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Adaptive Pathways in der Kritik

EMA lässt offene Fragen weiter unbeantwortet

10.08.2016
Bild: © Wolfilser - Fotolia.com

Ein aktueller Bericht der EMA zum Pilotprojekt eines neuen, beschleunigten Wegs zur Zulassung von Arzneimitteln (Adpative Pathways) dokumentiert erneut Ratlosigkeit bei Nutzung von „Real World Data“, kritisiert das IQWiG.

Die europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat Anfang August einen Bericht zu Adpative Pathways veröffentlicht. Bei diesem Zulassungsverfahren sollen Arzneimittel auf schmalerer Datenbasis für eine eng begrenzte Population schneller in den Markt gebracht und weitere Daten zu Wirksamkeit, Sicherheit und Nutzen für eine breitere Anwendung erst nach der Zulassung in der Versorgung generiert werden – als sogenannte Real World Data (RWD). Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) sieht sich durch diesen Bericht in seiner Skepsis gegenüber Adaptive Pathways erneut bestätigt. Denn offenkundig haben weder Industrie noch die EMA ein Konzept, wie RWD nach der Zulassung genutzt werden können, um belastbare Aussagen zu Nutzen und Schaden machen zu können.

Wissenschaft und Verbraucherschutz kritisieren Konzept
Laut IQWiG steht das Konzept seit längerem international in der Kritik: So stellten Wissenschaftler nicht nur die Annahmen hinter dem Konzept infrage, sondern wiesen auch auf Schwierigkeiten bei der Umsetzung hin. Der Europäische Verbraucherverband BEUC siehe Risiken für Patientinnen und Patienten und beklage die mangelnde Transparenz bei der Entwicklung und Umsetzung des Konzepts. Auch das IQWiG habe sich wiederholt kritisch mit Adaptive Pathways auseinandergesetzt, zuletzt beim Herbst-Symposium im November 2015.

Detaillierte Informationen fehlen
Umso dringlicher sei der Abschlussbericht der EMA zu dem seit 2014 laufenden Pilotprojekt erwartet worden. Der jetzt erschienene Bericht liefert nach Angaben des IQWiG jedoch keine detaillierten Informationen zu den sieben ausgewählten Testdurchläufen innerhalb des Pilotprojekts, den geplanten Entwicklungsprogrammen oder den einzusetzenden Methoden.

Begründet werde diese Informationslücke mit der vertraulichen Natur der Beratungen und den Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen der beteiligten Unternehmen. Angesichts der Bedeutung des Pilotprojekts für die Arzneimittelentwicklung und der möglichen Konsequenzen derart veränderter Zulassungsverfahren für Patientinnen und Patienten ist die Geheimhaltung der Diskussionsgegenstände und -ergebnisse aber nicht akzeptabel, bemängelt das IQWiG.

Limitationen von Real World Data werden deutlich
Aber auch ohne detaillierte Informationen lasse der Bericht Rückschlüsse zu einem Kernstück von Adaptive Pathways zu, nämlich zur Nutzung von RWD nach der Zulassung. Die Limitationen von RWD, die beim IQWiG-Herbst-Symposium deutlich wurden, würden durch das Pilotprojekt der EMA bestätigt.

So formuliere die EMA hier laut IQWiG ein äußerst ernüchterndes Fazit: In der Mehrheit seien die Pläne aus der Industrie, wie RWD die Daten von randomisierten kontrollierten Studien ergänzen sollten, vage geblieben.
Insbesondere hätten die Hersteller keine ausreichend detaillierten Vorschläge unterbreitet, wie RWD das Sicherheitsprofil besser beschreibbar machen und auf welche Weise RWD nach der Zulassung Aussagen zur Wirksamkeit bestätigen oder auch nur anreichern könnten. Eine kritische Diskussion, unter anderem über Qualität, Verzerrungsmöglichkeiten und Eignung von RWD für regulatorische Zwecke oder auch für die Nutzenbewertung, habe gefehlt.

EMA formuliert keine eigenen Vorschläge
Wenn die EMA die Vorschläge der Industrie für derart dürftig hält, wäre zu erwarten gewesen, dass sie eigene Vorstellungen formuliert, wie RWD nach der Zulassung genutzt werden könnten – doch danach sucht man in ihrem Bericht vergeblich, so das IQWiG. RWD nach der Zulassung zu generieren und so zu nutzen, dass sie belastbare Aussagen zu Nutzen und Schaden ermöglichen, sei aber ein zentrales Element des Adaptive-Pathways-Konzepts. Wenn dieses noch immer fehle, wäre es höchste Zeit, innezuhalten und das ganze Konzept noch einmal zu überdenken, anstatt – wie von der EMA geplant – weitere Wirkstoffe in die Beratungen zu Adaptive Pathways einzuschließen, kritisiert das IQWiG.

 

Bild: © Wolfilser - Fotolia.com