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Notfallversorgung

KV fordert Dialog im Streit um die Notfallversorgung

14.03.2017
Foto: © schulzfoto - fotolia.com

Werden Patienten in Notaufnahmen künftig zu oberflächlich begutachtet? Klinikärzte in Hessen fürchten das, sobald im April eine neue Pauschale in Kraft tritt. Die Kassenärzte halten dagegen und fordern eine sachliche Debatte.

Im Streit um die Notfallversorgung von Patienten in Hessen hat die Kassenärztliche Vereinigung die Rhetorik der Kliniken kritisiert und einen Dialog gefordert. „Wir sollten miteinander reden und nicht übereinander", sagte der stellvertretende Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen, Eckhard Starke, am Montag in Frankfurt. „Wir suchen nach Lösungen." Anfang April seien Gespräche mit Hessischer Krankenhausgesellschaft und Hessischem Sozialministerium geplant.
 
In dem Konflikt geht es um neue Regelungen der Gebührenordnung, die im April in Kraft treten werden. Kliniken bekommen für die Abklärung von Notfällen je nach Uhrzeit künftig eine Pauschale von 4,74 oder 8,42 Euro. Notfallmediziner hessischer Kliniken hatten gewarnt, dass dadurch Gesundheit und Leben von Notfallpatienten in Gefahr geraten könnten. Umgerechnet blieben bei der Pauschale zwei Minuten Zeit für eine Entscheidung, ob ein Patient stationär aufgenommen werden muss oder ambulant bei einem Fach- oder Hausarzt behandeln werden kann.
 
Diese Art von Rechnung wies der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung, Frank Dastych, zurück. Es habe sich nichts an der Notfallabrechnung geändert. Die neue Pauschale werde für die Fälle gezahlt, wo nicht akut behandeln werden müsse und der Patient zum Hausarzt oder Facharzt geschickt werden könne. Häufig seien Zentralen des Ärztlichen Bereitschaftsdiensts (ÄBD) oder Praxen von Hausärzten sogar an den Krankenhäusern direkt angesiedelt. Es sei damit im Prinzip eine Pauschale fürs „Nichtstun", sagte er.
 
Dastych kritisierte die Kommunikation der Notfallmediziner als „Panikmache" und „Desinformation". „Lasst uns über das Geld und über angemessene Vergütung streiten." Er forderte, den Konflikt nicht auf dem Rücken der Patienten auszutragen und mit Ängsten zu spielen.
 
Ein Teil des Problems liege auch bei den Patienten, die oft ihr gesundheitliches Problem nicht einschätzen können und mit starken Erkältungen oder Rückenschmerzen eher ins Krankenhaus gehen anstatt den ÄBD unter 116117 anzurufen, erklärten die Kassenärzte. Patienten mit „Bagatellerkrankungen" müssten an die Niedergelassenen verwiesen werden. Insgesamt brauche man mehr Steuerung und Informationen in der ambulanten und stationären Notfallversorgung, forderten sie.
 
Ein anderes Thema am Montag waren die Nachwuchsprobleme bei niedergelassen Ärzten. Die Kassenärztliche Vereinigung hat ein Förderpaket vorgestellt, das Ärzten eine eigene Praxis schmackhaft machen soll. Es sieht etwa Ansiedlungsförderungen in Höhe von maximal 66.000 Euro oder die Erstattung von Umzugskosten in Gebiete mit einem besonderen Bedarf an haus- und fachärztlicher Versorgung vor.
 
Förderfähig sind auch Weiterbildungen und Praktika in Haus- oder Fachpraxen. Ärzte sollen durch diese Förderungen Anreize erhalten, sich in Regionen niederzulassen, in denen Versorgungslücken drohen. Insgesamt sind dafür jährlich zwei Millionen Euro vorgesehen. (dpa)
 

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