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Honorarverhandlungen

BVNF drängt auf faire Vergütung der Grundversorgung

04.08.2017
Im Vorfeld der Honorarverhandlungen von KBV und GKV-Spitzenverband fordert der BVNF einen nicht gedeckelten Honorarbereich für fach- und hausärztliche Grundleistungen. Symbolbild Verhandlungen. Foto: © FotolEdhar - fotolia.com

Die ersten Meldungen zu den Eckpunkten der im August beginnenden Honorarverhandlungen zwischen der KBV und dem GKV-Spitzenverband für 2018 verheißen nach Einschätzung des Bundesverbandes niedergelassener Fachärzte (BVNF) nichts Gutes.

Weder ein Verfahren zur Berechnung der Anpassung des Behandlungsbedarfes noch einige neue extrabudgetäre EBM-Leistungen für die Palliativmedizin* würden die Nachwuchssorgen der niedergelassenen Ärzte beseitigen, meint der BVNF.
„Die Botschaft des Neubauer-Gutachtens*, das die wirtschaftlichen Defizite der haus- und fachärztlichen Grundversorgung demaskiert, wird von der KBV komplett negiert. Der Mangel an Haus- und Fachärzten auf dem Land und in sozialen Brennpunkten der Städte ist zwar beim Wähler, aber anscheinend noch nicht bei der KBV, angekommen. Während die Kassen im Geld schwimmen, lässt sich die KBV mit billigen Brosamen abspeisen“, warnt der BVNF-Sprecher, Dr. Wolfgang Bärtl, Kollegen und Kommunalpolitiker gleichermaßen vor einer Fortführung einer „völlig am Bedarf vorbeizielenden zentralistischen Gesundheitspolitik.“

Suche nach regionalen Lösungen für Bayern
Der Bayerische Facharztverband (BFAV) will deshalb laut BNVF anlässlich des 5. Facharzttages, am 15. September in Nürnberg eigenständig mit den niedergelassenen Ärzten, den verantwortlichen Gesundheitspolitikern sowie den Bürgermeistern und Landräten nach regionalen Lösungen suchen. „Wann, wenn nicht jetzt unmittelbar vor der Bundestagswahl, gibt es eine bessere Möglichkeit, die Argumente des Neubauer-Gutachtens** zur Durchsetzung angemessener Honorare zu nutzen“, zeigt sich BFAV-Vorsitzende Dr. Ilka Enger „maßlos enttäuscht über diese Bankrotterklärung aus Berlin.“ Von dort sei für die Grundversorgung in den Regionen keine Besserung zu erwarten.

Fachärzte als „Lastesel einer Leistungverlagerung“
Nur acht Prozent der Facharztabsolventen hätten sich zum Beispiel in Sachsen für die Allgemeinmedizin entschieden. Dies sei definitiv zu wenig, um das „Dilemma einer ausreichenden Versorgung“ zu lösen. „Mag sein, dass der ein oder andere Internist noch hinzustößt“, so Engers Hoffnung, aber eine Landarztquote von maximal fünf Prozent würden diese Zahlen nicht entscheidend anheben und seien „in keinster Weise geeignet, das herkömmliche System einer flächendeckenden medizinischen Grundversorgung zu gewährleisten oder gar ein von den Hausarztverbands-Funktionären so innig gewünschtes Primärarztsystem durch Hausärzte in Deutschland etablieren zu können.“ Niedergelassene Fachärzte seien bei Bagatellerkrankungen und zunehmend auch beim Bereitschaftsdienst „in diese Bresche gesprungen und damit zum Lastesel einer sich immer weiter verschiebenden Leistungsverlagerung weg vom schwindenden hausärztlichen hin zum noch vorhandenen fachärztlichen Grundversorgungsbereich geworden.

Leistungsverhältnis aus dem Lot geraten
Ein Verhältnis der Leistungsanforderungen von etwa 50:50, wie es die historische Honorartrennung mit 52:48 Hausarzt-Facharzttopf einmal vorsah, sei durch das zwischenzeitlich verschobene Leistungsverhältnis mit 30:70 zu Lasten des fachärztlichen Versorgungsbereiches völlig aus dem Lot geraten. Diese Zahlen sollten, so Bärtl, die Bevölkerung und die Politiker aufhorchen und rasche Reformen folgen lassen, wenn Sie in den Regionen weiterhin eine funktionierende medizinische Grundversorgung haben wollen. Nur durch eine enge Kooperation und vernünftige Arbeitsteilung zwischen Haus- und Fachärzten vor Ort nach dem Motto „Jeder tut das, wofür er am meisten gebraucht wird und was er am besten kann“ werde sich die flächendeckende Versorgung erhalten lassen. Dabei gehe es nicht darum, den Hausärzten etwas wegzunehmen, so der BVNF-Sprecher. Es sollte deshalb „ein eigener geschützter extrabudgetärer Honorarbereich - ein nicht gedeckelter Topf - gebildet werden, aus dem haus- und fachärztliche Grundleistungen gleichermaßen mit festen und attraktiven Preisen vergütet werden. „Ärzte vor Ort profitieren von dem Miteinander und keiner der beteiligten Mediziner hat einen materiellen Schaden. Berufspolitische Verbandsinteressen von Funktionären sollten nicht über die Versorgung der Patienten gestellt werden“, so Enger  abschließend.


* Siehe hierzu KBV-Veröffentlichungen vom 27.07.: http://www.kbv.de/html/1150_30328.php
 http://www.kbv.de/html/1150_30329.php

** Anm. d. Red.: Das IfG-KVB-Gutachten „Analyse der Einkommenssituation der Vertragsärzte und der vertragsärztlichen Vergütung in Bayern“ (Modul 1 u. Module 2-4) ist veröffentlicht auf den Internetseiten der KV Bayerns: www.kvb.de
(Suche / Suchbegriff = IfG-KVB-Gutachten)
 

Im Vorfeld der Honorarverhandlungen von KBV und GKV-Spitzenverband fordert der BVNF einen nicht gedeckelten Honorarbereich für fach- und hausärztliche Grundleistungen. Symbolbild Verhandlungen. Foto: © FotolEdhar - fotolia.com