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Passivrauch

Geringe Exposition, große Wirkung

17.05.2017
Amish bei der Messung der Lungenfunktion. (Quelle: University of Maryland School of Medicine)

Neue Forschungsergebnisse von der University of Maryland School of Medicine (UM SOM) zeigen, dass sich Passivrauch tendenziell unterschiedlich auf Männer und Frauen auswirkt.

Die Studie wurde in einer Amish-Gemeinde in Pennsylvania durchgeführt, wo Frauen praktisch gar nicht rauchen. Die Wissenschaftler stellten fest, dass Frauen die Passivrauch ausgesetzt sind, ein höheres Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen haben, während Männer mit derselben Exposition in der Tendenz einen höheren Body-Mass-Index aufweisen.  

Wie die Autoren erklären, waren Forschungsergebnisse zu den Auswirkungen von Passivrauch und Zigarettenrauch im Allgemeinen eher schwer zu interpretieren; dies liege, so die Wissenschaftler weiter, an den Variablen in Bezug auf den sozioökonomischen Status und den Bildungsstand der jeweils Untersuchten.

Um diese Variable auszuschließen, untersuchten die Forscher eine Altamish-Gemeinde in  Lancaster County, Pennsylvania. Im Rahmen des Amish Research Program an der UM SOM werden dort seit 1995 Forschungsarbeiten durchgeführt.

"Die Lebensweise der Amish macht sie zu perfekten Teilnehmern für eine solche Studie“, erklärt Hauptautor Dr. Robert M. Reed. „Ihre Art zu leben ähnelt der ihrer Vorfahren vor vielen Generationen sehr. Sie sind körperlich sehr aktiv und fahren nicht Auto. Außerdem ähnelt sich die Lebensweise der einzelnen Amish-Familien sehr viel mehr, als dies bei Populationen der Fall ist, die nicht Amish sind.“

Eine weitere Besonderheit der Amish ist, dass die hauptsächlich konsumierten Tabakprodukte Zigarren und Pfeifen sind. Reed sagt, dass diese Tabakprodukte einen schädlicheren Passivrauch hervorbringen als Zigaretten. In der Gruppe der Amish insgesamt wird eher wenig geraucht; 34 Prozent der an der Studie teilnehmenden Männer gaben an, zu rauchen oder einmal geraucht zu haben – und nur ganze zwei Frauen.

Die Forscher wendeten ein neues Verfahren an, um die Exposition gegenüber Passivrauch zu ermitteln. „Wir fragen die Teilnehmer zunächst nach ihren eigenen, persönlichen Rauchgewohnheiten. Weil wir genau wissen, wie alle Amish untereinander verwandt sind, konnten wir dann anhand des Familienstammbaums extrapolieren, wer Passivrauch ausgesetzt gewesen sein musste“, erklärt Reed. Auf diese Weise lässt sich ein Erinnerungs-Bias vermeiden.

Reeds Arbeitsgruppe untersuchte Querschnittsdaten von 3568 Amish, die zwischen 2001 und 2015 an drei Befragungen zur kardiovaskulären Gesundheit teilgenommen hatten. Zu den gesammelten Daten gehörten auch Informationen zum eigenen Tabakkonsum und dem Kontakt mit Passivrauch von Familienangehörigen. Zudem nahmen die Forscher Blutproben, führten Lungenfunktionsmessungen durch und prüften den Zustand der Gefäße.

Der Konsum von Tabak – ausschließlich auf Männer beschränkt – war mit einer geringeren Lungenfunktion, einem höheren Body-Mass-Index, weniger HDL-Cholesterin, einer höheren Herzfrequenz und einer schlechteren vaskulären Zustand assoziiert.

Der Einfluss von Passivrauch war bei Personen mit mehr rauchenden Familienangehörigen größer. Dabei stand Passivrauch bei Männern mit einem höheren Body-Mass-Index und einem höheren Nüchternblutzuckerspiegel in Zusammenhang – was auf ein Diabetesrisiko hindeutet – nicht aber bei Frauen. Eine Senkung des HDL-Cholesterin-Spiegels wurde nur bei Frauen beobachtet, die Passivrauch ausgesetzt waren. Ebenso war Passivrauch ausschließlich bei Männern mit einer geringeren Herzfrequenz assoziiert.

„Die Studie bestätigt, dass selbst eine geringe Menge Passivrauch schädlich ist; sie untermauert somit vorangegangene Ergebnisse und ergänzt sie“, erklärt Reed. Er fügt hinzu, dass sich aus den Resultaten die Möglichkeit ableiten lasse, dass Mechanismen, die im Zusammenhang mit Passivrauch weniger klar etabliert, aber für das aktive Rauchen anerkannt sind, eine signifikante Rolle spielen. Reed spielt damit auf den HDL-Cholesterin-Spiegel und den Body-Mass-Index an. 

 

 

Amish bei der Messung der Lungenfunktion. (Quelle: University of Maryland School of Medicine)