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ERS 2017: Leben mit Asthma

Stadtkinder profitieren von nahen Grünflächen

11.09.2017
Foto: © Tatyana Gladskih - fotolia.com

Kinder, die an Asthma leiden und in der Stadt leben, weisen offenbar an weniger Tagen entsprechende Symptome auf, wenn sie in der Nähe von Parks und Grünflächen wohnen.

Das berichteten Wissenschaftler auf dem internationalen Kongress der European Respiratory Society (ERS) in Mailand. Die Forscher hatten sich Stadtkinder mit persistierendem Asthma angesehen und dabei die Anzahl der Tage mit Symptomen über einen Zeitraum von 2 Wochen im Zusammenhang mit der Entfernung der Wohnung vom nächsten Park besonders in den Mittelpunkt gestellt.

Die Ergebnisse der gerade vorgestellten Arbeit lassen den Schluss zu, dass ein Wohnort in der Nähe einer großen Grünfläche für Kinder mit Asthma von Nutzen sein kann. Dies, so die Studienautoren, treffe vor allem auf ältere Kinder zu, die mit höherer Wahrscheinlichkeit eigenständig zum Spielen in den Park gehen.

Die Studie wurde auf dem ERS-Kongress von Kelli DePriest, einer auf die öffentliche Gesundheit spezialisierten Krankenschwester, vorgestellt. Geleitet wurde die Forschungsarbeit von Dr. Arlene Butz und Kollegen an der Johns Hopkins University School of Nursing and Medicine und der University of Maryland School of Medicine in Baltimore.

DePriest erklärte: "Das Leben in der Stadt erhöht das Risiko, in der Kindheit an Asthma zu erkranken; ebenso weiß man, dass Faktoren, die mit einem Leben in der Stadt assoziiert sind – wie Luftverschmutzung – zu hohen Raten eines schlecht kontrollierten Asthmas beitragen.”

„Ältere Forschungsergebnisse haben darauf schließen lassen, dass Kinder mit Asthma von sportlicher Betätigung profitieren können. Wenn Grünflächen vorhanden sind, fördert das die körperliche Aktivität und hilft außerdem, die Luftverschmutzung zu senken.“

Die Wissenschaftler untersuchten, ob ein so simpler Faktor wie in der Nähe eines Parks zu leben Kinder, die an einem schlecht kontrollierten Asthma leiden, helfen kann. Die Studie wurde wurde in Baltimore durchgeführt – einer Stadt mit rund 620.000 Einwohnern und einem Luftverschmutzungsgrad, der dem in New York City und Los Angeles ähnlich ist, aber etwas unter dem von London und Mailand liegt.

Man befragte die Eltern von 196 Kindern im Alter zwischen 3 und 12 Jahren; alle diese Kinder hatten im Vorjahr mindestens 2-mal die eine Notaufnahme aufgesucht oder waren wegen ihres Asthma sogar stationär behandelt worden.

“Bei dieser Gruppe von Kindern handelt es sich vor allem um bei Medicaid versicherte Afro-Amerikaner, deren Familien einen niedrigen sozioökonomischen Status haben; dies wiederum bedeutet, dass sie eine Bevölkerungsgruppe mit hohem Risiko für Asthma-assoziierte Mortalität darstellen“, erklärte DePriest.

Die Studien fragten die Eltern, an wievielen Tagen innerhalb des Untersuchungszeitraumes ihr Kind an Symptomen wie Dyspnoe, Thoraxschmerzen und Wheezing gelitten hatte. Gleichzeitig ermittelten die Wissenschaftler, wie groß die Entfernung zwischen dem Wohnort der Kinder und dem nächstgelegenen Park war.

Sie stellten fest, dass die Kinder im Durchschnitt nur 250 m vom nächsten Park entfernt wohnten; während sich die Grünfläche bei den einen aber unmittel neben der Wohnung befand, lag sie bei anderen mehr als einen Kilometer entfernt.

Die Untersuchung zeigte, dass Kinder mit jeder Einheit von 305 m mehr Entfernung zwischen dem nächstgelegen Park und ihrer Wohnung einen Tag mehr an Asthmasymptomen litten. So wies beispielsweise ein Kind, dass in unmittelbarer Nähe zu einer großen Grünfläche lebte, im Mittel 5 Symptomtage auf und eines, das 305 m entfernt wohnte, 6 Symptomtage. Bei den älteren Kindern wurden bei jenen, die an einem Park wohnten, im Durchschnitt 5 Tage mit Symptomen verzeichnet, während es bei solchen, bei denen die nächste Grünfläche 152 m entfernt lag, 6 Symptomtage waren.

“Der Effekt scheint bei Kindern im Alter von 6 Jahren oder älter am stärksten zu sein“, berichtete DePriest says. „Dies könnte daran liegen, dass sie im Vergleich zu jüngeren Kindern freier darüber entscheiden können, wohin sie zum Spielen gehen.“

„Die Ergebnisse sind wichtig, weil sie die Vorteile weiter untermauern, die Parks in Städten bieten. Sie lassen außerdem darauf schließen, dass die richtigen Planungsmaßnahmen die Gesundheit von Kindern verbessern. Sie tragen außerdem zu einer eher ganzheitlichen Auffassung der Ärzte von ihren Patienten bei, indem sie klarmachen, dass Zugang zu Grünflächen und Parks die Gesundheit beeinflussen kann.“

Die ERS und die European Lung Foundation starten gerade ihre jährliche Kampagne “Healthy Lungs for Life” mit einer Reihe von Veranstaltungen sowohl für Mediziner als auch für die Öffentlichkeit; der Fokus dabei liegt auf Luftverschmutzung, Kontakt mit Luftschadstoffen am Arbeitsplatz und Nikotin-Stopp.

DePriest möchte in Zukunft ihre neben Parks auch noch andere Formen von Grünflächen im Zusammenhang mit Asthma untersuchen, wie Hinterhöfe und Gärten.
 

 

Foto: © Tatyana Gladskih - fotolia.com