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SpiFa-Abschlussversammlung

Rundumschlag zum Jahresende

30.11.2016
Heinrich
Dirk Heinrich, Vorstandsvorsitzender des SpiFa. Foto: SpiFa / © Andreas Schoelzel

GOÄ, Telemedizin, Antikorruptionsgesetz und Forderungen für eine sinnvolle Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung – das waren die Top-Themen der Jahresabschlusstagung des Spitzenverbandes Fachärzte Deutschlands (SpiFa) vom 25. bis 26.11.2016 in Berlin.

Im Vorfeld der SpiFa-Mitgliederversammlung kamen 60 Vertreter von Mitgliedsverbänden des SpiFa und weiteren fachärztlichen Berufsverbänden zu einem Informationsaustausch über den aktuellen Stand der Verhandlungen um die Novellierung der GOÄ zusammen. Dr. Dirk Heinrich, Vorstandsvorsitzender des SpiFa, betonte, dass man nicht locker lassen werde, die Umsetzung der Beschlüsse des Deutschen Ärztetages aufmerksam zu verfolgen – wenn notwendig, auch mit dem nötigen Druck. Für die Bundesärztekammer informierte GOÄ-Verhandlungsführer Dr. Klaus Reinhardt zum aktuellen Verhandlungsstand. Er unterstrich ausdrücklich die Notwendigkeit der fachärztlichen Expertise für eine exakte Beschreibung ärztlichen Handelns, die der erneuerten GOÄ zugrunde liegen müsse. Ebenso versprach er die von jeher geforderte Transparenz und dass künftig nur mit der Ärzteschaft konsentierte Absprachen überhaupt Gegenstand von Verhandlungen sein werden. Bis zum Ärztetag im Mai 2017 soll eine durch die Ärzteschaft erarbeitete GOÄneu-Version 1.0 vorliegen.
 
Die daran anschließende Mitgliederversammlung des SpiFa stellte sich einstimmig hinter die Stellungnahme ihres zuständigen Ausschusses bezüglich. des Eckpunktepapiers des Bundesgesundheitsministeriums zur Novellierung des Psychotherapeutengesetzes.

Des Weiteren erhält das Bündnis Junge Ärzte einen dauerhaften Gaststatus in der Mitgliederversammlung. Heinrich: „Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit und stellen damit sicher, dass wir die Belange und Ansichten der Generation der 25- bis 40-jährigen Kollegen angemessen berücksichtigen, die die Garanten der Gesundheitsversorgung von morgen sind.“

Neue Arbeitsgemeinschaft „Telemedizin“

Die Bedeutung des Themas „Auswirkungen von technologischen Entwicklungen auf Ärzte und Patienten“ beschäftigte sowohl die Mitgliederversammlung als auch die Klausurtagung. Ein Experte der Kanzlei Dierks & Bohle Rechtsanwälte Partnerschaft mbH erläuterte ausführlich die Chancen und Risiken. Die Mitgliederversammlung unterstrich mit der Gründung der Arbeitsgemeinschaft „Telemedizin“ die Notwendigkeit, diesem zukunftsweisenden Thema das nötige Gewicht einzuräumen. Diese AG wird sich insbesondere mit den Rahmenbedingungen in den (Muster-)Weiterbildungsordnungen, mit E-Health und Datenschutz sowie der Abbildung in den Vergütungssystemen beschäftigen.

Zuletzt hat der SpiFa als telemedizinisches Angebot, auch für seine Mitgliedsverbände, das Konzept der „Facharztkonsile“ vorgestellt und angekündigt, im ersten Quartal 2017 für erste Fachgruppen und Indikationsbereiche Vertragsmodelle zu entwerfen (wir berichteten).
 
Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung

Konkrete Entwicklungsansätze zur Verbesserung der bestehenden Gesundheitsversorgung in Deutschland hat der SpiFa aus seiner Sicht bereits in seiner Agenda "Facharzt 2020" formuliert. Er fordert ein qualifiziertes Nebeneinander von Kollektivvertrag und einer selektivvertraglichen Säule in einem starken Selbstverwaltungssystem, um die Herausforderungen, die sich aus der Demografie und Morbiditätsentwicklung ergeben, zu meistern und die flächendeckende Gesundheitsversorgung zu erhalten. Voraussetzung dafür sei unter anderem ein schneller Innovationszugang für die Patienten.

Diese Zielrichtung unterstrich auch Franz Knieps, Vorstandsvorsitzender des BKK-Dachverbandes, in seinem Vortrag mit dem Titel „Wie entwickelt sich die Landschaft in der Gesundheitspolitik?“ sehr deutlich. Seine To-Do-Liste für eine sinnvolle Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung umfasst:
  • Verbesserungen in der Bedarfsplanung
  • Ökonomisierung von Versorgungsabläufen anstatt Steuerung durch Abrechnungssystematiken
  • Reduzierung von Ressourcenverschwendung an den Schnittstellen
  • verbesserter Innovationszugang.
Es sei klar geworden, wie notwendig es sei, ein strukturiertes und geordnetes Selektivvertragswesen auch für die deutsche Fachärzteschaft zu etablieren, heißt es weiter vonseiten des SpiFa.

SpiFa kündigt Befragung zum Antikorruptionsgesetz an

Ein bedeutendes Thema der Klausurtagung waren die Probleme, die rund um die Einführung des Antikorruptionsgesetzes entstanden sind. Die Ärzteschaft sei massiv verunsichert, Kooperationsvereinbarungen seien flächendeckend gekündigt worden, klagt der SpiFa. Den Fragen der Fachärzte stellte sich der Leiter des Kommissariats LKA 346 „Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen“ und erläuterte die neuen Straftatbestände und ihre Auswirkungen.

Der SpiFa kündigt an, in Kürze eine Online-Befragung zum Antikorruptionsgesetz im Gesundheitswesen zu veröffentlichen. Themen sind die Kooperationsformen unter Fachärzten und mit Dritten, die Bemessung einer angemessenen Vergütung im Rahmen von Kooperationsverträgen und die Auswirkungen der Gesetzgebung. Der Verband ruft alle interessierten Fachärzte aus Klinik und Praxis in Deutschland auf, teilzunehmen. Die Befragung werde anonym durchgeführt und richte sich an ärztlich tätige Fachärzte in Klinik und Praxis.

(SpiFa/ms)
 

Dirk Heinrich, Vorstandsvorsitzender des SpiFa. Foto: SpiFa / © Andreas Schoelzel

     

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