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Umfrage:

Notfall-Nummer bei Patienten in Hessen kaum bekannt

12.04.2017
Bild: ufotopixl10, fotolia.com

Wenn Patienten rasch Hilfe suchen, begeben sie sich schnell in die Notaufnahme. Oft ist ihnen nicht bewusst, welche anderen Alternativen es gibt.

Die 110 für die Polizei und die 112 für die Feuerwehr kennt jeder - doch wie lautet eigentlich die bundesweite Nummer des ärztlichen Notdienstes? Das weiß in Hessen nicht einmal jeder Fünfzehnte, wie eine am Dienstag veröffentlichte landesweite Umfrage der Hessischen Krankenhausgesellschaft (HKG) ergab. Befragt wurden 4452 Patienten, von denen nur gut sechs Prozent die Nummer korrekt mit 116 117 benennen konnten.

Grund für die Umfrage war der deutliche Anstieg von Patienten in Notaufnahmen in den vergangenen Jahren. Von 2013 bis 2015 hatte sich die Zahl der ambulanten Fälle um 8,5 Prozent erhöht. Drei von vier Befragten, die außerhalb der Sprechstundenzeiten in die Notaufnahme kamen, erklärten, sie hatten zuvor weder den Ärztlichen Bereitschaftsdienst (ÄBD) angerufen noch eine ÄBD-Praxis aufgesucht.

«Dies zeigt deutlich, dass der ärztliche Notdienst der Kassenärztlichen Vereinigung der Bevölkerung nicht sonderlich bekannt zu sein scheint oder das Vertrauen in die Krankenhäuser höher ist», sagte Rainer Greunke, Geschäftsführender Direktor der HKG, am Dienstag in Eschborn. Weil die Bürger sich rasche und umfassende medizinische Hilfe wünschten, nehmen sie die Kompetenz der Notaufnahmen in Anspruch.

Gegen den Ansturm auf Notfallaufnahmen fordert die Gesellschaft mehr Austausch zwischen den Schnittstellen. «Wir brauchen eine massiv verstärkte Kooperation zwischen Praxen, Krankenhäusern und Rettungsdienst», sagte Greunke. Er könne sich zum Beispiel vorstellen, künftig hausärztlich geführte Praxen in Krankenhäusern einzuführen - und diesen die erste Entscheidung über die weitere Behandlung eines Patienten anzuvertrauen.

Die HKG liegt derzeit mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) in einem Streit um die Abrechnung von Notfallpatienten. «In diesem Thema sind wir angespannt», sagte Greunke. Erst im April traten neue, bundesweit geltende, Regelungen zur Gebührenordnung in Kraft.
Vergangene Woche hatten sich die Parteien mit Vertretern des Sozialministeriums getroffen. Dabei wurde unter anderem beschlossen, dass die KV eine Clearing-Stelle für unklare Abrechnungsfälle einrichten wird. Weitere Gespräche zwischen KV und HKG sind geplant, das nächste soll im Juni stattfinden.
(dpa)

 

Bild: ufotopixl10, fotolia.com