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Zu viel Zwang, Finanzierung unklar

Kritik am Masterplan Medizinstudium

03.04.2017
Montgomery
Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery: „Reform des Medizinstudiums jetzt angehen, offene Finanzierungsfragen klären“. Foto: Bundesärztekammer

Der kürzlich beschlossene „Masterplan Medizinstudium 2020“ stößt bei wissenschaftlichen Fachgesellschaften und Ärzteverbänden auf ein geteiltes Echo zwischen grundsätzlicher Zustimmung mit Kritik bis zu überwiegender Enttäuschung. 

Dabei wird im Allgemeinen begrüßt, dass es jetzt endlich zu einer Einigung gekommen ist, auch werden Punkte wie die Stärkung der kommunikativen und wissenschaftlichen Kompetenz befürwortet. Kritiker bemängeln jedoch die Vorherrschaft der Versorgungspolitik in dem Konzept, sehen zu viel Lenkung und stoßen sich vor allem an der „Landarztquote“, die den Ländern ermöglicht werden soll. Zudem fehle ein Finanzierungskonzept, und mehr Studienplätze seinen ebenfalls zunächst nicht vorgesehen.

„Konstruktiver Dialog wieder möglich“

Bundesärztekammerpräsident Prof. Frank Ulrich Montgomery betonte: „Wer den Ärztemangel bekämpfen will, muss bereits im Medizinstudium ansetzen. Deshalb ist es gut, dass die Reform des Medizinstudiums mit der heutigen Einigung endlich in Angriff genommen werden kann.“ „Damit wird wieder ein konstruktiver Dialog mit den medizinischen Fächern und Fakultäten möglich, der seit über einem Jahr unterbrochen war“ kommentierte der Präsident der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), Prof. Rolf Kreienberg.

Die AWMF befürwortet, dass Curricula zur Allgemeinmedizin, zu Kommunikation und wissenschaftlichem Arbeiten eingerichtet werden sollen und dass sich die Ausbildung an den Bedürfnissen der Patienten orientieren soll. „Der sichere Umgang mit wissenschaftlichen Konzepten und Methoden wird im Zeitalter des Internets einen größeren Beitrag zur guten ärztlichen Versorgung im ländlichen Raum leisten als die umstrittene Landarztquote, die in anderen Ländern schon gescheitert ist“, meint Prof. Rolf-Detlef Treede, Vizepräsident der AWMF.

Versorgungspolitik mit Zwang und Lenkung

Dass die ärztliche Ausbildung stärker an Kompetenzen ausgerichtet werden soll und Studierende frühzeitig mit der Patientenversorgung in Kontakt kommen, findet auch Victor Banas gut. Der Vorsitzende des Sprecherrats der Medizinstudierenden im Marburger Bund stört sich aber am Wie; „insbesondere die Einführung zusätzlicher Obligatorien im Studium und die Quartalisierung des Praktischen Jahrs“ stoßen auf seinen Widerstand. Für Banas liegt sogar ein „gefährlicher Paradigmenwechsel“ vor insofern, als „einseitige versorgungspolitische Erwägungen und Mutmaßungen zu strukturellen Änderungen im Medizinstudium führen sollen“. Inhalte des Medizinstudiums müssten aus sich heraus begründet sein, so Banas, und nicht deshalb, „weil das althergebrachte Modell des Landarztes immer weniger Attraktivität entfaltet“.

In diese Richtung geht auch die Kritik des Hartmannbundes: Der Masterplan setze mit der optionalen Landarztquote, einem zusätzlichen ambulanten Pflichtabschnitt im Praktischen Jahr und einer zu einseitigen Fokussierung auf das Fach Allgemeinmedizin zu sehr auf Zwang und Lenkung statt auf Motivation und Freiheit. „Dahinter verblassen leider einige durchaus positive Ansätze, wie wir sie zum Beispiel in einer Veränderung der Zulassungsbedingungen zum Studium oder in der Stärkung der Wissenschaftlichkeit sehen“, sagte Moritz Völker, Vorsitzender des Ausschusses der Medizinstudierenden im Hartmannbund. Statt noch mehr innovativen Konzepten eine Chance zu geben und das Medizinstudium zukunftsfähig zu gestalten, habe sich die Politik mit ihrer Konzentration auf versorgungspolitische Aspekte in der Masterplan-Debatte verkrampft. „Der Masterplan wird so in der Summe nicht zu den gewünschten Erfolgen führen“, zeigte sich Völker ernüchtert. Wirkliche Reformen bräuchten mehr Mut.

Masterplan unter Finanzierungsvorbehalt

Kritisiert wird von Bundesärztekammer und Hartmannbund, dass der Masterplan unter Haushaltsvorbehalt gestellt wurde. „Dadurch fehlen klare Vorgaben für wichtige Bereiche. Eine Entscheidung über die dringend erforderliche Erhöhung der Studienplatzkapazitäten haben die Verhandlungspartner auf unbestimmte Zeit vertagt. Bei der bundesweiten Etablierung von Lehrstühlen für Allgemeinmedizin bleibt der Masterplan vage und sieht lediglich eine Soll-Bestimmung vor. Bloße Absichtserklärungen bringen uns jedoch nicht weiter. Hier muss dringend nachgeschärft werden“, fordert Ärztepräsident Montgomery. Auch für Marburger-Bund-Vertreter Banas fehlt der „Ausbau der Studienplatzkapazitäten „um mindestens zehn Prozent“.

"Allen Beteiligten sollte klar sein: Wer die Ausbildung der Mediziner ändert, muss etwa 15 Jahre warten, bis die Ergebnisse in der Patientenversorgung ankommen", erinnert Montgomery. "Wir dürfen keine Zeit mehr vergeuden.“
 
(ms)
 

Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery: „Reform des Medizinstudiums jetzt angehen, offene Finanzierungsfragen klären“. Foto: Bundesärztekammer