplexen Traumafolgestörungen am Asklepios Fachklinikum Göttingen angewendet und weiterentwickelt.

Für seine fachliche Arbeit zu den sogenannten Komplexen Posttraumatischen Belastungsstörungen wurde Sachsse bereits mit dem Dr.-Margret-Egner-Preis der Universität Zürich ausgezeichnet. Mit dem Bundesverdienstorden werden in- und ausländische Bürgerinnen und Bürger für politische, wirtschaftlich-soziale und geistige Leistungen ausgezeichnet sowie darüber hinaus für alle besonderen Verdienste um die Bundesrepublik Deutschland. Für sein Engagement, seine Aufklärungsarbeit und sein gesellschaftspolitisches Wirken im Bereich der Traumapsychologie erhält Sachsse das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.
 

Prof. Ulrich Sachsse (Foto: Schattauer)