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"Science March"

Weltweit Demos für Forschung und gegen Trump geplant

21.04.2017
von Christina Horsten, dpa
Bild: © Michele Paccione - Fotolia.com

Den Klimawandel hat US-Präsident Trump einst als «Ente» bezeichnet und auch sonst scheint er kein Fan der Wissenschaft zu sein. Forscher weltweit sind besorgt und wollen an diesem Samstag zu Tausenden auf die Straße gehen - für die Wissenschaft und gegen Donald Trump.

Eine kleine Version des nun anstehenden Protests gab es schon. Hunderte Forscher demonstrierten Mitte Februar in der US-Ostküstenstadt Boston gegen US-Präsident Donald Trump und für die Anerkennung der Wissenschaft. «Steht auf für die Wissenschaft!» oder «Echte Fakten, falscher Präsident» stand auf ihren Plakaten. An diesem Samstag sollen es Tausende, vielleicht Zehntausende Demonstranten in Washington und mehr als 500 Städten auf der ganzen Welt werden. Dann findet der alljährliche «Earth Day» (Tag der Erde) zur Stärkung der Wertschätzung von Umwelt und Natur statt, der in diesem Jahr mit dem «March for Science» (Demonstration für die Wissenschaft) zum Mega-Event werden soll.

«Der «March for Science» ist der erste Schritt zu einer globalen Bewegung für die Verteidigung der essenziellen Rolle, die die Wissenschaft für unsere Gesundheit, Sicherheit, Wirtschaft und Regierungen spielt», heißt es auf der Webseite der Organisatoren.

Dahinter steht eine Gruppe Wissenschaftler, die sich nach der Wahl des offen wissenschaftskritischen US-Präsidenten Trump spontan Anfang des Jahres zusammengefunden hatte und immer weiter wuchs. Mehr als 50.000 Menschen hätten sich bislang als freiwillige Helfer angeboten, teilen die Organisatoren mit. Trump hatte den Klimawandel einst als «Ente» bezeichnet und ist dafür bekannt, dass er Wissenschaft bestenfalls ignoriert, schlimmstenfalls offen ablehnt.

Vorbild für die Demonstration ist der «Women's March on Washington», bei dem Ende Januar weltweit Millionen Menschen für Frauenrechte und gegen Trump protestierten. Auch die Hauptveranstaltung des «March for Science» wird in Washington am Weißen Haus vorbeiführen. Für Deutschland sind unter anderem für Berlin, Köln, München, Stuttgart, Hamburg und Greifswald Demonstrationen angekündigt.

Wissenschaftsfeindlichkeit sei nicht nur in den USA ein Problem, warnte die deutsche Kommission der UN-Kultur- und Wissenschaftsorganisation Unesco. «In zahlreichen Ländern ist die Wissenschaftsfreiheit in Gefahr. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werden bedroht, gegängelt und der Wert wissenschaftlicher Forschung wird grundlegend in Frage gestellt.»

Der niederländische Grünen-Europaabgeordnete Bas Eickhout fürchtet beispielsweise, dass nicht nur in den USA erneut eine Debatte darüber ausbricht, ob es den Klimawandel gibt oder nicht. «Die Klimaskeptiker wachen wieder auf in Europa», sagt er. Dabei brauche es Einigkeit in der Gesellschaft, um wirksame Politik zu machen.

Das sei gar nicht so ungefährlich, meint der renommierte belgische Klimawissenschaftler Jean Pascal van Ypersele, auch wenn er Eickhout zustimmt. Kollegen weltweit hätten auch schon Todesdrohungen erhalten, wenn sie sich aus der Deckung wagten. Er bedauert, dass es trotz wachsenden Wissens über den Klimawandel in Europa schwieriger werde, Gelder für Grundlagenforschung zu bekommen. Es gebe einen Trend zu verwertbarer Forschung, die Jobs schaffe oder bei der Entwicklung neuer Produkte helfe.

Natürlich seien auch Nicht-Wissenschaftler zu dem Protest eingeladen, sagen die Veranstalter. Eine Kleiderordnung gebe es nicht. «Seid kreativ! Zieht euch an wie euer Lieblingswissenschaftler. Wenn ihr Wissenschaftler seid, kommt in euren Arbeitsklamotten - Laborkittel, Schutzbrille, Stethoskop. Oder zieht euch euer gemütliches «Ich bin bereit, politisch aktiv zu sein, und eine Botschaft über den Bedarf an Wissenschaft in politischen Richtlinien zu senden»-Outfit an.»

Aber nicht alle Wissenschaftler unterstützen den Protest. Einige sehen die Motive dahinter als zu liberal, zu politisch links und Anti-Trump an und warnen vor einer Politisierung der Wissenschaft.
Viele haben auch Sorge, dass, wenn sie sich zu offen äußern, ihre Forschungsfreiheit und Finanzierung eingeschränkt werden könnte. «Ich gehe nicht zur Demonstration, weil die Menschen in Amerika Wissenschaft als extrem links ansehen», sagte etwa Nathan Gardner, Protein-Forscher an der University of Chicago, dem Fachmagazin «Nature». «Ich denke, es könnte Wissenschaft leicht politisieren, denn auch wenn die offizielle Begründung der Motivation der Demo nicht Anti-Trump ist, scheinen die Demonstranten Anti-Trump zu sein.»

Die Organisatoren dagegen sehen keine Alternative zum Demonstrieren. «Angesichts eines alarmierenden Trends in Richtung der Diskriminierung von wissenschaftlichen Konsensmeinungen und der Einschränkung von Forschung, müssen wir fragen: Können wir es uns leisten, die Wissenschaft nicht offen zu verteidigen?»

Der «March for Science» soll erst der Anfang sein. «Wir haben nicht vor, das nach dem 22. April aufzuhören», sagte Wissenschaftlerin Caroline Weinberg, die dem Organisationskomitee der Proteste angehört, der «New York Times». «Für mich wäre es ein Versagen, wenn diese Bewegung und all die Leidenschaft nach dem 22. April verpufft.» (dpa)

 

Bild: © Michele Paccione - Fotolia.com