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„E-Health-Hype“

FÄ gegen zentrale Medizindatenspeicherung

19.05.2017
Konzeptbild Datencloud
Gesundheitsdaten in der Cloud: Wer hat Zugriff? Grafik: sdecoret - Fotolia.com

Das E-Health-Gesetz will es so: Ab 01.07.2017 sollen alle Arztpraxen zwecks sogenanntem Versichertenstammdatenmanagement an die ­zentrale Telematikinfrastruktur angeschlossen werden. Die Freie Ärzteschaft (FÄ) sieht die Medizindaten der Bevölkerung in Gefahr.

Dr. Silke Lüder, Vizevorsitzende der Freien Ärzteschaft (FÄ), erklärte in Hamburg: „Damit werden die Praxen in Außenstellen der Krankenkassen verwandelt.“ Aber nicht nur das: „Bisherige Tests von Anwendungen der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) sind weitgehend gescheitert – durch den Zwangsanschluss gefährdet man die Medizindaten der ganzen Bevölkerung. Dafür tragen die Macher des E-Health-Gesetzes die Verantwortung.“

Die Regierung handele entgegen den Rechtsverordnungen, die ausführliche Tests für alle eGK-Funktionen in zwei Testregionen sowie eine ­wissenschaftliche Evaluation vor der Anwendung im realen Praxisbetrieb verlangten. Lüder: „Obwohl diese Voraussetzungen nicht erfüllt wurden, sollen die Online-Anwendungen der eGK gegen den Willen der Praxisärzte jetzt gestartet werden. Man möchte einfach nicht zugeben, dass das ganze Projekt ein Flop ist.“

Wie sicher ist die Cloud?

Die jüngsten Cyberangriffe unter anderem auf britische Krankenhäuser zeigten zudem sehr deutlich die Verletzlichkeit des Gesundheitswesens, warnt die FÄ.. "Beim Datenschutz geht es letztlich gar nicht um den abstrakten Schutz von Daten, sondern um den Schutz von Menschen", betont Lüder. Auch in Deutschland nähmen die Angriffe auf Kliniken und Arztpraxen zu, wenngleich nicht alle Fälle mediale Aufmerksamkeit bekämen. Trotzdem werde der E-Health-Hype täglich größer. Die FÄ-Vizevorsitzende macht klar: "Medizindaten sind auf der ganzen Welt ein wachsendes Geschäftsfeld. Politik, Gesundheitsindustrie und IT-Konzerne freuen sich auf satte Gewinne."

Das Großprojekt eGK soll nach Ansicht der Freien Ärzteschaft das Kernstück für eine zentrale Speicherung aller Krankheitsdaten werden. Die Elektronische Patientenakte, so kürzlich Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU), sei die „Königsanwendung“. „Bei der aktuellen Entwicklung kann man sicher sein, dass die E-Akten künftig in der Cloud gespeichert werden“, sagt Lüder. Jeder neue Cyberangriff oder Datenschutzskandal bestätige die Forderung von Datenschützern und Ärzten nach einer dezentralen und modernen Punkt-zu-Punkt-Kommunikation in der Medizin unter höchsten Datenschutzstandards. „Nur so bleiben ärztliche Schweigepflicht und informationelle Selbstbestimmung der Bürger erhalten.“

(Freie Ärzteschaft / ms)
 

Gesundheitsdaten in der Cloud: Wer hat Zugriff? Grafik: sdecoret - Fotolia.com