Fisch ist nicht gleich Fisch: Allergiker müssen nicht zwingend verzichten

Bis­her soll­ten Fisch-All­er­gi­ker die­se kom­plett ver­mei­den. Doch nun hat ein inter­na­tio­na­les For­scher­team nach­ge­wie­sen, dass Fisch­all­er­gi­ker nicht zwangs­läu­fig auf den Genuss die­ser gesun­den Kost ver­zich­ten müs­sen.

An der Stu­die betei­ligt waren Dr. Annet­te Kühn und Prof. Mar­kus Ollert vom Luxem­bourg Insti­tu­te of Health (LIH) und Dr. Mar­tin Søren­sen von der Uni­kli­nik Nord Nor­we­gen in Trom­sø.

Wir konn­ten in unse­rer Stu­die zei­gen, dass etwa jeder drit­te Betrof­fe­ne auf ein­zel­ne Fisch­ar­ten nicht all­er­gisch reagiert, so Dr. Kühn vom Depart­ment of Infec­tion and Immu­ni­ty am LIH. „Zudem ist es uns gelun­gen, bestimm­te Mar­ker zu iden­ti­fi­zie­ren, anhand derer man Per­so­nen mit einer All­er­gie gegen ein oder meh­re­re Fisch­ar­ten unter­schei­den kann.“ „Dies ist wich­tig, um unnö­ti­ge Ernäh­rungs­ein­schrän­kun­gen zu ver­mei­den, vor allem bei all­er­gi­schen Kin­dern, die sehr oft meh­re­re Lebens­mit­tel­all­er­gi­en haben“, fügt Dr. Søren­sen hin­zu.

Das Wis­sen­schaft­ler­team hat sei­ne Ergeb­nis­se jetzt in der Okto­ber­aus­ga­be des welt­weit bedeu­tends­ten wis­sen­schaft­li­chen Fach­jour­nals für All­er­gie­er­kran­kun­gen, dem „Jour­nal of All­er­gy and Cli­ni­cal Immu­no­lo­gy“, ver­öf­fent­licht. „Die in Luxem­burg durch­ge­führ­te For­schung ist sehr wert­voll. Ohne die Kom­pe­tenz des LIH in mole­ku­la­rer All­er­go­lo­gie wäre es nicht mög­lich gewe­sen die Stu­die durch­zu­füh­ren“, betont Dr. Søren­sen.

Fisch ist ein wich­ti­ger Lie­fe­rant leicht ver­dau­li­cher Eiwei­ße und ver­sorgt den Kör­per mit Jod und lebens­not­wen­di­gen Ome­ga-3-Fett­säu­ren. Doch gleich­zei­tig gehört Fisch zu den Nah­rungs­mit­teln, die sehr häu­fig eine lebens­lan­ge Nah­rungs­mit­tel­all­er­gie mit deut­li­chen Sym­pto­men aus­lö­sen. Welt­weit sind geschätzt etwa 0,1 Pro­zent der Bevöl­ke­rung davon betrof­fen. In Luxem­burg, wo auf­grund des hohen Anteils der Bevöl­ke­rung aus dem medi­ter­ra­nen Raum viel Fisch kon­su­miert und ver­ar­bei­tet wird, kom­men die­se All­er­gi­en jedoch häu­fi­ger vor.

Man­che All­er­gi­ker tole­rie­ren bestimm­te Fisch­ar­ten und bräuch­ten daher trotz ihrer Über­emp­find­lich­keit nicht auf die­se wert­vol­le Eiwei­ß­quel­le ver­zich­ten. „Ob eine All­er­gie gegen vie­le ver­schie­de­ne Fisch­ar­ten, eine soge­nann­te Kreuz­all­er­gie vor­liegt, konn­ten All­er­go­lo­gen bis­her nur in sehr auf­wän­di­gen Tests her­aus­fin­den, bei denen Betrof­fe­nen Fisch oral ver­ab­reicht wird“, so Dr. Kühn. Um die Labor­dia­gnos­tik bei Fisch­all­er­gi­kern zu ver­ein­fa­chen, hat die For­sche­rin nun gemein­sam mit Kol­le­gen aus Nor­we­gen und Schwe­den bestimm­te Mar­ker im Blut von Pati­en­ten iden­ti­fi­ziert. Dazu hat das Team 35 Pati­en­ten mit einer nach­ge­wie­se­nen Fisch­all­er­gie Kabel­jau, Lachs und Makre­le ver­ab­reicht und anschlie­ßend bestimm­te Anti­kör­per in deren Blut gemes­sen. Anti­kör­per wer­den vom Immun­sys­tem all­er­gi­scher Men­schen als Reak­ti­on auf bestimm­te Eiwei­ße in Lebens­mit­teln gebil­det, auf die der Betrof­fe­ne über­re­agiert. Men­schen mit einer Fisch­all­er­gie reagie­ren meist auf Par­val­bu­min, ein Eiweiß, das ins­be­son­de­re in den Mus­kel­zel­len des wei­ßen Flei­sches ver­schie­de­ner Fisch­ar­ten vor­kommt. Kürz­lich haben Dr. Kühn und ihre Kol­le­gen jedoch gezeigt, dass auch die Fisch­ei­wei­ße Eno­la­se und Aldo­la­se eine Über­re­ak­ti­on aus­lö­sen kön­nen (Kühn et al. Cli­ni­cal & Expe­ri­men­tal All­er­gy 2013).

In ihrer aktu­el­len Stu­die haben die For­scher nun nach­ge­wie­sen, dass All­er­gi­ker unter­schied­li­che Anti­kör­per bil­den, je nach­dem, ob sie nur auf Par­val­bu­min oder auch gegen die Fisch-Eiwei­ße Eno­la­se und Aldo­la­se über­emp­find­lich reagie­ren. Damit haben Dr. Kühn und ihre Kol­le­gen erst­mals zei­gen kön­nen, dass sich Per­so­nen mit einer Kreuz­all­er­gie gegen meh­re­re Fisch­ar­ten anhand spe­zi­fi­scher Mar­ker (Anti­kör­per) unter­schei­den las­sen. „Somit eröff­net die­se Form der kli­nik­na­hen All­er­gie­for­schung ganz neue Mög­lich­kei­ten einer mole­ku­la­ren und damit per­so­na­li­sier­ten All­er­gie­dia­gnos­tik“, so Dr. Kühn. „Mit­hil­fe die­ser spe­zi­fi­schen Anti­kör­per wird es in Zukunft hof­fent­lich mög­lich sein, bestimm­te For­men der Fisch­all­er­gie früh­zei­tig zu iden­ti­fi­zie­ren und den Betrof­fe­nen sinn­vol­le Ernäh­rungs­tipps zur Risi­ko­ver­mei­dung zu geben.“ Zugleich kann die­ses Wis­sen All­er­gie­for­schern mög­li­cher­wei­se in Zukunft dabei hel­fen, gefähr­de­te Men­schen vor einer Sen­si­bi­li­sie­rung durch bestimm­te Fisch­ei­wei­ße zu bewah­ren und damit der All­er­gie­ent­wick­lung vor­zu­beu­gen.

Via
Cross-reactivity in fish allergy: A double-blind, placebo-controlled food-challenge trial
Quelle
Luxembourg Institute of Health
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