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AAD 2017

Sekundärprävention bei RAV

17.03.2017
Prof. Nicolas Feltgen während der AAD-Pressekonferenz. Foto: Kaulard/Biermann Medizin

Prof. Nicolas Feltgen (Göttingen) erläuterte anlässlich der AAD die interdisziplinären Aspekte der neuen S2e-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie des retinalen Arterienverschlusses (RAV).

Der RAV ist gleichsam der Herzinfarkt im Auge, doch im Gegensatz zum Herzinfarkt sind die Symptome eines RAV in der Bevölkerung nahezu unbekannt: ein plötzlicher schmerzloser, gravierender Visusverlust – es wird dunkel vor dem Auge. Auch der RAV ist vor allem eine Krankheit des älteren Menschen, meistens sind Männer zwischen 65 und 70 Jahren betroffen, aber die Anzahl der Frauen nimmt zu.

Die Quintessenz der Leitlinie, die in enger Kooperation mit führenden Neurologen und Kardiologen erarbeitet wurde, lautet, dass es derzeit gemäß Evidenzlage keine Standardtherapie gibt. Als nicht sinnvoll, so Feltgen, würden die intraarterielle Fibrinolyse und die Parazentese genannt. Als eventuell sinnvoll gelten die intravenöse Fibrinolyse, die medikamentöse IOD-Senkung, die Druckkammer oder Hämodilution. Als „Crux“ der intravenösen Lysetherapie bezeichnete Feltgen das nur kleine Zeitfenster von viereinhalb Stunden – werde diese Zeit nach einem RAV überschritten, träten bereits irreversible Netzhautschäden ein.

Dennoch ist rasches Handeln vonnöten, verdeutlichte Feltgen, gehe es doch darum, der Erblindung des zweiten Auges vorzubeugen und weitere Gefäßereignisse wie einen Schlag­anfall zu vermeiden. Hier seien RAV-Patienten vor allem in der ersten Woche nach dem RAV akut gefährdet, sodass möglichst eine stationäre Behandlung zu empfehlen sei.

Da Vieles von der Schlaganfall­behandlung abgeleitet werden könne, sollten für die weitere Abklärung Internisten oder Neurologen hinzu­gezogen werden, berichtete Feltgen. Die stationäre Versorgung sollte idealerweise in einer spezialisierten Sta­tion (z. B. stroke unit) erfolgen, die meisten RAV-Patienten aber würden bislang in Augenkliniken behandelt.

Die Visusprognose nach RAV sei schlecht, räumte Feltgen ein, aber die Patienten benötigten einen Lotsen, der sie durch das diagnostische Dickicht begleite. Daher gelte es, sich auch für diese Patienten beharrlich einzusetzen. (dk)
 
Link zur Leitlinie:
http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/045-013l_S2e_Retinale_Arteri...
 
 

Prof. Nicolas Feltgen während der AAD-Pressekonferenz. Foto: Kaulard/Biermann Medizin